Aufsatz 
Die Verwendung der Heimatkunde im Geschichtsunterricht / von Friedrich Schmidt
Entstehung
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Erfelden, Gernsheim, Heppenheim, Weinheim, Ladenburg, Schriessheim, Dossenheim, Hand- schuchsheim wurden niedergebrannt, und bis Lindenfels streiften die mordbrennerischen Scharen. Auch Rüsselsheim und Dornberg wurden zerstört. An der Festigkeit der Starkenburg aber scheiterte wiederum, wie im Jahre 1645, die französische Belagerungskunst. In Darmstadt verlangte de Lorges die Schleifung der Stadtmauern, doch standen die Franzosen gegen Zahlung von 12000 Gulden von ihrem Vorhaben ab.

Im Jahre 1693 nahte Melac wiederum, brandschatzte Darmstadt und legte Zwingenberg bis auf wenige Häuser in Asche. Bensheim blieb vor gleichem Schicksal nur dadurch bewahrt, dass im dortigen Kapuzinerkloster, welches seit dem 30 jährigen Krieg bestand, ¹) ein franzö- sischer General krank lag.

Um diese Zeit wanderten nach Aufhebung des Edikts von Nantes 1685 zahllose fran- zösische Hugenottenfamilien in die Verbannung. Wie in anderen Staaten, so fanden sie auch in Hessen Aufnahme und gründeten hier die sog. Waldenserkolonien, wie Rohrbach, Wembach, Hahn 1699.

Auch während des österreichischen Erbfolgekriegs hatte die Umgegend von Darmstadt vor und nach der Schlacht bei Dettingen(1743) unter Franzosendurchzügen zu leiden.

Die Bedeutung der Burgen für die Landesverteidigung war immer mehr geschwunden. Die Windeck zerfiel Ende des 17. Jahrhunderts, der Frankenstein war seit 1741 unbewohnbar. 1765 wurde die Starkenburg ²) von Mainz selbst geschleift, während der Kurfürst von der Pfalz die Burg von Lindenfels 1779 abtragen liess.

Das 17. und 18. Jahrhundert brachte einzelne Gebietsveränderungen. 1671 starb das sagenberühmte Haus der Rodensteiner¹) aus, das 1265 zum ersten Mal erwähnt wird. Die Burg Rodenstein zerfiel seitdem. Damals erwarb die Familie von UÜberbruck die roden- steinische Besitzung in Bensheim.

Die Grafen von Erbach waren im Anfang des 18. Jahrhunderts nach wiederholten Teilungen in zwei Linien gespalten: Erbach-Erbach und Erbach-Fürstenau. 1717 wurde die Fürstenauer Linie wieder in drei Linien geteilt. Die ältere Linie erhielt Fürstenau, die mittlere Reichenberg, die jüngere Schönberg. Als 1731 Erbach-Erbach ausgestorben war, wurde 1747 dessen Gebiet unter die drei Fürstenauer Linien verteilt. Bei dieser Teilung kam das Amt Erbach an die mittlere Fürstenauer Linie, die seitdem den Namen Erbach-Erbach führt. Die jüngere Schönbergische Linie erhielt damals die erbachische Hälfte der Herrschaft Breuberg und das Amt König.

Hessen erwarb 1662 durch Kauf die Burg und Herrschaft Frankenstein, und 1714 kaufte es die durch die bickenbachische Erbschaft einst an Erbach gefallenen Gebiete.

Von den hessischen Landgrafen wurden neue Schlösser gegründet. Landgraf Ernst Ludwig, der in Jägersburg 1739 starb, besass dort ein Haus, das, wie die Sage er- zählt, 365 Fenster hatte. 1760 entstand das Schloss Braunshard, ¹) das ebenso wie die Lauterbachbrücke zu Bensheim an die Rokokozeit erinnert. 1783 kam Erbprinz Ludwig, der nachmalige Landgraf Ludwig X., mit seiner Gemahlin zum ersten Mal in das Fürstenlager. Noch musste der Hof in hölzernen Nothäusern untergebracht werden, aber im nächsten Jahre bereits wurden solidere Baulichkeiten aufgeführt. Ludwig besuchte von nun an das

¹) Die Kapuziner zu Bensheim, bei Wagner, geistl. Stifte Bd. I, 247.

²) Heckler, der Untergang des Schlosses Starkenburg, Archiv I 396.

³) Zehfuss, die Herrn von Rodenstein nebst der Sage von den Wandergeistern auf Schnellerts und Rodenstein, Darmstadt 1825. Wolf, Rodenstein und Schnellerts, Darmstadt 1836. Franck, urkundl. Gesch. d. Herren v. Rodenstein u. ihrer Besitzungen nebst Bemerkungen über die rodensteinischen Sagen, Archiv XI 561.

¹) Franck, ein Besuch auf dem Schlosse zu Braunshard, Darmstadt 1873.