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Auch die geistlichen Ritterorden hatten Besitztümer in unserer Gegend. In Obermossau besassen die Johanniter) 1253 ein Ordenshaus mit Kirche und hier und in der Umgegend viele Güter. Der deutsche Orden war in Weinheim schon 1277 begütert. Interessant ist ein Gedenkstein ²) zu Ehren der Erbauung einer Deutschordenskapelle im Jahre 1357. Das Amtshaus mit dem Deutschordenswappen stammt aus dem vorigen Jahrhundert.
Der Aufschwung der städtischen Entwickelung zeigt sich in der Verleihung der Stadt- gerechtigkeit an viele Orte. Zwingenberg, ³) das 1273 Stadtrechte erhielt, verdankt seine damalige Bedeutung seiner Lage. Hier war ein Pass zwischen dem Melibokus auf der einen Seite und den Wäldern und Sümpfen auf der andern. 1308 wird Weinheim, 1318 Reinheim Stadt genannt. Bensheim hat städtische Rechte seit 1318. Darmstadt, 4) das 1330 Stadtgerechtigkeit erhielt, scheint von einem Franken Darimunt gegründet zu sein, wie sich aus der ältesten(2. Hälfte des 12. Jahrhunderts) Form des Stadtnamens: Darimuntestadt schliessen lässt.
Welche Ausdehnung das Lehnswesen allmählich gewann, zeigt das Frankensteiner Eselslehen. Die Grafen von Katzenellenbogen und später die Landgrafen von Hessen belehnten nämlich die Herrn von Frankenstein mit einer jährlichen Rente von 12 Malter Korn nebst 2 Gulden 12 Albus in Geld. Dafür waren diese verpflichtet, der Stadt Darmstadt den Esel zur Verfügung zu stellen, auf dem die Frauen, die ihren Mann geschlagen hatten, zur Strafe durch die Strassen der Stadt geführt wurden. Noch im Jahre 1587 wurde diese Strafe aus- geführt. 3
Noch lange blühten die ritterlichen Gebräuche, und aus dem Waffenspiel des Turniers wurde manchmal blutiger Ernst. So blieben bei dem grossen Turniere zu Darmstadt 1403, wo 140 Hessen gegen 120 Franken kämpften, 9 Hessen und 17 Franken tot auf dem Platze.
Die Ausdehnung des Fehdewesens und die dadurch bedingte Unsicherheit hatte auch bei uns die Einführung der Femgerichte zur Folge. Ein solches Gericht hatte z. B. in Lichtenberg noch 1482 seinen Sitz.
1301 sah unsere Gegend ein kriegerisches Ereignis, den Zug Albrechts I. gegen die rheinischen Kurfürsten. Weinheim und Heppenheim fielen in die Hand des Kaisers, der Heidel- berg nicht hatte nehmen könnnen. Bensheim, ⁵) dessen Gräben von der Lauterbach aus unter Wasser gesetzt worden waren, wurde nach langwieriger Belagerung, bei der Ballisten und Sturm- dächer, Steinkugeln und mit Werg umwickelte Feuerkugeln angewandt wurden, erobert und den Flammen preisgegeben. Nach der Zerstörung des Zwingenberger Schlosses ging Albrecht bei Oppenheim über den Rhein. Wiederholt sind auch später bei Oppenheim Heere über den Rhein gegangen.
Auch die folgenden Zeiten gingen an unserer Gegend nicht ohne Kampf vorüber. Das Geschlecht der Herren von Bickenbach und Tannenberg war ausgestorben, und ein Raub- ritter, der Sohn des Johann von Kronberg, hauste auf dem Tannenberg, der als Ganerben- haus in den gleichzeitigen Besitz von 18 Teilhabern gefallen war. Deshalb zogen 1399 unter der Regierung Wenzels die Kurfürsten von Mainz und von der Pfalz und die Stadt Frank- furt vor die Burg, beschossen sie mit Steinbüchsen und zerstörten sie. Nur die Burgkapelle
¹) Die Johanniter zu Ober-Mossau, Wagner, geistl. Stifte Bd. I, S. 318.
²) Siehe die Inschrift bei: Näher II, 3
³) Hein, Beiträge zur Geschichte von Zwingenberg a. d. B., Arch. VII S. 1. Winckelmann, gründliche und wahrhafte Beschreibung der Fürstentümer Hessen und Hersfeld, 1697. Teil 1— 5. S. 94.
⁴) Merian, Topographia Hassiae et regionum vicinarum S. 20. Winckelmann, Hessen und Hersfeld, Teil 1— 5, S. 101. Walther, Darmstädter Antiquarius, Darmstadt 1857, Darmstädter historische Kleinigkeiten,
Darmstadt 1879. ⁵) Heckler, a. a. O. S. 43.


