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Jede Willens- und Gefühlsregung, ſelbſt jede Vernunftidee, welche wir durch die Wortſprache enthüllen, ſetzt aber außer dem urſprünglichen Verlangen nach Offenbarung die Reflexion des Verſtandes voraus, da er allein ihnen
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Zuſtandes, eines Gefuͤhls, Bildes oder Gedankens aus, er zeichnet gewiſſer⸗
maßen die Geſtalt ſeiner inneren Welt in die Stimme. Der alſo ausge⸗ praͤgte Laut iſt das Wort, die Beziehung auf den inneren Zuſtand ſeine Be⸗ deutung.«
Anmerk. 2. Graßmann in ſeiner Sprachbildungslehre ſagt:»Die Sprache iſt der treue Abdruck unſerer hoͤheren Natur, ſie iſt unmittelbares Abbild unſerer inneren Vorſtellungswelt und dadurch auch mittelbar ein Ab⸗ bild der uns umgebenden aͤußeren Welt und ihres Zuſammenhangs mit un⸗ ſerem Inneren.«
Anmerk. 3. Cicero: Vocabula sunt notae rerum.
Anmerk. 4. Kerndoͤrffer Handbuch der Redekunſt, Quedlinburg 1839 §. 1:»Dem Menſchen iſt bei ſeinem erſten Eintritte iſt das Daſein auf Er⸗ den eine beſondere Regſamkeit ſeines Inneren eigen, die ihn aus dem Zu⸗ ſtande der Bewußtloſigkeit erweckt und ſein allmähliges Erwachen aus dem⸗ ſelben, aus ſeinen dunklen Geſuͤhlen zu einem fortſchreitenden, klaren und deutlichen Selbſtbewußtſein fuͤr ein vernuͤnftiges Denken, Wollen und Han⸗ deln befoͤrdert. Hierzu wurde ihm von der ſchaffenden Natur, als eine freundliche Mitgabe ihrer, ihn von der Thierheit unterſcheidenden Milde, fuͤr das Leben ein eigner Trieb eingepflanzt, der ihn darauf hindraͤngt, ſich alles dasjenige, was in ſeinem Inneren vorgeht und dieſes als Erſcheinung des inneren Sinnes in Thaͤtigkeit bringt, hoͤrbar zu verſinnlichen und dadurch das deutliche Bewußtſein der Seele zu bewirken und in mancherlei in ihr vorhandenen Erſcheinungen darzuſtellen.«§. 2:»Das Mittel fuͤr dieſe zu dem deutlichen Bewußtſein ihrer ſelbſt unumgaͤnglich nothwendigen ſinnlich vernuͤnftigen Darſtellung iſt die Sprache, in welcher ſich die Vernunft of⸗ fenbart.⸗
Anmerk. 5. Mayer: uͤber den Unterricht in fremden Sprachen. Eſſen 1838. pag. 11. Die Sprache iſt der erſtgeborene Sohn des Geiſtes, der ſich aͤügernde und manifeſtirende Geiſt und darum legt ſie auch Zeugniß vom Geiſte ab. Wie aber der menſchliche Geiſt ſelbſt, um zu erſcheinen, des Leibes bedarf, wie der Menſch eine Einheit von Geiſt und Koͤrper iſt, ſo iſt auch die Sprache die Einheit von Vorſtellung und Laut; ſie hat eine logiſche und phonetiſche Seite u. ſ. w.
Anmerk. 6. Wenn gleich der menſchliche Geiſt ſein Daſein und Leben auch durch Geberden und Mienen, durch Bau⸗ Bildhauer⸗Kunſt, durch Malerei und Muſik aͤußerlich beurkundet, ſo iſt doch unter allen dieſen Dar⸗


