Stadt oder eines Stammes festhalten wollte. Wir wollen nationale junge Deutsche erziehen und deutsche Geschichte lehren. Der Geschichtsunterricht soll auf jeder Altersstufe den Knaben in der UÜberzeugung bestärken, dass seine Heimat nur ein Glied ist in dem Ganzen des grossen deutschen Vaterlands. Die geschichtliche Heimatkunde ist also niemals Selbstzweck und des- halb auch keine selbständige Disziplin. ¹) Auch die Vorstufe des Geschichtsunterrichts muss sich mit deutscher Geschichte beschäftigen.
Die geschichtliche Heimatkunde ist vielmehr ein Unterrichtsprinzip, das für die Methode der geschichtlichen Unterweisung auf allen Unterrichtsstufen massgebend sein muss. Alles Fremde wird der Lehrer dem Schüler durch heimatliche Vorstellungen anschaulich machen, dadurch wird er zugleich die Kenntnis der Heimat selbst klären und vertiefen. Die deutsche Geschichte ist also überall mit besonderer lokaler und landschaftlicher Färbung
zu geben. ²)
Und zwar muss die heimatliche Geschichte den Ausgangspunkt für die geschicht- liche Unterweisung bilden. Eine Vergangenheit verstehen heisst: sie als Gegenwart empfinden, sich vergegenwärtigen.³) Die vergangene Geschichte aber ist uns Gegenwart in den historischen Stätten und Erinnerungen unserer Heimat. Hier ist das konkrete Material, das dazu dient, den abstrakten geschichtlichen Stoff anschaulich zu gestalten. Wenn die Grundlage jedes fruchtbaren Unterrichts die Anschauung ist, so muss auch der Geschichtsunterricht an- knüpfen an den Anschauungsvorrat, den der Schüler aus der Heimat mitbringt, und er muss das Anschauungsbedürfnis und den Beobachtungstrieb des Knaben verwerten.
Jeder Unterrichtsgegenstand, und besonders die Geschichte, soll nicht einseitig den Verstand bilden, sondern er soll seine Aufgabe darin sehen, das gesamte Innenleben des Schülers erzieherisch zu beeinflussen. Und gerade für die Bildung des Gemüts und des Willens ist die Heranziehung der Heimatkunde von besonderem Wert. Denn das Heimats- gefühl ist im jugendlichen Alter von besonderer Lebhaftigkeit. Es ist eine unser ganzes Leben bildende Macht. Es bildet die Vorstellungswelt, sie erzeugend, bereichernd, vertiefend; es bildet, läutert und veredelt die Gefühlswelt, denn es setzt alle Objekte mit unserer innersten Teilnahme in Verbindung; es kräftigt und weiht den Willen, denn das Heimatsgefühl ist ein Moment des sittlichen Bewusstseins; das Heimatsgefühl dient unwillkürlich auch der Pflege des religiösen Gefühls und wird, weil es den ganzen Menschen und zwar mit besonderer Stärke ergreift, auch charakterbildend. ¹)
Und welche Fülle heimatkundlichen Materials wartet der Anbauung. ⁵) Hier- her gehören Verkehrsstrassen, UÜbergangsstellen über Flüsse und Gebirge, Schlachtorte. Dazu kommen Burg- und Klosterruinen, UÜberreste der Stadtbefestigung, alte Kirchen und Rathäuser, Denkmäler und Inschriften, die Stammsitze bekannter Fürstenfamilien, die Geburts- und Wohnorte berühmter Männer. Ferner Ausgrabungsstätten und ihre Funde, sowie Sammlungen und Museen. Ein wesentliches Hilfsmittel sind die Namen von örtlichkeiten, Städten, Stiftungen, Strassen, Plätzen, die Lokalsagen und geschichtlichen Anekdoten der Heimat, sowie Gedichte mit heimatlicher Beziehung. Selbst Volksfeste und landesübliche Gebräuche, einheimische Sprichwörter und Volkslieder, Spiele und Kindersprüche sind brauchbare Anknüpfungspunkte.
1) Frick, L. P. 29, S. 18.
²) Schiller, Handbuch der praktischen Pädagogik, S. 597.
³) Jäger, Didaktik und Methodik des Geschichtsunterrichts, München 1895, S. 9 und 30.
4) Frick, L. P. 29, S. 24.
5) Zillig, der Geschichtsunterricht in der elementaren Erziehungsschule, Jahrbücher des Vereins für wissenschaftliche Pädagogik XIVY. S. 145.


