Aufsatz 
Die Verwendung der Heimatkunde im Geschichtsunterricht / von Friedrich Schmidt
Entstehung
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traten die Bayern unter Johann von Werth und Mercy. Diese bestürmten Bensheim und schossen eine Bresche in die Mauer. Nach 7 tägiger Belagerung stiegen sie zur Abend- zeit mit Leitern über die Mauer hinüber, machten. was sie an Bewaffneten fanden, nieder und plünderten die Stadt aus. Da sie mit Strohfackeln umherliefen, gingen etwa 20 Häuser in Flammen auf. Der Sage nach soll eine Frau von Bensheim die Bayern hinten herum in die Stadt geführt haben, indem sie ihnen die Stelle zeigte, wo die Lauterbach unter der Stadt- mauer und einem ziemlich langen Hausgewölbe durchgeführt war. Daran erinnert die Redens- art:Der kommt hinten herum, wie die Frau von Bensum.

1645 wurden Büttelborn, Gernsheim, Heppenheim und Weinheim von den Franzosen geplündert. Turenne belagerte die Starkenburg, konnte sie aber nicht einnehmen. Darmstadt ¹) wurde von der turennischen und königsmarkischen Armee gebrandschatzt. 1647 nahte Turenne wieder. Im April und Mai dieses Jahres hatte er sein Hauptquartier in Gross-Gerau, und Darm- stadt hatte unter dem 9 wöchentlichen Aufenthalt der Franzosen viel zu leiden. In Gernsheim wurden die Festungswerke geschleift, und in Zwingenberg hausten die Franzosen entsetzlich. Damals fiel auch der Otzberg ²) in Turennes Hand, und von dem Schloss Starkenburg musste die kaiserliche Besatzung abziehen.

Im westfälischen Frieden erhielt Mainz die einst an die Pfalz verpfändeten Ge- bietsteile endgültig zurück, so dass die Geschicke der Kreise Bensheim und Heppenheim von nun an wieder mit der Geschichte von Mainz verknüpft sind.

Furchtbares Elend hat der dreissigjährige Krieg über unsere Gegend gebracht. Durch Kriegsnot, Pest, Teuerung und Hunger war das Land verwüstet und die Bevölkerung dezimiert. Manche Ortschaften, wie z. B. Eulbach ³), waren ganz vom Erdboden verschwunden.

VI. Bis zur Begründung des neuen Deutschen Reiches.

Im Jahre 1674 während des Krieges Ludwigs XIV. gegen Holland wurde unsere Gegend nach der Schlacht bei Sinsheim von Turenne furchtbar verherrt. Aus den Dörfern der Umgebung flüchteten die Bauern auf das Auerbacher Schloss, wo man sich gegen die Franzosen verteidigte und mehrere siegreiche Ausfälle machte. Durch einen geheimen Weg gelang es jedoch den Franzosen, die Feste zu überrumpeln), und nach einem wilden Handgemenge gingen die Gebäude in Flammen auf. Seitdem stand das Schloss leer und zerfiel. Bei Zwingenberg lieferten später die Franzosen den Kaiserlichen ein Gefecht. Am Tage darauf, am 5. Juli, kam Turenne in Zwingenberg an, am 9. war er in Gross-Sachsen, und in weitem Umkreis bezeichneten brennende Dörfer seinen Weg. Auch die Wasserleitung des Breubergs wurde damals von Turenne zerstört. Entrüstet über das Wüten der Franzosen forderte der Kurfürst von der Pfalz Turenne zum Zweikampf, aber dieser ging nicht auf diese Forderung ein. Im folgenden Jahre liess der Kurfürst die Festungswerke von Gernsheim schleifen, damit sich die Franzosen hier nicht festsetzen könnten.

1689 folgte im pfälzischen Erbfolgekrieg die grosse Pfalzverwüstung, die Melac im Auftrag des französischen Kriegsministers Louvois ausführte. Zwischen Heidel- berg und Mannheim wurden in einer Nacht 14 Dörfer angezündet. Bibesheim, Stockstadt,

¹) Bauer, Darmstadts Kriegsbedrängnisse im Juni 1645, Archiv X 174.

²) Bauer, Eroberung des Schlosses Otzberg 1647, Archiv XI 423.

³) Wagner, Wüstungen, Starkenburg. S. 124.

¹) Zur Geschichte der Zerstörung des Auerbacher Schlosses, Archiv XI 177.