Aufsatz 
Die Verwendung der Heimatkunde im Geschichtsunterricht / von Friedrich Schmidt
Entstehung
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Es erscheint als selbstverständlich, dass der Schüler unter Leitung seines Lehrers draussen im Freien die denkwürdigen Stätten seiner Heimat selbst aufsuchen soll. Wie leicht lassen sich die monatlichen Klassenspaziergänge und die Tagesausflüge der Schule so einrichten, dass der Schüler unter Leitung des Lehrers an Ort und Stelle Belehrung schöpft über den Abschnitt der Heimatkunde, der demnächst im Geschichtsunterricht Verwendung finden soll. Eine Fülle von Anregung bietet z. B. ein Spaziergang nach Lorsch, nach dem Auerbacher Schloss oder nach Zwingenberg. Ebenso bilden die Museen leicht erreichbarer Städte, wie Darmstadt, Mainz, Worms, wichtige Zielpunkte für Klassenausflüge. Auch auf diesem Gebiete muss der Schüler allmählich sehen lernen. Er muss lernen, worauf er bei dem Besuch einer Kirche, einer Stadt, einer Burg sein Augenmerk zu richten hat, wie er sich in einer Sammlung zurechtfinden kann.

Entsprechend dem Kindes-, Knaben- und Jünglingsalter unterscheidet man drei Stufen des Unterrichts: die Vorstufe, den Unterricht der Mittelklassen und den der Oberklassen. Es wird unsere Aufgabe sein zu zeigen, welche Bedeutung für jede dieser drei Stufen die Heimat- kunde hat.

Vorstu fo.

Da die Behandlung des Unterrichtsstoffes der Individualität und der jeweiligen Fassungs- kraft des Schülers angemessen sein muss, so muss der Unterricht auf der unteren Stufe damit, rechnen, dass die Phantasiethätigkeit im kindlichen Alter besonders rege ist. Das Kind denkt noch nicht in logischen Begriffen, sondern in anschaulichen Bildern. Dem Drang des Kindes nach phantasievollen Erzählungen Genüge zu leisten, dafür erscheint der Sagen- unterricht besonders geeignet. Er schliesst ja auch an die vorhergehende Stufe der Märchen und der Hebelschen Erzählungen unmittelbar an.

Der hessische Lehrplan verlangt deshalb: In Klasse VI wird das Wichtigste aus der griechischen Sage behandelt. Gewichtige Gründe sprechen für die Wahl der griechischen Sage, nicht zum mindesten wohl auch der, dass man auch inhaltlich ein Ineinanderarbeiten des deutschen und des lateinischen Unterrichts ermöglichen will.¹) Denn neben der antiken Geschichte ist es die antike Sage, die den Inhalt des lateinischen Lesebuchs der unteren Klassen bildet. ²).

Aber neben der griechischen Sage gewinnt die deutsche immer mehr Boden. Eine eingehendere Behandlung der deutschen Sage ist in dem hessischen Lehrplan für Quarta vorgesehen, und in Obersekunda wird der Schüler an das deutsche Heldenepos ³) selbst heran- geführt. Aber es entspricht der Wichtigkeit des Gegenstands und der Altersstufe des Schülers, wenn in Sexta bereits eine elementare Einführung in die germanische und deutsche Sage stattfindet. Freilich muss hier in Auswahl und Behandlung Mass gehalten werden. Aber eine wirklich elementare Behandlung der germanischen Göttermythen, Heldensagen und der geschichtlichen deutschen Sagen kann⁴) dem deutschen Unterricht der Sexta zugemutet werden. Die gleichzeitige Behandlung aber der deutschen und der antiken Sage wird den Vorteil er- geben, dass man durch Hervorhebung des Gleichen und des Verschiedenen auf beiden Gebieten das Verständnis erleichtert.

¹) Dettweiler, Didaktik und Methodik des lateinischen Unterrichts, München 1895, S. 130. ²) Dettweiler, a. a. O. S. 65. ³) Ahlheim, die Schrittstellerlektüre der Obersecunda nach den Grundsätzen der Konzentration, II. Peil, Programm des Gymnasiums zu Bensheim 1894, S. 14. ) Eine Auswahl von deutschen Sagen giebt das in mehreren hessischen Anstalten eingeführte deutsche Lesebuch von Dadelsen, Ausgabe für Hessen und Thüringen, Teil I und II. 1*