Aufsatz 
Beiträge zur inneren Geschichte Athens in der zweiten Hälfte des peloponnesischen Krieges / von Ferd. Schmidt
Entstehung
Einzelbild herunterladen

17

sen also ähnliche Gedanken die Gemüther in der Hauptstadt bewegt haben: ein Umstand, der sehr erklärlich ist, wenn wir die Belagerung Athens durch die peloponnesische Besatzung in Dekelea bedenken. Sicher aber wurden Stimmen laut, die den Frieden als leichter erreichbar hinstellten, wenn man die strenge Demokratie in eine mildere Aristokratie hinüber leite. Aristokratie und Oligarchie sind aber nur durch eine schwache Scheidewand getrennt, zumal da in Athen für eine Aristokratie im edlen Sinne des Wortes jede sittliche Grund- lage fehlte; es musste also eine solche Stimmung zur Oligarchie führen. Die unmittelbare Anregung zu dieser Umwandlung kam jedoch von einer Seite her, von der sie Niemand erwartet hatte, von Alkibiades, an den das Schicksal Athens nun einmal geknüpft ist. Nach- dem er durch seine Rathschläge fast ganz Attika in die Hände der Spartaner geliefèert und durch den jonischen Krieg seine Vaterstadt der Stützen ihrer Macht beraubt, wird er den Spartanern verdächtig. Da hierzu noch eine sehr empfindliche Beleidigung des Königs Agis kommt, so ergeht der Befehl, ihn zu ermorden. 57) Er wird noch rechtzeitig gewarnt und flüchtet sich zu Tissaphernes, dem Satrapen Vorderasiens. 5s) Dort gelingt es ihm in kurzer Zeit zu grossem Einfluss zu gelangen. Er gibt ihm den Rath, die Peloponnesier nicht zu sehr zu unterstützen; denn es liege iu seinem Interesse, weder Sparta noch Athen zu mächtig werden zu lassen. Er möõge vielmehr bpeide Staaten sich gegenseitig aufreiben lassen, dann falle ihm Alles von selbst zu. Jedenfalls sei es im Augenblicke vortheilhafter für ihn, die Athener zu unterstützen, da ihm von diesen weniger Gefahr drohe. 5) Die ummittelbare Folge ist, dass die Peloponnesier nur noch sehr mangelhaft unterstützt wer- den. Allein Alkibiades verfolgt mit solchen Rathschlägen ganz andere Pläne; es ist von der Stunde an, in der er das Lager der Spartaner verlässt, bei ihm fest beschlossene Sache, wo möglich auf gütlichem Wege seine Rückkehr nach Athen durchzusetzen; dazu scheut er kein Mittel. 59*) Aber mit Hülfe der demokratischen Partei kann er seine Zurückbe- rufung nicht bewerkstelligen, da dieselbe seit dem unglücklichen Ausgang der sicilischen Expedition ihr Ansehen verloren hatte und sein erbittertster Feind Androkles an ihrer Spitze stand, der sich um keinen Preis mit Alkibiades ausgesöhnt hätte. 59 ½) Er versucht es da- her mit der oligarchischen Partei, freilich nur, um sobald er durch sie zurückgekehrt, sich ihrer möglichst balä zu entledigen. Desshalb knüpft er mit den Aristokraten, die sich auf der athenischen Flotte bei Samos befanden, Unterhandlungen an und erbietet sich, den. Athenern die Freundschaft des Tissaphernes zuzuwenden, für den Fall, dass die Oligarchie an die Stelle der Demokratie trete und er selbst zurückgerufen werde. 5⁰) Begierig ergriffen die reichen Trierarchen der Flotte und alle oligarchisch Gesinnten dieses Anerbieten; hatten sie ja doch selbst früher schon ähnliche Gedanken und Pläne gehegt; sie sind sofort zum Sturz der Demokratie bereit. 60) Pisander, ein eifriger Oligarche, geht mit mehreren Ge-

50) Plut. Alcib. 24, 35. 5⁰) Thuc. 8S, 45, 1; Plut. Alcib. c. 24, 5; Thuc. 8, 46, 3-4.

594) Thuc. 8, 47, 1;) 8, 65, 2.

60) Thuc. 8, 47, 2 nennt die Aristokraten(Oligarchen) Sνναrdraror oder 5⁴ενη⁶ιτο conf. 1. 16ονυ Oοππνιιιανντνοοσ ε⁸ roug durarordrovs aurdn 1ν6 8, dοτε 11⁶ιυα 7291 aαανπο ³ςι τ*ς Helridrovs drνςρmτσαν? 10& π☚αιοννμαχ dᷣmτν 5 ot 85 dνιν ro⁵οασον Te ‿ευιναα̈ν zd dνναάd aατ dννντ 4 10 2ατα˙ν⁴ͥα τeν Jμναiav, ebenso Plut. Alcib. 25, 4.