II
Von Herrn Prof. Dr. Henrich wurde ich schon bei Beginn seiner Untersuchungen auf die hochgradige Aktivität der Gase der hiesigen Thermen aufmerksam gemacht. Als ich dann in der oben erwähnten Arbeit Himstedts unter anderen auch eine nassauische
Mineralquelle— Fachingen— angeführt fand, hielt ich eine Prüfung der Taunusquellen überhaupt für geboten und nahm, sobald mir— Mitte August vor. Jahres— die not-
wendigsten Apparate zur Verfügung standen, die Untersuchung in Angriff. Bei einer raschen lediglich zur Einübung der Versuchsmethode nicht zur Veröffentlichung bestimmten Durch- musterung der hiesigen Thermen überraschte mich die schwache Aktivität des Faul- brunnens. E. Winters Ansicht, ¹) dals das Wasser dieser Quelle Kochbrunnenwasser mit Beimischung von Süſswasser sei, veranlaſste mich., die Sülswasserquellen der nächsten Umgebung einer Prüfung zu unterziehen und bald nahmen diese meine ganze Aufmerk- samkeit in Anspruch.
2. Versuchsanordnung.
Die Versuchsmethode und dementsprechend auch die Versuchsanordnung war der Haupt- sache nach eine Kombination der von Prof. Himstedt) in der oben zitierten Arbeit und der von Elster und Geitel in der Zeitschrift für Instrumentenkunde beschriebenen. ⁵)
Die Aktivität einer Quelle wurde nach dem Potentialabfalle geschätzt, welchen ein bestimmtes Quantum Luft, das durch ein gegebenes Volumen Quellwasser eine Stunde lang geblasen wurde, an einem geladenen Elektroskope bewirkte. Das Elektroskop unserer Apparatensammlung ist das Exnersche. Zehntel seiner auf Volt geaichten Skalenteile lassen sich bequem schätzen und gestatten Ablesungen von 0.5 zu 0.5 Volt. Es ist mit einem in seinen Kopf eingelassenen Zerstreuungskörper versehen und steht auf einer Eisen- platte, über welche eine zylindrische Metallglocke luftdicht gesetzt werden kann. Die Glocke hat zwei Fenster. eins zur Beleuchtung der Skala und eins zum Ablesen des Ausschlags der Aluminiumblättchen. Sie ist aufserdem mit einer Vorrichtung zum Laden des Elektro- skops und mit 2 Hähnen versehen, welche die Einführung oder Ansaugung von Gasen ermöglichen. ⁴)
Bei unseren Versuchen wurde die Glocke in einen geschlossenen Luftkreis eingeschaltet. Ein dickwandiger Gummischlauch stellte die Verbindung des oberen Hahnes mit der Saugröhre einer zweistiefeligen Hahnluftpumpe her. Der Grassmannsche Hahn der letzteren war mit einer Wulfschen Flasche verbunden, die andrerseits an ein Röhrensystem angeschlossen war, das aus zwei Ca Cl-Röhren, einer P, O,-Röhre und einem mit Kupfer- wolle ⁵) gefüllten geerdeten Messingrohre bestand. Letzteres machte die bei den Versuchen etwa auftretende sogenannte„Wasserfallelektrizität- unschädlich. Das zweite Ende desselben stand mit dem unteren Hahn der Metallglocke in Verbindung. Damit war der Luftkreis in sich geschlossen. Das Volumen der gesamten in ihm enthaltenen Luft betrug rund 11000 cmꝰ.
Jede Untersuchung eines Quellwassers auf den Grad seiner Aktivität bestand aus der Luftprobe und der darauf folgenden eigentlichen Wasserprobe. Zunächst wurde die Verbindung zwischen dem Grassmannschen Hahn und der Wulfschen Flasche gelöst und die Luftpumpe in Tätigkeit gesetzt. Jeder Hub des einen Kolbens saugte aus der Metall- glocke rund 600 cm“ Luft an, wührend zugleich der zweite Kolben das gleiche Volumen ins Freie presste. Etwa 25 Kolbenhube füllten daher den gesamten Luftkreis sicher mit Zimmer-
¹) Die Thermalquellen Wiesbadens 1880. S. 15.
2) Annalen d. Phys. 3. 1904.
3) J. Elster und H. Geitel, Zeitschrift für Instrumentenkunde 1904, S. 193.
1) Die angeführten Apparate wurden von der Firma Günther und Tegetmeyer in vorzüglicher Ausführung geliefert
5) Die Kupferwolle wurde von der Firma Bühne& Co. in Freiburg i. B. bereitwilligst zur Ver- fügung gestellt.


