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Wollte man dies auch als eine erfundene Anekdote hinstellen(denn Plutarch leitet sie ein mit dem Worte 1αmνιταz so musste doch jedenfalls Kleons Charakter die Entstehung derselben möglich machen. So viel geht klar daraus hervor, dass der Demos seine frühere würdige Haltung gänzlich verloren hatte. Kleon und dem wüsten Treiben des von ihm geleiteten Demos trat allerdings die Partei der gemässigten und besonnenen Bürger unter der Führung des Nikias entgegen. Allein so lange Kleon lebt, ist Mangel an Energie das Kennzeichen derselben. Sie wünschen den Frieden, um ruhig und sicher leben uud sich im ungeschmälerten Besitz ihrer Güter erhalten zu können; allein sie scheuen sich trotz ihres Widerwillens gegen jegliche Ochlokratie offen gegen dieselbe Front zu machen. Erst nach Kleons Tode gewinnt diese Partei die Oberhand und unter ihrem Einfluss kommt der„faule“ Frieden des Nikias zu Stande 421.
Bald jedoch erhält der Demos einen neuen und weit glänzenderen Führer in Alkibia- des, mit dessen Person das Schicksal Athens in guten und bösen Tagen von jetzt an eng verknüpft ist. Wohl kein athenischer Staatsmann bereitet einer unparteiischen Beurthei- lung grössere Schwierigkeiten, und der Streit darüber, ob er Athen mehr genützt oder ge- schadet habe, datirt sich schon aus dem Alterthum her. Während er fast mit demselben Talente wie Perikles begabt war, fehlte ihm ganz und gar die Selbstbeherrschung und Selbst- verleugnung desselben; er vermochte es nicht über sich, die Interessen und das Wohl des Staates über sein Sonderinteresse zu stellen. Als letztes Ziel schwebt ihm die eigne Grösse und die eigne Macht vor. Sie kann er allerdings nur mit und durch die Grösse des Staates erreichen; dieser dient ihm also nur als Mittel, nicht aber ist er für ihn Selbst- zweck. ²) Seine Absicht kann er nicht durchsetzen, wenn Frieden und Ruhe herrscht; dess- halb entfaltet er eine rastlose Thätigkeit, um den Kampf von Neuem zu entzünden. In der That gelingt es ihm, nachdem der Priede eben erst abgeschlossen war, die mit dem- selben unzufriedenen griechischen Staaten zu einem Bunde gegen Sparta zu vereinigen, an dessen Spitze Argos steht. Allein die Niederlage der Verbündeten bei Mantinea vernichtet alle seine Pläne, die er auf eine Verbindung Athens mit den unzufriedenen Peloponnesiern gegründet; sie befestigt die spartanische Herrschaft im Peloponnes. Das Scheitern dieser Pläne erschütterte anfänglich die Stellung des Alkibiades und sehr wahrscheinlich ist es, dass er damals in Gefahr kam dem Ostracismus zu erliegen. ¹⁰)
Bald zeigten sich ihm neue Aussichten, die alle früheren verdunkelten, die Erwerbung von Sicilien. Die Ausführung der Expedition nach Sicilien petreibt er mit allen Mitteln, die ihm zu Gebote stehen; denn sie sollte ihm unsterblichen Feldherrnruhm einbringen und auf ihn gestützt glaubte er keinen Nebenbuhler in der Leitung des Staates mehr fürchten zu müssen. Es gelingt ihm die Athener trotz des heftigen Widerstrebens der Friedenspar- tei unter Nikias zu der Ausrüstung einer Flotte und eines Landheeres zu bestimmen, wie sie Griechenland grösser und prächtiger noch nicht gesehen hatte. Allein in dem Augen-
²) conf. seine bezeichnende Aeusserung in der Rede, die er in Sparta nach seiner Flucht hält: Thuc. 6, 92, 2—4.
10) Plut. Alcib. c. 13, Nic. c. 11, Aristid. c. 7.—


