— 22—
Ulrichs gleichfalls vertriebener Vorgänger, sein Onkel Eberhard II., war als Gefangener des Kurfürsten von der Pfalz in Lindenfels gestorben, 1504.
Im Schmalkaldischen Krieg zog, nachdem sich die schmalkaldischen Bundes- genossen getrennt hatten, der kaiserliche General Graf von Büren mit 4000 Reitern und 10,000 Mann zu Fuss gegen Darmstadt. Nach zweimaligem vergeblichem Sturm nahm er Darm- stadt durch Scheinunterhandlungen und sprengte das aus der Katzenellenbogener Zeit her- rührende Schloss in die Luft. Auch die Grafschaft Erbach wurde von Büren drei Tage lang geplündert.
1556 wurde die Herrschaft Breuberg, die nach dem Aussterben der Breuberger wech- selnde Schicksale gehabt hatte, zwischen den Grafen von Erbach und den Grafen von Stolberg- Königstein geteilt. Der stolbergische Anteil fiel am Ende des 16. Jahrhunderts an die Fürsten von Löwenstein, mit denen sich noch heute die Erbacher Grafen in den Besitz teilen. Die Herrschaft Breuberg umfasste das Gericht Neustadt, die Centen Höchst, Lützelbach und Kirch- brombach.
Folgenreich war das Jahr 1567 durch den Tod Philipps des Grossmütigen, denn seinem Testamente gemäss fiel Hessen-Darmstadt an Georg I. ¹) Seit dieser Zeit also gehörten die hessischen Teile Starkenburgs, d. h. die Amter Rüsselsheim, Dornberg, Darmstadt, Lichten- berg, Zwingenberg zu Hessen-Darmstadt, und Darmstadt wurde Residenz. In Darmstadt ²) und Lichtenberg liess Georg I. an Stelle der katzenellenbogenschen Burgen neue Schlösser bauen.
Wie andere Städte war Bensheim in seiner Entwicklung fortgeschritten. Zur Verteidigung dienten z. T. doppelte Mauern von 30 Fuss Höhe und 4 Fuss Dicke, Türme, Vorwerke, Verpalisadierungen. Der steinerne Brunnen auf dem Markt, den jetzt eine St. Georgsstatue ziert, geht bis ins Jahr 1528 zurück. Einzelne alte Häuser stehen noch heute in der Hintergasse(1533), in der Hauptstrasse(1594) und am Markt(1615). Im Jahr 1600 ist die Seelenzahl Bensheims zu 875 angegeben, 1623 zählte die Stadt 334 Bürger. Das Wappen der Stadt stellt den heiligen Georg dar, stehend, mit dem Lindwurm, das Siegel zeigt Bonifatius oder Martinus, den Landespatron von Mainz.
Der Marktverkehr lockte viele Leute in die Stadt. 1583 wurde verordnet, dass jeden Markttag 60 Mann der Bürgerschaft als Wache an die Thore und auf den Markt ver- teilt werden sollten. Jeden Tag gingen 2 Mann als Polizei auf den Gassen umher. Später wurden auch drei Gassenwärter zum Reinigen angestellt.
1619 nach Ausbruch des Krieges war man in grosser Angst. 9 Turmwächter wurden aufgestellt. Die Stadtthore wurden zwischen Tag und Dunkel geschlossen und erst am Morgen wieder geöffnet, Bettler durften nicht eingelassen werden. Jeder Pförtner musste Wasser vor seiner Thüre haben. Während die Thore geschlossen waren, durfte kein Wirt mehr Gäste halten, die Fremden mussten verhört werden, Pechpfannen mit ihren Ringen sollten immer bei der Hand sein. Während der Predigt wurden alle Schläge an den Pforten zugehalten, die Thore wurden nicht eher wieder geöffnet, als bis der Pförtner das Zeichen gab. Acht Hüter wachten bei Tag und Nacht.
Bald brachen in der That die Schrecken des dreissigjährigen Kriegess) über unsere Gegend herein. 1620 erschienen die Spanier unter Spinola, 1621 nahmen sie unter
¹) Georg I. der Fromme, Denkschrift, hrsg. vom hist. Verein für das Grossherz. Hessen, Darmstadt 1896.
²2) Weyland, Gesch. d. grossherz. Residenzschlosses zu Darmstadt, Archiv XI 447. Schenck zu Schweins- berg, zur Baugesch. d. Darmstädter Residenzschlosses, Archiv N. F. I 297.
³) Minck, kurtze Erzehlung desjenigen, so sich sonderlich um Lichtenberg von 1422—1682 zugetragen: bei Retter, hess. Nachrichten I. Samml. 1738 S. 97.


