XVIII
Da die Quelle Kurtz den städtischen Thermen in chemischer Hinsicht nahe verwandt ist, so kann für sie ein besonderer Ursprung nicht angenommen werden. Es sind also nur die folgenden 2 Fälle möglich:
a) Die Aktivität des Wassers einer Quelle kann von der ihres Sinters dem Charakter nach verschieden sein.
So unwahrscheinlich das ist, so hat doch hier das Experiment das letzte Wort; die Lücke, die der fehlende Sinter der Quelle Kurtz lälst, macht sich hier recht fühlbar.
b) Die Therme Kurtz hat zwar mit den städtischen Warmquellen gemeinsamen Ursprung, erfährt aber nach ihrer Abzweigung von den gemeinsamen Spalten bei einem längeren Wege durch die oberen Bodenschichten eine starke Veränderung ihrer physikalischen Eigenschaften.
So wie die Sachen bis jetzt liegen, hat die zweite Annahme die gröſsere Wahrschein- lichkeit für sich.
4. Das Salz der Quelle.
Unter dem 21. Dezember v. J. überliels mir Herr Dr. Kurtz ein Quantum des von ihm aus der Quelle gewonnenen Salzes. Tags darauf pewirkten 63,6, g des Salzes in der ersten Versuchsstunde einen Potentialabfall von 4,7 Volt und in den drei folgenden nur einen solchen von 4,2 Volt. Das Salz ist also schwach aktiv. Um den Einfluſs der Lösung zu prüfen, wurden am 4. Januar I. J. 81,1 g des Salzes in 600 cm Wasser unter Vermeidung des Kochens gelöst; die Lösung war nur eine sehr unvollständige. Auf die so erhaltene, trübe und viel ungelösten Rückstand enthaltende Flüssigkeit wurde die Luftmethode angewandt, die bei einer Temperatur von 10,5⁰0 A= 3,3 in der ersten und 3,6 in der zweiten Versuchsstunde ergab. Der Unterschied der Aktivität der Lösung von der des festen Salzes ist hiernach nicht grols.
Die Lösung wurde in einer verkorkten Flasche aufbewahrt und am 20. Januar bei einer Temperatur von 13°abermals untersucht. Es ergab sich A= 1.5 Volt. Endlich wurde am 2. März durch dieselbe Flüssigkeit eine Stunde lang die Luft des geschlossenen Kreises geprelst und am folgenden Tage die Aktivität bei 14.5( festgestellt; es war A= 2,4 Volt. Vom 20. Januar bis zum 2. März hat also die Aktivität der Lösung zugenommen und das Durchpressen der Luft war nicht imstande, die Aktivität zu entführen, wie es bei den Süls- quellen der Fall war.
Damit ist aber die Anwesenheit eines aktiven Elementes— wohl des Radiums— in dem Salze und nicht bloſs die der Emanation des Elementes festgestellt.
Die Versuche nach dieser Richtung hin sind noch nicht abgeschlossen.
E. Schlufsbemerkungen.
Ein Überblick über die erhaltenen Resultate lehrt: Die Aktivität des Wassers der Süls- quellen in der Umgebung Wiesbadens ist durchschnittlich grölser, als die des Wassers der Eisensäuerlinge des westlichen Taunus und der stüdtischen Thermen. Schon am 26. August v. J. fand ich, was Prof. Henrich ¹) später bestätigte, dals das Wasser des Marienbrunnens im Nerotal stärker aktiv war als das aller bis dahin in rascher Folge durchgeprüften Thermen, die Schützenhofquelle und die Quelle Kurtz ausgenommen. Aber auch die nächst der Quelle Kurtz stärkst aktive Schützenhofquelle bleibt mit A= 122(nach Prof. Henrich, dessen
¹) Sitzungsber. der phys. med. Soz. 36, 1904, S. 195.


