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Fürstenlager fast alljährlich, und seine Gemahlin Luise starb hier 1829. Auerbach war, seitdem im Jahre 1739 die Mineralquellen gefunden waren, lange Zeit Badeort. 1766 wallten täglich 200— 300 Personen, oftmals bei dem schlechtesten Wetter, nach der Quelle.
In der Zeit der klassischen Litteraturepoche sammelte die grosse Landgräfin Karoline ¹) in Darmstadt einen Kreis von ausgezeichneten Männern um sich, dessen Mittelpunkt der Kriegsrat Merck bildete. In diesem Kreis las Schiller Scenen aus seinem Don Carlos vor, an der Teufelsklaue bei Darmstadt dichtete Goethe den Felsweihegesang an Psyche, und Herder lernte in Darmstadt seine zukünftige Gemahlin Karoline Flachsland kennen. 1776 wurde Mathias Claudius nach Darmstadt berufen, der als Oberlandeskommissär und erster Redak- teur der Darmstädter Zeitung bis 1777 daselbst lebte.
Der kunstsinnige Graf ²) Franz I., dessen Standbild den freien Platz vor dem Erbacher Schloss ziert, begründete damals die hochbedeutenden Sammlungen zu Erbach.
Berühmte Männer der Wissenschaft sind in unserer Gegend geboren. 1742 erblickte zu Ober-Ramstadt der Physiker und Humorist Chr. Lichtenberg das Licht der Welt. In Darmstadt wurden Liebig(1803) und Gervinus(1805) geboren. König ist der Geburtsort des Nordpolfahrers Weyprecht(1838).
Wieder drohte Franzosengefahr während des 1. Koalitionskrieges. 1795 siegte der österreichische Feldherr GClairfait über die Franzosen unter Pichegru bei Handschuchs- heim. 1796 besetzte Bernadotte Darmstadt, und Jourdan legte der Stadt eine harte Kriegssteuer auf.
Auch im 2. Koalitionskriege wurden die Orte an der Bergstrasse durch Franzosen- durchzüge geschädigt. Bensheim hatte zweimal französische Einquartierung, Heppenheim wurde von den Franzosen geplündert. Damals im Jahre 1799 organisierte sich der von dem Minister Albini zum Schutze der mainzischen Lande organisierte Landsturms) im Odenwald und an der Bergstrasse. Ein regelmässiger Wachtdienst wurde eingerichtet, und nachts wurden auf den Höhen der Berge Feuer unterhalten. Die Bensheimer Jugend versah die Wachen bis nach Lorsch und Auerbach hin. Schon im April zeichneten sich die Odenwälder in einem Gefecht bei Weinheim aus, an das noch heute ein einfacher Stein bei Gorxheim erinnert. Die Hauptkämpfe aber fallen in den Monat November, wo die Odenwälder in Waldmichelbach ihr Hauptquartier hatten und in verschiedenen Treffen ihre Tapferkeit bewiesen.
Nachdem im Frieden von Luneville das linke Rheinufer an Frankreich abgetreten war, veranlasste der Reichsdeputationshauptschluss 1803 neue Anderungen. Hessen bekam zum Ersatz für das Verlorene unter anderem die mainzischen Amter Heppenheim, Gerns- heim, Lorsch, Fürth, Steinheim, Bensheim, Dieburg, Seligenstadt, Hirschhorn und die worm- sischen Amter Lampertheim und Neckarsteinach. Bei der Aufteilung der rechtsrheinischen Gebiete des Kurfürstentums Pfalz gewann Hessen die Amter Lindenfels, Otzberg und die pfälzische Hälfte von Umstadt.
Das Jahr 1806 rief den Rheinbund ins Leben, dem Ludwig X. als erster Grossherzog von Hessen beitrat. Damals wurde Hessen vergrössert durch die Mediatisierung der im hessischen Gebiet liegenden Besitzungen von Grafen und Reichsrittern. Durch die Mediatisierung verloren auch die Grafen von Erbach ihr Gebiet. Erbach-Fürstenau umfasste damals die Amter Michelstadt, Fürstenau, Freienstein, zu Erbach-Erbach gehörte Erbach und Reichenberg,
¹) Walther, die grosse Landgräfin Karoline von Hessen-Darmstadt, Archiv VII 163. Börckel, Hessens Fürstenfrauen, Giessen 1895, S. 82.
²) Dieffenbach, Graf Franz zu Erbach, Darmstadt 1879. Anthes, die Antiken der erbachischen Samm- lungen, Darmstadt 1885. Schäfer, Kunstdenkm. im Kreis Erbach S. 55.
³) Rothenbücher, der kurmainzer Landsturm in den Jahren 1799 u. 1800. Augsburg 1878.


