Aufsatz 
Über den höchsten Zweck des grammatischen Unterrichts in der deutschen Sprache / vom Conrektor Schmidtborn
Entstehung
Einzelbild herunterladen

13

und Dauer erlangt hat, aufzufaſſen, da ſie nur als ein aus der menſchli⸗ chen Natur entſproſſenes Gebilde, mithin als ein Wirkliches, das Verſtändi⸗ gungs⸗-, das Bildungs⸗ und Vereinigungsmittel der Menſchen ſein kann. Zwar treffen wir bei den Menſchen der Erde nicht eine, ſondern viele Sprachen an, indem ſowohl phyſiſche als pſychiſche(noch nicht genügend er⸗ forſchte) Urſachen die Entſtehung einer ſolchen nicht geſtatten; aber alle be⸗ ſonderen Sprachen der Völker ruhen doch wenigſtens auf einem und dem⸗ ſelben Grunde, entſtehen aus einer und derſelben Quelle und haben darum alle weſentlichen Formen, wie alle Grundgeſetze, mit einander gemein. Die

Einzelnen zu entwickeln und des Ganzen zu bilden. Denn es kommt keiner zur Vernunft ohne zu denken, es gibt keine Begriffe ohne Worte, und es gibt kein Wort, ohne daß einer dem andern gegenuͤberſteht kurz es gibt gar keine Bildung des Menſchen ohne Sprache.« Anmerk. 7. Rapp vergleichende Gramm. pag. 1:»In der Sprache, als dem Organe der Begriffe des Menſchen, entwickelte ſich ſein Wiſſen von der Natur, ſein Wiſſen von der Sprache ſelbſt und endlich ſein Wiſſen vom Geiſt, oder vom Wſiſeen ſelbſt.«

Anmerk. 8 Wrſee Volkm. Reinhard, die Gabe der Sprache.»Daß unſere Vernunft erwache und zur Erkenntniß der Wahrheit gelange, daß unſer Herz ſich veredle und ſelbſtſtaͤndig und frei handeln und ſeiner Pflicht gehorchen lerne, daß ſich jede Kraft unſerer Natur entwickle und gluͤcklich weiterſtrebe; daß das Bild unſeres Schoͤpfers immer ſichtbarer an uns werde, und unſer Weſen ſich zur Aehnlichkeit mit Gott verklaͤre, das iſt der große Endzweck unſeres Hierſeins, das iſt der Inbegriff unſerer Büldung., Aber es iſt die Sprache, wodurch dies Alles bei uns bewir wer⸗ den muß. Die holden Toͤne der muͤtterlichen Liebe wecken unſern Geiſt aus ſeiner erſten Bewußtloſigteit und entfeſſeln gleichſam unſere Praͤfte; und Worte ſind es, es iſt die Kraft und der Reichthum, der Reiz un Sau⸗ ber der Rede, wodurch uns Aües gißeben. Bit, vas vir bevürfen 5 1 Worte ertheilt man uns den erſten Unterricht; unſere Empfindungen; durch Worte uͤbt man unſern bihei kaftz. derch Worte eroͤffnet man uns das Heiligthum der ahrheit; 8 eet

i: durch Worte macht uns die Freun und ſchaͤrft man unſer ſittliches Gefihl z0 rrc nn uns De r lene hrungen, ſchaft ihre Rathſchlaͤge, die Geſchichte ihr aoruge Ermunterungen und

ſ' die Religion ihre Lehren und Forderungen, üum Sehe, an betaant; je Reziger wir auf Alles melten, was zu unds ſanihe je williger wir Alles verfolgen, was durch die 2fwiweden follen. klart wird, deſto leichter nud ſicherer werden wir, w

7