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ſtande. Die Sinne regen ſich und verdrängen allmählich den geiſtigen Schlaf, indem ſie das Auflodern des inneren Lebensfunkens nebſt dem Verlangen zu ſprechen anfachen und fortwährend Stoff für den Geiſt, wie für die Sprache dem Kinde zuführen. Unter allen hierzu mitwirkenden Sinnen nimmt beim Beginne der Entwicklung des phyſiſchen Lebens der des Gehörs den erſten Platz ein, denn früher als durch den Geſichtsſinn lernt das ſchwache Ge⸗ ſchöpf die Mutter am Tone ihrer Stimme kennen, nimmt faſt verſtehend andere Töne auf, und läßt ſich durch dieſelben erheitern, beruhigen und einſchüchtern. Bald geſellt ſich dazu die nicht minder höchſt bedeutſame Thätigkeit des Geſichtsſinns, vermittelſt deren ſchwache Umriſſe, unvollkom⸗ mene Anſchauungen und dunkle Bilder der nächſten Außenwelt in der Seele des Kindes aufzudämmern beginnen*).
Die Erweiſung der Sprachwerkzeuge bleibt einerſeits von der phyſiſchen, andererſeits aber noch mehr von der pſychiſchen Entwicklung in Abhängig⸗ keit. Je mehr letztere vorſchreitet, deſto mehr fühlt ſich das Kind zun Ge⸗ brauch derſelben aufgefordert. Zeigt ſich dieſes Bedürfniß, einfache Gegen⸗ ſtände, Wünſche, Bedürfniſſe oder Vorſtellungen auszudrücken, dann ſehen die das Kind umgebenden Menſchen leicht, was von ihrer Seite zur Ver⸗ vollkommnung der Sprachwerkzeuge zu thun iſt, und unternehmen es ent⸗ weder vorſprechend oder nachhelfend dieſe erſten Verſuche zu unterſtützen, vielleicht auch die etwaigen Mangelhaftigkeiten und Schwierigkeiten, welche in der phyſiſchen Beſchaffenheit der Sprachwerkzeuge ihren Geund haben, zu beſeitigen. Ohne das Zuſammenleben mit Menſchen und beſonders ohne belebende Einwirkungen von ihrer Seite auf das pſychiſche Princip des Kindes kann an ein Zunehmen des Sprachvermögens nicht gedacht werden. Im Falle die Mutter, welcher außer der leiblichen auch die erſte geiſtige und ſprachliche Pflege von der Natur überwieſen iſt, die dürftigen ſinnlichen Wahrnehmungen nicht einigermaßen firirt und ſie nicht zu größerer Genauig⸗ keit führt, wird höchſtens ein ſehr ſchwaches und oft gar kein Bedurfniß, das Angeſchaute ſprachlich zu bezeichnen, entſtehen. Die Gegenſtände der Außenwelt, ſogar die ſeiner nächſten Umgebung, ſchaut das ſich ſelbſt über⸗
*) Anmerk. Alle andere Sinne ſtehen an Einfluß auf die geiſtige und ſprachliche Belebung dieſen beiden weit nach. Sie ſind uͤberhaupt mehr im Dienſte des leiblichen als des geiſtigen Lebens. 2


