— 21—
Berücksichtigung verlangen vor allem die Kirchen, die oft in frühe Zeit zurück- gehen. So ist die Zwingenberger Kirche am Ende des 14. oder Anfang des 15. Jahrhunderts erbaut. Der Turm und die grosse Glocke der katholischen Pfarrkirche zu Bensheim stammt aus dem Jahr 1369, während die Kirche selbst 1830 neu aufgeführt wurde. Bei den Kirchen- bauten sind die einzelnen Teile(Turm, Langschiff, Chor, oft mit Krypta darunter), der Bau- stil(romanisch und gotisch) und die alten Grabsteine besonders zu beachten.
Ein Denkmal aus den letzten Zeiten des Mittelalters ist die kürzlich ausgegrabene Kapelle„zur Not Gottes“ ¹) bei Auerbach, die zwischen den Jahren 1427 und 1527 urkund- lich erwähnt wird. Aus einzelnen Baugliedern schliesst man, dass die Kapelle schon im 14. Jahrhundert in gotischem Stil errichtet wurde. Schon vorher bestand hier eine Einsiedelei, die, nach einzelnen Funden zu schliessen, bis in die fränkische Zeit zurückgeht.
Auch in unserer Gegend machten sich in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts die Vorboten einer neuen Zeit geltend. An der Erfindung der Buchdruckerkunst hat Peter Schöffer aus Gernsheim Anteil, dem in seiner Vaterstadt Gernsheim 1836 ein Denkmal er- richtet wurde.
Die Bewegung des Humanismus fiel in Ladenburg auf fruchtbaren Boden. Hier hatte der kurpfälzische Kanzler und 1483 zum Bischof von Worms ernannte Kämmerer Johann von Dalberg ²) seine Residenz aufgeschlagen und seinen Hof zum Sammelpunkt der berühmtesten Gelehrten seiner Zeit gemacht. In der gelehrten Akademie zu Ladenburg, wo eine Druckerei eingerichtet war, waren Agrikola, Celtis, Reuchlin die gelehrtesten Mitglieder. Für die neue Bibliothek in Ladenburg wurden auch die Lorscher Bücherschätze gewonnen. Von hier kamen die Bücher später nach Heidelberg, von wo sie Tilly 1622 nach Rom an den Papst sandte.
V.
Bis zum westfälischen Frieden.
Für Luther und die Reformation erklärten sich ausser Philipp dem Grossmütigen von Hessen(1525) und dem Kurfürsten von der Pfalz(1539) auch die Grafen von Erbach, ³) deren erste Kirchenordnung 1560 erschien. Bei der Durchführung der Reformation auf pfäl- zischem Gebiet wurde das Kloster Lorsch aufgehoben. Das Jahr der Aufhebung lässt sich nicht bestimmt angeben, doch war 1566 die Calvinisierung vollendet.
In das Jahr 1518 fällt Sickingens Fehde gegen Hessen. Er ging bei Worms über den Rhein, verwüstete Gernsheim und nahm Zwingenberg. Später zog er mit 3000 Reitern und 10,000 Fussgängern gegen Darmstadt, wo 600 Reisige als Besatzung lagen. Auf der Seite des Bessunger Thores wurde die Stadt angegriffen, die sich verteidigte, bis durch Vermittlung des Markgrafen von Baden ein Friedensvertrag zu stande kam, nach welchem Sickingen ausser den streitigen Gütern 35,000 Gulden erhalten sollte.
Der Bauernkrieg 1525 ging an unserer Gegend ziemlich spurlos vorüber.
Auf dem Alsbacher Schloss wohnte längere Zeit der vertriebene Herzog Ulrich von Württemberg, dem Philipp der Grossmütige dieses und das Auerbacher Schloss zur Ver- fügung stellte, bis er ihn durch die Schlacht bei Lauffen(1534) in sein Land zurückführte.
¹) Wagner, Wüstungen. Starkenburg S. 36. Quartalbl. 92, 3, S. 172 und 93, 3, S. 365. ²) Morneweg, Johann von Dalberg, ein deutscher Humanist und Bischof, Heidelberg 1887. ³) Ernst Graf zu Erbach, zur Reformationsgesch. d. Grafschaft Erbach, Archiv XIV 656.


