Aufsatz 
Über den höchsten Zweck des grammatischen Unterrichts in der deutschen Sprache / vom Conrektor Schmidtborn
Entstehung
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Mannigfaltigkei d. i. als Begriff zu denken, zu verdeutlichen, unter einan⸗ der zu vergleichen und zum Ürtheil zu verbinden; wäre es endli Menſchengeiſte möglich, Gedankenreihen und Wiſſenſchaſten über de 394 und Außenwelt nebſt Darſtellungen ihres beſonderen Seins hervor ala maen, wenn ihm nicht die Sprache zu Gebote ſtände? durnngen, Wenn das Geſagte, daß die Sprache in ſubjectiver wie in objectiver Beziehung nicht allein das ausſchließliche Eigenthum und den Hauptvorzug des Menſchen bildet, ſondern daß ſie zugleich ein abſolut nothwendiges Pro⸗ duct der Menſchennatur iſt, auf Wahrheit Anſpruch machen darf, alsdann folgt zunächſt hieraus die Abweiſung des Wahns, die Mutterſprache ſei ein im ſtrengen⸗Sinn des Wortes zu erlernendes Obſject, ſie ſei eine dem Men⸗ ſchen mitzutheilende Wiſſenſchaft, eine durch Abrichtung und Gewöhnung ihm anzueignende Fertigkeit, Tüchtigkeit und Kunſt, welche willkürlich bewirkt oder nicht bewirkt werden könne*). Es folgt dagegen nicht minder aus dem Bisherigen, daß die Sprache im Entſtehen und Werden von ihrer Grundbedingung, alſo vor Allem vom Geiſte; demnächſt von den Sprachwerkzeugen wie auch vom Zuſammenleben mit andern Menſchen abhängig iſt, und daß ſie darum, ſofern der Geiſt als eine keimende Kraft und die Sprachwerkzeuge als unthätige Organe im Kinde vorhanden ſind, gleichfalls beim Lebensbeginn nur für eine Anlage, welche bildungsbedürftig und bildungsfähig iſt, angeſe hen werden darf. Bei dem Kinde entdecken wir darum im Anfange ſei⸗ nes Lebens keine Spur von Sprache. Seinen erſten Lebenszeichen, ſeinem Schreien, ſeinen Gliederbewegungen, welche Wirkungen äußerer Einflüſſe auf ihn oder Entäußerungen leiblicher Zuſtände, des Uebel⸗ und Wohlbe⸗ findens, ſind, mangelt noch jede Aehnlichkeit mit der Art, wie der Menſch ſich ſprachlich offenbart. Seine Sinne, ſeine Sprachwerkzeuge und ſein Geiſt verſagen ihm noch jeden Dienſt, ſchlummern und ſcheinen gar nicht da zu ſein. Je mehr das körperliche Gedeihen zunimmt, deſto ſchneller ent⸗ windet ſich der Säugling dieſem vom leiblichen Leben ganz befangenen Zu⸗

. m; i aber *Rapp vergleichende Sprachlehre pag. 2:»Die Sprache iſt abe 1 Anmer poe dene ſe iſt nicht aus der Wlihr eines Einzelnen, niche dn ch

menſchliche Reflexion entſtanden, ſondern der Menſchengeiſt hat ſich den

Sprachſtoff unbewußt organiſirt«

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