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Sturz des Staates und seiner durch eine hundertjährige Existenz geheiligten Verfassung schliessen lassen.
Die nächste und unmittelbarste Wirkung hatten diese Vorgänge auf die äusseren Ver- hältnisse Athens; mit dem Todesurtheil gegen Alkibiades ist das Schicksal der sicilischen Expedition entschieden. Was dieser brütete, als er die Nachricht von dem gegen ihn ge- fassten Beschluss erhielt, kann man aus seinen Worten schliessen:„Fürwahr, ich will den Athenern zeigen, dass ich lebe.“ 25) Rachedürstend geht er zu Athens Todfeinden, den Spartanern, und gibt ihnen Rathschläge an die Hand, die auf einen völligen Ruin Athens hinzielen..
Seine dortige politische Thätigkeit schildert uns Thukydides in einer merkwürdigen Rede, die er ihn bald nach seiner Ankunft halten lässt. ²⁵) Nachdem er sich wegen seiner früheren Thätigkeit gegen Sparta gerechtfertigt, um das gegen ihn vorhandene Misstrauen zu zerstreuen, fordert er die Spartaner dringend auf, den Syracusanern thätige Hülfe zu leisten und sie unter keinen Umständen preis zu geben; denn der Fall von Syracus werde auch die Peloponnesier in die schlimmste Lage bringen. Mehr aber noch als Hülfstruppen thue den Syracusanern ein tüchtiger Heerführer noth, den man sofort absenden müsse. Auch in Griechenland selbst müsse man den Krieg mit aller Macht wieder eröffnen, um dadurch die Athener zu verhindern, Verstärkungen nach Sicilien zu senden. Da Sei es nun von entscheidender Wichtigkeit, den Platz Dekelea in Attika zu occupiren, ihn zu verschanzen und sich dadurch in unmittelbarer Nähe von Athen dauernd festzusetzen. Die Bedräng- niss, in die dasselbe dadurch komme, malte er ihnen mit den lephaftesten Farben aus. 21) Als Preis dieser Unternehmung stellt er den Spartanern Rettung ihrer Freunde, Vernich- tung der athenischen Macht für alle Zeiten, endlich die unbestrittene Herrschaft über alle Hellenen durch die freiwillige Zuneigung des gesammten griechischen Volkes in Aus- sicht. 22) Diese Rede verfehlte ihre Wirkung nicht, man beschloss den Gylippos, den fähigsten aller spartanischen Feldherrn, sofort nach Syracus zu senden, der im Frühjahr 414 in der That absegelte. ²*) Er gelangt nach Syracus gerade in dem Augenblicke, als die Bürger zur Verzweiflung gebracht sind und schon an eine Uebergabe der Stadt den- ken. 3⁰) Aber durch seine Ankunft kommen die Athener pald in die bedenklichste Lage. Auch der andere Vorschlag, Dekelea zu besetzen, fand Beifall; nur suchte Sparta nach einem wohlbegründeten Vorwand, um den Krieg auch in Griechenland selbst wieder begin- nen zu können. Von einem doppelten Kriege heimgesucht, So glaubte man, könne Athen nicht mehr lange Widerstand leisten, zumal da es durch die Besetzung von Dekelea seiner natürlichen Hülfsmittel beraubt werde. 3¹) Dieser Vorwand war pald gefunden. Im Pelopon- nes war der kleine Krieg zwischen Argos und Sparta wieder ausgebrochen, in dem Argos dem früher abgeschlossenen Vertrag gemäss von Athen unterstützt wurde. 3²) Mit dem Beginn des Jahres 414 machten die Lacedaemonier sammt ihren Bundesgenossen einen Einfall in
²5) Plut. Alcib. 22, 3.— 2²6) Thuc. 6, 89—93.— ²1) Thuc. 6, 91, 5— 6.— ²⁸) Thuc. 6, 92, 5.— 27) Thuc. 6, 93, 2; 6, 104, 1— 4. 30) Thuc. 7, 2, 2— 4; 7, 21, 1.— 4¹) Thuc. 7, 18, 2.— ⁴²) Thuc. 5, 82, 4.


