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Corduba die Feste Stein, die Starkenburg, Heppenheim, Gernsheim und Bensheim. Damals gingen auch die Klostergebäude von Lorsch durch die Unvorsichtigkeit oder Bosheit der Spanier in Flammen auf. Die Pfälzer eroberten zwar Weinheim, Heppenheim mit der Starkenburg und Bensheim zurück, verloren aber bald alles Eroberte wieder an die Bayern. Denn Tilly kam vom Mainthal her, während andere bayerische Truppen vom Neckar her im Odenwald vordrangen.
Die Truppen des bayerischen Generals Grafen von Anhalt streiften plündernd in den Amtern Freienstein, Erbach, Michelstadt, Reichenberg und Seeheim. Bei seinem Abzug über- nachtete der General mit seiner ganzen Armee in den Dörfern der Amter Schönberg und Reichenberg.
Auch im Jahre 1622 hatten die beiden Amter Schönberg und Reichenberg viel zu leiden, als die Bayern Lindenfels und Otzberg belagerten und eroberten. Der Otzberg wurde von dem pfälzischen Amtmann Julius von Tann tapfer verteidigt, aber zuletzt, nachdem Bresche geschossen war, kam er durch Vergleich in die Hände der Baiern. Im März 1622 wurde Bicken- bach, im April Balkhausen von den Bayern überfallen, auf Himmelfahrt fielen Kroaten in Jugenheim ein. Im Juni erschienen Kroaten in der Vorstadt von Erbach, aber vor dem Schloss mussten sie unverrichteter Sache abziehen. Im Juli wurde das Schloss Schönberg von den Spaniern durch Hinterlist eingenommen. Die Spanier öffneten alle Schränke und Kisten, nahmen die Kostbarkeiten weg und schnitten die Betten auf, so dass die Federn in der Luft gleich Schneeflocken bis Bensheim flogen.
Gleichzeitig plünderte Ernst von Mansfeld das hessische Gebiet bis auf Lichtenberg und Rüsselsheim. Er nahm sieben Tage lang sein Hauptquartier in Darmstadt, ohne dass es der Landgraf Ludwig V. hindern konnte. Dieser stand nämlich auf seiten des Kaisers, während Hessen-Kassel auf der protestantischen Seite kämpfte. Zwischen beiden Hessen war damals über die Marburgische Erbschaft ein schwerer Streit ausgebrochen, der erst 1648 beendigt wurde. Ludwig wollte mit seinem Sohne bei Nacht vor Mansfeld fliehen, wurde aber zu Büttelborn gefangen genommen.
Auf die Kunde von der Schlacht bei Höchst wandte sich der Mansfelder nach Süden und führte den gefangenen Landgrafen bis nach Mannheim mit, wo er ihn wieder auf freien Fuss setzte. Der Sage nach rettete ein treuer Köhler mit Aufopferung des eigenen Lebens seinen Fürsten aus der Gefahr.
Hinter Mansfeld zogen die ligistischen Scharen. Die ganze bayerische Armee unter Tilly wurde in und um Seeheim einquartiert. Tilly selbst wohnte im Pfarrhause zu Seeheim.
1623 fand durch spanische Truppen die Okkupation der Bergstrasse für Kurmainz statt, nachdem Kurpfalz sich geweigert hatte, die von dem Mainzer Erzbischof angebotene Wiedereinlösung anzunehmen.
1629 kam zu den Kriegsnöten die Pest. Diese wütete in Darmstadt so stark, dass sich der Landgraf Georg II. mit dem Hofstaate und der Kanzlei nach Lichtenberg begab, bis er später in Giessen und Marburg eine Zufluchtsstätte fand.
Im Juli 1631 mussten die Besitzer des Breuberges Tilly versprechen, dass der Breu- berg für den Kaiser erhalten bleiben solle. Als aber nach der Schlacht bei Breitenfeld Gustav Adolf heranrückte, trat der Graf von Erbach zu ihm über. Erbach war evangelisch, Löwen- stein katholisch. So kam es, dass der Breuberg während des Krieges bald kaiserliche, bald schwedische Besatzung hatte.
Gustav Adolf) erschien auf dem Zuge gegen Mainz in unserer Gegend. Nachdem
¹) Frohnhäuser, Gustav Adolf und die Schweden in Mainz und am Rhein, Archiv N. F. II 1, 1.


