Aufsatz 
Beiträge zur inneren Geschichte Athens in der zweiten Hälfte des peloponnesischen Krieges / von Ferd. Schmidt
Entstehung
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Argos, zu dessen Abwehr die Athener eine Flotte von 30 Schiffen sandten. Diese begnügte sich nicht mit der Unterstützung von Argos, sondern setzte auf dem unmittelbaren Gebiet der Spartaner ein Heer ans Land, das die zwei Städte Epidauros Limera und Prasiae zer- störte und die ganze Ostküste verwüstete: ein ganz offenbarer Bruch des Friedens zwischen Sparta und Athen und ein sehr willkommener Vorwand für Sparta, den Krieg gegen Athen direct wieder zu beginnen. ³3) Während beim Beginne des 10jährigen Krieges Spartas Ver- bündete den Frieden gebrochen hatten und dadurch der Glaube entstanden war, Sparta sei mit Recht wiederholt vom Unglück heimgesucht worden, da es in frevelhafter Weise wider göttliches und menschliches Recht den Krieg begonnen, so ist es jetzt mit Siegeszuversicht erfüllt, weil es als der angegriffene Theil dasteht, und hält sich des Beistandes der Götter für sicher. ³¹) Desshalb treffen die Spartaner schon gegen Ende des Jahres 414 alle Vor- bereitungen zu einer dauernden Befestigung von Dekelea und rüsten zugleich ein Heer und eine Flotte aus, um Syracus, das durch des Gylippos Ankunft neuen Muth gefasst, kräftig zu unterstützen.

So bricht im Frühjahr 413 der Krieg überall wieder mit erneuter Macht aus, den man gewöhnlich schon im Alterthum den dekeleischen nannte, 3³⁰) aber unter ganz anderen Umständen als 431. Athen kämpft jetzt nicht mehr um die Behauptung seiner Herrschaft, sondern sehr bald um seine Existenz. Die grösste Gefahr im cignen Lande war die dauernde Besetzung Dekeleas durch die Spartaner unter ihrem König Agis im Frühjahr 413; gerade diese letzte und äusserste Bedrängniss hatten die Athener immer gefürchtet, wie Alkibiades, der die Schwächen seiner Vaterstadt am besten kannte, in Sparta auseinandergesetzt. 3) Während die Spartaner sich bisher damit begnügt hatten, einen Theil Attikas zu verwüsten und darauf wieder abzuziehen, so dass das Land doch wenigstens eine Zeit lang bebaut werden konnte, war nunmehr das ganze platte Land Jahr aus Jahr ein völlig in der Ge- walt der spartanischen Besatzung in Dekelea. 37) Die Athener sind daher gezwungen ihre Lebensmittel aus Euboea zu beziehen; allein mitten auf der kürzesten Verbindungsstrasse zwischen Athen und Euboea liegt Dekelea. Es bleibt ihnen also nur übrig, die Lebens- mittel auf dem längeren und kostspieligeren Wege um Sunium herum in die Stadt zu bringen. Bei den fortwährenden Streifzügen gehen alle Schafe und alles Zugvieh zu Grunde; ja um ihnen die Nähe der Feinde recht fühlbar zu machen, entlaufen 20,000 Sclaven, zum grossen Theil Handwerker, zu den Feinden. ³37) Der Verlust der Einkünfte aus den Silber- gruben in Laurion musste ebenfalls pald eintreten; endlich musste das Ansehen Athens bei seinen Bundesgenossen gänzlich erschüttert werden, da diese sehen, dass dasselbe kaum in seinem eignen Gebiete sich der Feinde erwehren kann. ³⁸) Athen glich nach der Besetzung von Dekelea einer zu Lande förmlich belagerten Stadt und verwandelte sich bald in einen Waffenplatz. Die unmittelbare Folge dieser Verhältnisse war ein drückender Geldmangel, der die Stadt zu einer sehr gewagten und bedenklichen finanziellen Operation bestimmte.

) Thuc. 6, 105, 3: T% Aaedαονoνe 7dy euοrddiαrou 11⁴ν Tyj airiav e roue 4 rdloνs roð dοαννκα εroindav. ³⁴) Thuc. 7, 18, 3 5. ³⁸) Diod. XIII, 9: Harpocrat. S. v. Aerelerεs ααοα; Pompej. Trog. Prol. lib. V. 36) Thuc. 6, 91, 5. 3³⁷) Thuc. 7, 27 28, 2. ³³⁸) Thuc. 6, 91, 6.

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