Aufsatz 
Die Verwendung der Heimatkunde im Geschichtsunterricht / von Friedrich Schmidt
Entstehung
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durch den Vertrag bei Höchst am 19. November 1631 Rüsselsheim den Schweden übergeben war, war die Mainlinie in ihrer Gewalt. Am selben Tag kam es zu einem lebhaften Gefecht bei Alsbach a. d. B. Doch wurde der Vormarsch der Schweden gehemmt durch die Nachricht, dass Tilly, der vorher an der Bergstrasse gelegen hatte, auf Nürnberg losmarschiere. Erst als Gustav Adolf erfuhr, dass Nürnberg nicht mehr in Gefahr sei, rückten die Schweden wieder vor. Der König selbst marschierte auf Gernsheim los, sein Hauptquartier war am 11. Dezember in Langen, am 12. zu Crumstadt, am 13. zu Gernsheim. Gleichzeitig zog eine andere schwe- dische Abteilung die Bergstrasse entlang in der Richtung auf Heidelberg. Sie fand nirgends Widerstand. Die von den Bayern und Lothringern besetzten Städtchen Bensheim, Heppenheim mit Schloss Starkenburg, Weinheim und Ladenburg kamen in schwedische Hände, denn die Feinde liessen es auf keinen Kampf ankommen. Am 15. Dezember, nachdem auch die Feste Stein von den Lothringern verlassen und angezündet worden war, war das rechte Rheinufer abgesehen von der Sternschanze, die Oppenheim gegenüberlag, im Besitze der Schweden. Am 17. Dezember ging Gustav Adolf mit Umgehung der auf dem linken Rheinufer auf dem Kühkopf angelegten feindlichen Schanzen bei Erfelden über den Rhein(Altrhein). 1) Am Abend desselben Tages kapitulierte die Sternschanze, die von den Schweden blockiert worden war. Zur Erinnerung an den Rheinübergang ²) wurde auf Gustav Adolfs Befehl am sog. Hahnensand die Schweden- säule errichtet. Abgesehen davon, dass sie später weiter landeinwärts gerückt wurde, be- zeichnet sie die Stelle, von der aus der König selbst den Übergang geleitet hat. In Erfelden der Kirche gegenüber liegt ein Bauernhaus, in dem Gustav Adolf damals übernachtete.

Bevor Gustav Adolf im März 1632 nach Franken aufbrach, legte er zur Verteidigung von Mainz an der Mainspitze die Gustavsburg an, die 24 Jahre bestand und von der die weit- hin sich dehnenden Festungsgräben noch erhalten sind.

Nach der Schlacht bei Nördlingen 1634 ging auch der Rückzug der Schweden unter Bernhard von Weimar durch unsere Gegend. Schon in diesem Jahre schickten ihnen die Franzosen Hülfstruppen, während die eigentliche Kriegserklärung Frankreichs erst 1635 erfolgte. Hinter den Schweden her zogen die Kaiserlichen, die den Gegner auf das linke Rheinufer hin- überzudrängen suchten. Unter den wechselvollen Kämpfen hatte das Land viel zu leiden, bis die Schweden 1635 das rechte Rheinufer dauernd verloren gaben.

1634 wurde die Vorstadt bei Reinheim von den Schweden bis auf 3 oder 4 Häuser abgebrannt. Alle Dörfer wurden damals von ihren Einwohnern verlassen, Reinheim und Zwingen- berg standen zwei Jahre ganz leer und offen. Lichtenberg, Rüsselsheim und Otzberg boten allein noch Schutz.

Im Jahre 1635 wütete neben dem Hunger die Pest, die Tausende dahinraffte. Nicht der zwanzigste Teil der Einwohner blieb am Leben, in manchen Dörfern überhaupt niemand. In diesem Jahre wurde Darmstadt von den Schweden und Franzosen besetzt, Bernhard von Weimar lag selbst in Darmstadt. Zur Erntezeit nahte der kaiserliche General Gallas und nahm in dem Land zwischen Rhein und Main alles Getreide weg, sodass man nirgends mehr Frucht bekommen konnte. So dauerte die Hungersnot weiter bis 1638.

1637 hausten die Kroaten in Bensheim dergestalt, dass nicht ein Ofen, Fass oder Zuber ganz blieb. Heppenheim wurde 1643 von hessen-kasselschen Truppen geplündert.

Im November 1644 gingen die Franzosen bei Oppenheim über den Rhein und be- mächtigten sich der Orte an der Bergstrasse, darunter auch Bensheims. ³²) Ihnen entgegen

¹) Erst 1829 wurde durch Durchstechung des Kühkopfes das neue Rheinbett geschaffen.

²) Winckelmann, Hessen und Hersfeld S. 107. Kromm, die Schwedensäule bei Erfelden, Frank- furt 1880.

³) Merian, Pfalz S. 12.