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möchte aber wohl der Schüler die Geſetze des Denkens, ſo wie die auf ihnen beruhende Bedeutung der allen Sprachen gemeinſamen Formen leichter erkennen, als an ſeiner Mutterſprache?— Sie allein bietet hin⸗ ſichtlich des Stoffs kein ſonderliches Hinderniß dar und begünſtigt darum das ungeſtörte Verweilen des Geiſtes bei den Gedanken und Gedanken⸗ verhältniſſen, ausgeprägt in den Grund-Rede⸗ und Satzformen im aller höchſten Grade, während es jede fremde Sprache, bei welcher ſtets ma⸗ terielle Schwierigkeiten obwalten, ebendeßwegen erſchweren muß*).
Da demnach derjenige Sprachunterricht, welcher dem hoͤchſten Zwecke gemäß verfährt, Begriffe, Begriffsbeziehungen„Gedanken, Gedankenver⸗ hältniſſe, den Denkvorgang und die Geſetze des Denkens aufklärt, ſo liegt es offen vor, daß ſein Stoff nicht bloß ein rein geiſtiger, mithin wie der aller rationellen Wiſſenſchaften, ein die Denkkraft während des Bemächtigens in hohem Grad übender und ſtärkender iſt, ja es folgt ſogar noch weiter, daß derſelbe, falls er genügend aufgefaßt wird, ein klares, beſtimmtes und deutliches Selbſt⸗ und Sprachbewußtſein, alſo Klarheit und Deutlichkeit der Begriffe, Richtigkeit der Urtheile und Ord⸗ nung im Denken, worin gewißlich die wahre Verſtandesbildung beſteht, zum nothwendigen Reſultat haben muß**).
uͤber das allgemeinſte Erzeugniß des Menſchengeiſtes kommen wir auch im⸗ mer tiefer zu ſeinem organiſchen Zuſammenhang, zu den allgemeinſten For⸗ men, in denen ſich der erkennende Geiſt bewegt.⸗
Anmerk. 4. Vergl. Becker II, XIV.
*) Anmerk. 1. Vergl. Herl. L 23; Schmitth. Meth. Pag. 11.
Anmerk. 2. Lorberg:»An der Mutterſprache koͤnnen am leichteſten die Geſetze erkannt werden, nach welchen jede Sprache aus dem menſchli⸗ chen Geiſte hervorgegangen iſt, und welche daher bei Erlernung einer jeden zum Bewußtſein gebracht werden muͤſſen, wenn eine wirkliche Einſicht in die Sprache erzielt werden ſoll.⸗
**) Anmerk. Schmitth., Urſprachl. 65:»Der Zweck formeller geiſtiger Bil⸗ dung kann zunaͤchſt kein anderer ſein als den Zoͤgling zu voller Klarheit des Bewußtſeins und zu einem freien ſelbſtſtaͤndigen Denken zu erheben.⸗
Sailer, Erziehungslehre pag. 242:» Die an Ertenſion und Intenſion benehmende Verdeutlichung der Begriffe macht die eigentliche Verſlandesbil⸗
ung aus.«


