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Laut, das Wort und die Wortverbindung, dem inneren Antrieb gehorchend und nach dem inneren Geſetz ſich richtend, hervor und nimmt auch dieſelben von Außen her auf, weil der Menſch zu dem Ende ſowohl Sprach⸗ als Gehör⸗Organe vom Schöpfer empfangen hat. Zunge, Lippen, Gaumen und Zähne bewirken die Artikulation der Töne; die kunſtvollſten Gehörs⸗ werkzeuge aber die Aufnahme der von andern ähnlichen Geſchöpfen auf dieſe Art ſinnlich vernehmbar gewordenen inneren Lebenszuſtände*).—
Die Fähigkeit, artikulirte Töne hervorzubringen und durch ſie das in⸗ nere Leben zu offenbaren, nennt man Sprachvermögen, Sprache im enge⸗ ren und eigentlichen Sinn und, ſofern ſie jedem einzelnen Weſen, das zur Menſchengattung gehört, zukommt, auch Sprache in ſubjektiver Beziehung.
Muß und kann nun der Menſch nach ſeiner geiſtigen und leiblichen Beſchaffenheie ſprechen, dann liegt die Naturanlage des Menſchen als Ur⸗ grund des Sporachentſtehung ſowohl bei ganzen Völkern, als auch bei Indi⸗ viduen vor**). 2
*) Anmerk. Die vergleichende Grammatik als Naturlehre dargeſtellt von Dr. Rapp. Stuttg. 1836 1r Thl. Phyſiologie der Sprache pag. 1:»Der Menſch erkennt ſich in der Natur als ein Geſchoͤpf, als einen Theil derſelben. Zugleich hat er ihr gegenuͤber ſein Bewußtſein und den Gedanken gefunden. Dieſer Act ſeines Geiſtes bedurfte aber eines Organs, um ſich zu manife⸗ ſtiren; der Gedanke mußte eine ſinnliche Form annehmen, um zu haften und zu leben, und der Menſch brauchte einen andern ihm von der Natur ver⸗ liehenen Sinn, das Gehoͤr, dem ſich in Lauten ein ſinnlicher Stoff gegen⸗ uͤberſtellte.«
**) Anmerk. 1. Gelingt es auch, wenigen Thieren die Fertigkeit der Tonglie⸗ derung einigermaßen anzugewoͤhnen, ſo bleibt dieſe doch, mit der menſchli⸗ chen Natur verglichen, nicht allein hoͤchſt unvollkommen, ſondern es wird ihr auch ſtets das rein geiſtige Element, in welchem das charakteriſtiſche Merkmal der menſchlichen Sprache beſteht, fehlen. Beſitzen die Thiere au⸗ ßerdem zweifelsohne das Vermoͤgen, ſich untereinander, ja ſogar dem Men⸗ ſchen, der ſie oft und genau beobachtet, verſtaͤndlich zu machen, ſo geſchieht dies doch blos durch Laute und höchſt ſelten durch duͤrftig artikulirte Töne, weil ihre inneren Seelenzuſtaͤnde weit einfacher als die menſchlichen ſind, und weil ihnen das dem Menſchen ausſchließlich eigenthuͤmliche Selbſtbewußt⸗ ſein durchaus abgeht. Weder zu eigentlichen Begriffen, noch zu Urtheilen, ohne welche die Sprache raͤcht kommt, erheben ſich darum die Thiere. Von jeher zaͤhlte man deßhalb das Vermoͤgen der Sprache zu den der Menſchen⸗


