Aufsatz 
Beiträge zur inneren Geschichte Athens in der zweiten Hälfte des peloponnesischen Krieges / von Ferd. Schmidt
Entstehung
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nimmt in erschreckendem Masse zu, wie man aus der Erhöhung der Tribute von 460 Ta- lenten auf 1200 und aus der barbarischen Bestrafung der abfallenden ersieht. Bei den Ver- handlungen zeichnet sich das Volk nicht mehr durch Ruhe und Besonnenheit, sondern durch Leidenschaft und Ueberstürzung, ja durch frevelhaften Leichtsinn aus, der durch seine Füh- rer noch gesteigert wird. Schon Aristophanes, der uns in seinen Comödien ein getreues Abbild des Demos und seiner Führer gibt, wirft diesen vor, sie trübten den Sumpf, um besser fischen zu können. 5) Hand in Hand hiermit geht eine Verdächtigung aller derjeni- gen, die sich diesem wüsten Treiben widersetzten, und die Verfolgung derselben durch die Sykophanten. Das Stichwort, mit dem man den leidenschaftlichen Demos zur Wuth ent- flammt, ist o*-μο τμαάeασαιε, Sturz der Demokratie, ein Wort, das später im Hermocopiden- process so verhängnissvoll werden sollte. Dass indessen in dieser Zeit, der ersten Hälfte des peloponnesischen Krieges, der Demos aus der Zeit der Befreiungskriege gänzlich unter- gegangen und schwache Epigonen an seine Stelle getreten waren, bedarf kaum einer wei- teren Ausführung. Die Pest, die im 2ten Jahre des Krieges ausbrach, raffte mit Perikles auch den Kern der alten Bürger weg und demoralisirte den Rest in wenigen Monaten auf kaum glaubliche Weise. 6=) Wurden dadurch einerseits die strengen Grundsätze gelockert, die bisher den Bürger von dem Nichtbürger geschieden, der Zugang zum Bürgerrecht erleichtert und der Demos durch eine Menge unreiner Elemente zersetzt, so schwand andererseits die Scheu vor Recht und Sitte. Der Demos verlor die unter Perikles stets bewahrte würdige Haltung. Einen deutlichen Beweis für diesen Leichtsinn segar bei wich- tigen Angelegenheiten liefern die Verhandlungen, als es sich um Uebernahme des Oberbe- fehls gegen Sphakteria handelte. Kleon erbietet sich aus Schmähsucht gegen den tüchtigen Feldherrn Nikias selbst den Oberbefehl zu übernehmen. Dieser hält ihn beim Wort; allein je mehr er in Kleon dringt, dessen Anerbieten nicht ernstlich gemeint war, um so mehr weicht er zurück. Das Volk jedoch setzt ihm ebenfalls zu, bis er sich denn endlich, von der Noth gedrängt, erbietet, binnen 20 Tagen die auf Sphakteria eingeschlossenen Sparta- ner todt oder lebendig nach Athen zu bringen. Das Volk lacht zwar auf über seine Ruhm- redigkeit, überträgt ihm aber dennoch den Oberbefehl: gewiss eine frivole Behandlung einer für den Staat so wichtigen Unternehmung.) Noch weit bezeichnender für den Demos und Kleon ist folgende Erzählung Plutarchs. ⁵³) Das Volk war einst versammelt und wartete auf Kleon, der einen Vortrag angekündigt. Als er endlich spät und bekränzt erschien, bat er die Versammlung auf den folgenden Tag auszusetzen mit den Worten: Ich habe keine Zeit, da ich heute Gäste speisen will und den Göttern geopfert habe. Die Athener erho- ben sich lachend und lösten die Versammlung auf.

5) Aristoph. equit. 865 867: oraν 31εν* 2iεν zaraorm*ſ, Jau,pdνονσνν ον⁶ιν(scil. ol Jνμαρωꝙi), 4 ro e zad dro 10 99,090» vOG*, ερο⁶ν. G) Thuc. 2, 53. 7) Thuc. 4, 28; 4, 28, 4: 7010 d3 AOνναοιςσ ευνεέμσεσ⁹ dεν τ τας ᷣέατοο ν οαꝓνοpig auros, Plut. Nic. c. 7, 1 5.) Plut. Nic. 7, 6.