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verſchiedenen Sprachen der Voͤlker erſcheinen daher bei einiger Ausbildung als der Ausdruck des Menſchengeiſtes in ſeiner tiefſten Innigkeit, ſeiner ur⸗ ſprünglichen Ideen und ſeiner urſprünglichen Geſetzmäßigkeit, und jede be⸗ ſondere Sprache eines Volks als die vollkommenſte Offenbarung ſeiner Welt, ſeiner Beziehungen zur Welt und der Welt zu ihm; ſeiner Gedanken, ſeiner Willensäußerungen, ſeiner Gefühle und ſeines Wiſſens, kurz, ſeines ihm eigen⸗ thümlichen inneren Lebens und damit zugleich als der getreuſte Abdruck ſei⸗ nes ganzen Culturzuſtandes*).
*) Anmerk. 1. Bernhardi I. 4:»Es konnte denen, welche mehrere Spra⸗ chen kannten, nicht entgehen, daß ſie bei einer noch ſo großen Verſchiedenheit des Einzelnen, dennoch in ihrem Bau und in ihren Theilen eine bewunderns⸗ wuͤrdige Aehnlichkeit hatten.«
Anmerk. 2. Pott Etymolog. Forſchungen II. pag. 1.» Am ſchwierig⸗ ſten, mindeſtens fuͤr jetzt, duͤrfte die Aufgabe ſein, im Einzelnen herauszu⸗ bringen, warum ſich ein gleicher Sprachſtoff hier oder dort ſo und zwar ſo umgeſtaltet habe, beſonders, wann ſich nicht in den Lautgruppirungen ein beſonderer Grund zu der Wahl jener Lautveraͤnderung entdecken laͤßt.«
Anmerk. 3. Dr. Kroͤger:»Wie dem⸗Thiere ſeine eigene Tonart gege⸗ ben iſt, um ſeine Empfindungen auszudruͤcken; ſo iſt dem hoͤher begabten Menſchen die Sprache als ein Mittel, ſeine Erkenntniſſe, Gefuͤhle, ſeine Zwecke, ſeine Hoffnuugen, Wuͤnſche und Sorgen ausdruͤcken zu koͤnnen, ge⸗ geben. Die Sprache iſt an ſich, in der allgemeinſten paͤdagogiſchen Bedeu⸗ tung betrachtet, der Inbegriff des geiſtigen Bewußtſeins des menſchlichen Geſchlechts von ſich und von der Naͤtur. An die Sprache knuͤpft ſich die Anſchauung der Geiſterwelt, wie ſich an die aͤußere Natur das Daſein der Sinnenwelt knuͤpft, und wie die aͤußere Natur das Daſein der Sinnenwelt ſelbſt iſt, ſo iſt die Sprache das Daſein, d. h. die ſichtbare Erſcheinung, das wirkliche Hervortreten der im Geiſte und Gemuͤthe ruhende Geiſterwelt ſelbſt. Die Sprache iſt die allgemeine Darſtellungskraft alles deſſen, was durch den Umfang aller Fundamente und aller Quellen der menſchlichen Erkenntniß in uns entfaltet worden iſt.«
Anmerk. 4. Becker Organ. 1:»In der gewordenen Sprache iſt die von der menſchlichen Intelligenz gebildete Weltanſicht ausgepraͤgt..“.
Anmerk. 5. Schmitthenner Meth. pag. 28:»Der Geiſt jedes Volkes faßt nach ſeinem Charakter, ſeinen Verhaͤltniſſen und ſeiner Stimmung(22) die Welt in eigenthuͤmlicher Weiſe auf und legt dieſe Weltanſicht in der Sprache dar.« 4


