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sen speciellen Fall, von der uns Pisander, Charikles und Diognetos bekannt sind. ¹5) Die beiden ersteren sind wenigstens ihrem späteren Wirken nach entschiedene Oligarchen; ¹6) sie nahmen aber damals die Maske eifriger Volksfreunde an, um unter diesem Deckmantel die Leitung des Processes in die Hand zu bekommen und ihn zum Verderben des Alkibia- des zu führen. ¹7) Durch sie gestalten sich die Verhandlungen zum schlimmsten Tendenz- process, als das verhängnissvolle Decret zu Stande kommt:„Wenn Jemand, gleichviel ob Bürger, Fremdling oder Sclave, von irgend einem sonst noch verübten Religionsfrevel wisse, so könne er denselben ohne Gefahr für seine Person anzeigen.“ Wenn man bedenkt, dass frivole Aufklärung damals in Athen zum guten Ton gehörte und Verhöhnungen der Staats- religion und Schändung von Heiligthümern häufig vorkamen, so eröffnet sich eine furcht- bare Fernsicht für die Dimensionen, die dieser Process jetzt annehmen musste. Der Denun- ciation und dem Faktionsgeist konnte keine bessere Handhabe gegeben werden. Die Spitze des ganzen Decrets ist aber gegen Alkibiades gerichtet, den man vieler Religionsfrevel be- schuldigen konnte. Oligarchen schleifen die Waffe gegen ihn unter der Maske der Demo- kratie; ein Demagoge führt den ersten Stoss gegen ihn, der beiden Parteien auf gleiche Weise verhasst ist. Es ist Androkles, der heftigste Feind desselben, 4s) der nach meh- reren anderen Denunciationen und wahrscheinlich gestützt auf sie gegen ihn die Eis- angelie beim Rathe einreichte: Alkibiades habe eine Hetärie vereinigt, um Neuerungen herbeizuführen und mit derselben in Pulytions Haus die Mysterien gefeiert. ¹) Da er be- reits zum Strategen erwählt war, so musste in der Volksversammlung darüber entschieden werden, ob er in Anklagezustand versetzt werden solle oder nicht. Leider kommt der ver- hängnissvolle Beschluss zu Stande, ihn für jetzt nach Sicilien absegeln zu lassen und erst nach seiner Rückkehr über die Anklage zu verhandeln, trotzdem dass er selbst heftig wider- strebt. 20) Auf diese Weise haben seine Feinde Zeit gewonnen, um während seiner Abwe- senheit Verleumdung auf Verleumdung gegen ihn zu häufen. Kaum war die athenische Flotte ausser Sicht, kaum hatte sich die Aufregung, die ihre Abfahrt verursacht, einiger- massen gelegt, so begannen die Umtriebe gegen Alkibiades heftiger als zuvor. Diesmal verlangen die Oligarchen Pisander und Charikles weitere Nachforschungen; der Hermenfre- vel sei nicht das Werk weniger Männer, sondern ziele auf den Sturz der Demokratie ab; man müsse die Untersuchung weiter führen. Hermenfrevel, Mysterienschändung und in ihrem Gefolge Sturz der Demokratie, das sind die Schlagworte, mit denen sie das Volk in fortwährender Unruhe erhalten. Es beginnt nun für Athen eine furchtbare Zeit. Die Wuth des Volkes ist aufs Höchste gesteigert; das Wahnbild einer oligarchischen oder tyrannischen Umwälzung hält seinen Sinn perückt. Endlich erfolgte dann nach der erlogenen Denun-
15) Andoc. de myst.§. 14, 36.
16) Ueber Pisander vergleiche den Verlauf dieser Abhandlung; Charikles erscheint nachmals unter den 30(Xenoph. Hellen. 2, 3, 2) mit Kritias als Führer der extremsten Partei.
¹7) Andoc. de myst.§. 36. Wattenbach, de Quadring. A. F., p. 9 etc., hält beide damals wenigstens für wirkliche Demokraten, ohne indess positive Beweise anzuführen. 4
18) Thuc. 8, 65, 2: 0geo T0„ 422⁹ν⁴ς 09 ¶ zοra 2„αe.
¹3) Isocrat de big. c. 3,§. 6; Plut. Alcib. 19, 1.— ²⁰) Thuc. 6, 29, 3; Plut. Alcib. 19 s. f.


