Aufsatz 
Beiträge zur inneren Geschichte Athens in der zweiten Hälfte des peloponnesischen Krieges / von Ferd. Schmidt
Entstehung
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ten. Aber als nach seinem Tode der richtige Mann fehlte, der der Beherrschung des De- mos gewachsen war, traten alle Gefahren, die eine schrankenlose Demokratie im Gefolge zu haben pflegt, nur zu bald und zu deutlich hervor. Daher warfen schon im Alterthum keineswegs vereinzelte Stimmen Perikles vor, er habe die Athener träge, feig, geschwätzig und habsüchtig gemacht. ³) Ja Andokides, allerdings in seiner politischen Ansicht ein ent- schiedener Gegner desselben, erklärt mit Beziehung auf ihn denjenigen für einen schlechten Lenker des Staates, der nur für die Gegenwart und nicht auch für die Zukunft gesorgt habe und mit Vernachlässigung der heilsamsten Massregeln nur zu dem rathe, was der grossen Masse am willkommensten sei. ³) Wollen wir nun auch von solchen Aeusserungen, die die Parteileidenschaft eingegeben hat, absehen, so lässt sich doch nicht leugnen, dass perikles den athenischen Staat nur für sein eignes Talent und seine eigne Kraft zurichtete, qass endlich seine Herrschaft und die Macht Athens auf die Unterdrückung der ursprüng- lich selbständigen Bundesgenossen gegründet war. Desshalb sank sein System zusammen und riss Athen mit in das Verderben, als sich nach seinem Tode kein ebenbürtiger Nach- folger in der Leitung des Demos fand; die Bundesgenossenschaft löste sich während des peloponnesischen Krieges auf, da sie nur durch den Zwang zusammengehalten wurde.

Bei seinem Tode 429 liegt die Fülle der Gewalt in den Händen der Volksversamm- lung. Aber während er sich nie zu dem Demos herabgelassen, sondern immer in erhabener Höhe über ihm gestanden und ihn nur zu edlen, dem Staate wahrhaft heilsamen Mass- regeln bestimmt hatte, unterschieden sich seine nächsten Nachfolger, wie Kleon, durch Nichts von der grossen Masse, gaben den Gelüsten derselben blindlings nach oder benutz- ten gar ihren Einfluss, um sich selbst zu bereichern. Treffend charakterisirt sie Thukydides (II. 65, 6) mit folgenden Worten: oi F doreoorꝝ(Scil. HIνν.] lοι‿ηιτοο μωο 0Hl0ꝭ G08 2ous örres ουοεκινμ⁶ενι τοι⁹σσο 82α⁴στοο †ονυνεσναι έτοσασmQτοτο ⁷1˙οτσς υμισσρ m r odyuzd 278,S67. Wäre nun Athen damals nicht in jenen Kampf verwickelt gewesen, der den Wendepunkt in der griechischen Geschichte überhaupt bezeichnet, in einen Kampf um seine ganze Macht- stellung, ja seine Existenz, wobei der kleinste Fehler unberechenbare Nachtheile brachte, so hätte das heillose Regiment der Demagogen nach Perikles Tode vielleicht keine so unmit- telbar schlimmen Folgen gehabt; allein unter den damaligen Verhältnissen konnte nur ein strenges Festhalten an Perikles weiser und besonnener Politik Athen den gefährlichen Kampf glücklich bestehen lassen. Die Grundsätze derselben fasst er in seiner letzten Rede vor dem. Beginn des Krieges in den einfachen Worten zusammen, er hoffe zuversichtlich, dass Athen siegreich aus dem Kampfe hervorgehen werde, 20ενι6 dον εᷣ εμ υάπιετ⁴αςνα μςα πνεν uoë?νree xιυ⁸ουνονςα αάʃνιαοεους mν⸗öô! Rs.)

Eine ganz entgegengesetzte Politik befolgen die Nachfolger des Perikles seit Kleon; sie haben der Bezeichnung ö-νακeσω die schlimme BedeutungVolksverführer gegeben. Unter ihrer Verwaltung und durch sie werden alle Besoldungen erhöht und dadurch die für den Krieg unentbehrlichen Mittel dem Staate entzogen; die Bedrückung der Bundesgenossen

³) Plat. Gorg. p. 515. E; Andoc. in Alcib.§. 12. 4) Thuc. 1, 144, 1. 1*