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30 jährigen Krieg bestand, sowie das ursprünglich münzenbergische Rüsselsheim, das später in den Besitz von Katzenellenbogen übergegangen war.
1504 zur Zeit Maximilians I. sehen wir den hessischen Landgrafen Wilhelm II. in die bayerische Fehde ¹) verwickelt. Nach Aussterben der Landshuter Linie des bayerischen Hauses erhob nämlich der Kurfürst von der Pfalz für seinen Sohn Erbansprüche und fiel mit Waffengewalt in das Land ein. Er wurde deshalb mit der Reichsacht belegt, und der Land- graf übernahm mit anderen Fürsten die Vollstreckung derselben. Damals eroberte Wilhelm den Otzberg, nahm Habitzheim und Umstadt. Dann nahm er Seeheim und das Alsbacher Schloss, zündete das Schloss Schönberg an und eroberte Lindenfels. Bensheim belagerte er zusammen mit dem Herzog von Braunschweig und den zwei Herzögen von Mecklenburg 11 Tage lang, ²) konnte es aber nicht nehmen. Noch jetzt erinnert eine an dem Turme am Eingang in das Schönberger Thal angebrachte Inschrift ³) an dies Ereignis, und der sog. Hessenkirchhof im Rodenstein-UÜberbruckischen Garten birgt die Leichen der damals gefallenen Hessen. Lorsch und das zu Worms gehörige Lampertheim gingen in Flammen auf, und nachdem die Feste Stein 4) am Ausfluss der Weschnitz in den Rhein in seine Hand gefallen war, zog der Land- graf bis vor Heidelberg und rückte dann westwärts nach dem Rhein. Dreihundert pfälzische Städte und Dörfer wurden damals zerstört. In jener Zeit kam die Redensart auf:„Die Pfalz vergiften“, die zum ersten Mal von dieser zerstörenden Thätigkeit der Hessen gebraucht wurde.
Der Otzberg und Umstadt blieben nach der bayerischen Fehde im Besitz Hessens, bis 1521 durch einen Vergleich der Otzberg an die Pfalz zurückgegeben, der Besitz von Umstadt aber zwischen Hessen und der Pfalz geteilt wurde.
Auch die Grafen von Erbach trugen die Folgen der für den Kurfürsten von der Pfalz ungünstigen Fehde. Sie traten das Alsbacher Schloss an Hessen ab. Die anderen Teile der bickenbachischen Erbschaft behielten sie, nahmen sie aber ebenso wie die schönbergischen Besitzungen nicht mehr von der Pfalz, sondern von Hessen zu Lehen.
Am Ausgang des Mittelalters war unsere Provinz Starkenburg mit Ausnahme weniger Territorien im Besitz der drei grösseren Staaten: Kurmainz, Kurpfalz und Hessen.
Unter den zahlreichen Oberresten aus dem Mittelalter sind besonders zu erwähnen die Burgen, Stadtbefestigungen und Kirchen. Die sagenumwobenen?) Burgruinené) lassen die einzelnen Teile einer Burg erkennen: Ringmauer, Bergfried, Palas, Kemenate, Küche. Überreste der Stadtbefestigung:)(Mauer, Türme, Thore) sind erhalten in Darmstadt, ⁵) Michelstadt, Zwingenberg, Bensheim, 9) Weinheim. In offenen Dörfern diente der Kirchhof der Verteidigung.
An manchen Orten finden sich alte Inschriften, oder die Dorflinde, der Marktbrunnen, das Rathaus erinnert an die alte Zeit. Ein Rathaus aus dem 15. Jahrhundert steht zu Michel- stadt, eine uralte Dorflinde findet sich zu Malchen. ¹⁰)
¹) Merian, Pfalz S. 12.
²) Franck, Beiträge zur Geschichte der Belagerung von Bensheim im Jahr 1504, Archiv X 2, 408. ³) Näher, III 4.
⁴) Wagner, Wüstungen. Starkenburg S. 38.
⁵³) Baader, die Sagen des Neckarthals, des Odenwalds und der Bergstrasse. Mannheim 1843.
) Franck, die Burgen der hess. Bergstrasse, Heppenheim 1868.
¹) Heckmann und Wörner, Orts- und Landesbefestigungen des Mittelalters, Mainz 1884.
³) Lerch, über die alte Befestigung von Darmstadt, Archiv XII 115.
²) Das Rinnenthor in Bensheim, Quartalbl. 1886, 1. S. 1.
1⁰) Schöner, Kurze Geschichte des Kirchspiels Njederbeerbach, Niederbeerbach 1895, 8. 18,


