Aufsatz 
Beiträge zur inneren Geschichte Athens in der zweiten Hälfte des peloponnesischen Krieges / von Ferd. Schmidt
Entstehung
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Um die mit jedem Tage sich vermindernden Einkünfte zu steigern, verwandelte man(auf wessen Vorschlag, ist ungewiss) den Tribut der Bundesgenossen in einen Hafenzoll, der den zwanzigsten Theil aller in einer bundesgenössischen Stadt ein- und ausgehenden Waaren betragen sollte. 3⁰9) Näheres über die Art und Weise der Eintreibung dieser Abgabe, den Erfolg derselben, die Dauer dieser Einrichtung wissen wir nicht. Aber sie scheint nicht sehr lange erhoben worden zu sein, da Xenophon bereits aus dem Jahre 409 einen Ver- trag zwischen Athen und Chalkedon erwähnt, in dem nicht von der eizoczνσ, sondern von dem †⁶οσοσ die Rede ist; ja er spricht hier sogar von Rückständen des Tributs, die die Chalkedonier hätten aufkommen lassen. ¹⁰) Ein pestimmter Zeitpunkt für die Aufhebung derselben wird sich jedoch bei dem Mangel jeder Nachricht kaum angeben lassen. ¹⁰) Dass die Abgabe für die Bundesgenossen sehr drückend gewesen sein muss und die Unzufrieden- heit derselben steigern musste, lässt sich schon daraus schliessen, dass die Demagogen nach Perikles den Tribut bereits in unerhörter Weise erhöht hatten und die Athener durch diese Abgabe ihre Einkünfte noch vermehren wollten. Mitten in dieser niederdrückenden Lage trifft Athen der härteste Schlag, der seine Existenz unmittelbar gefährdete, die grässliche Niederlage in Sicilien, der Untergang der ganzen dorthin gesandten Flotte, sowie des gan- zen Landheeres. Diese Katastrophe bildet den Wendepunkt des ganzen Krieges und lässt deutlich erkennen, wie Athen aus demselben hervorgehen wird. Schon Thukydides schliesst die ergreifende Schilderung der letzten Schicksale der Athener in Sicilien mit den bedeu- tungsvollen Worten: uανέρᷣõrΤĭꝑtCc 60 ο Toντο Lνικοι ναἀᷣd ον πντιιν τwĩνο̈ẽ ⁴έeμ⁶οτ yνεςσε, douei O'6 ενοeνν¶ ‿πd³⁸ G dvos rννινυνν ᷣ̈ν Tos drd‿ νυνι. 41)

In der That war die Lage der Stadt unmittelbar nach diesem Ereigniss eine geradezu verzweifelte und es ist nicht der geringste Beweis von dem guten Kern, der noch in den Bürgern lag, dass sie trotz der zerrüttenden Parteikämpfe sich zu energischem Widerstand rüsteten. Das erste Gefühl, das alle ergriff, sobald sie über den gänzlichen Verlust des Heeres und der Flotte Gewissheit hatten, war natürlich Schrecken und Bestürzung und hef- tiger Zorn gegen diejenigen, die irgend wie zu der Expedition gerathen hatten. Wurde fast ein Jeder mit Schmerz und Kummer erfüllt über den Verlust theurern Angehörige, so ver- zweifelte man an der Rettung des Staates völlig. 42) Die Kassen waren in Folge des unge- heuren Aufwandes für Kriegsrüstungen leer; auf den Werften hatte man nicht Schiffe genug und für die wirklich vorhandenen keine ausreichende Rudermannschaft. Hätten die Feinde in Sjcilien ihre Flotte sofort mit der peloponnesischen vereinigt und Athen zur See belagert, wie es zu Lande von Agis plokirt wurde, so hätte die Stadt sich gegen diesen Doppelangriff nicht mit Erfolg vertheidigen können. In der That befürchtete man einen solchen, was sich jedoch pald als Hirngespinnst erwies. 42) Gefährlicher war die Gährung und Unruhe, die sich sofort unter den Bundesgenossen bemerkbar machte; denn Athens Ansehen war sehr

39) ThucC. 7, 28, 4: z2 T) 212* τν urO ToTToy r0ν νοονσον r0ν dra dd⁴‿ςν αάe τνι p ν 7078 vr26 2roννν πᷣρiο νςοντes ⁶ϑέςεσ Toünara 01 79⁰6εαꝓνυν⁴α.

4⁰) Xenoph. Hell. 1, 3, 9: uxore2ν τν ꝙσασςσοο εμαας νικονoονν ⁴ειννναος d⁵ονπες ενν 2 à 6 εκιιόνεην 2ονοαασa deοοοννα Böckh, Staatshaushalt der Athener I, p. 440, mit der Anm. 1 P. 527;

II, p. 588 589.) Thuc. 7, 80 87; 87, 5. 4⁴²) Thuc. 8, 1, 12.