Aufsatz 
Über die Radioaktivität einiger Süßwasser-, Mineral- und Thermal-Quellen des Taunus
Entstehung
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Uber die Radioaktivität einiger Süſswasser-, Mineral- und Thermal-Quellen des Taunus.

A. Einleitung.

1. Literatur.

Nachdem Linss¹) den Nachweis geführt hatte, daſs die Abnahme der Elektrizität eines isolierten Leiters nicht durch den Stützenverlust, sondern durch Abgabe an die Luft erfolgt, machten es Elster und Geitel?) wahrscheinlich, dals die Luft ionisiert ist.

Die Vermutung, die Ionisierung möchte von aktiven Substanzen in der Luft herrühren, erhielt eine starke Stütze, als es den genannten Forschern gelang, hochgespannte negativ elektrische Leiter, welche einige Stunden mit der Luft in Berührung plieben, stark aktiv zu machen. Hierbei ergab sich zugleich, dass die vermutliche aktive Substanz mit der Emanation der Radium- und der Thorpräparate nicht identisch ist.

Bei der Wiederholung und Erweiterung der Versuche von Elster und Geitel fand Himstedt, ³) daſs die Leitfähigkeit der Luft für Elektrizität nach dem Durchpressen durch Quellwasser, insbesondere durch Thermalquellwasser, einen hohen Grad erreiche. Seine Resultate lieſsen ihn die Vermutung aussprechen,daſs sich in unserer Erde weit verbreitet vielleicht überall radioaktive Stoffe finden und dals vielleicht in gröſseren Tiefen der Erde bedeutendere Mengen radioaktiver Mineralien sich finden, als in den oberen Schichten.:

Ungefähr um dieselbe Zeit, in welcher der zweite der erwähnten Aufsätze Himstedts erschien, unternahm Herr Prof. Dr. F. Henrich die Untersuchung der hiesigen städtischen Thermen, insbesondere auch nach Seiten ihrer Aktivität. ¹) Die wichtigsten seiner bis heute (Ende Januar 05) vorliegenden auf Aktivität sich beziehenden Resultate sind wohl:die Gase der hiesigen Thermen sind stark aktiv. Aller Wahrscheinlichkeit nach verdanken sie diese Eigenschaften einem besonderen, seinem chemischen Charakter nach noch festzustellenden Gase.

Auch das Wasser dieser Quellen ist aktiv, klingt aber rasch ab. Der Sinter bewahrt seine Aktivität auf Jahre hinaus.

Einzelheiten findet man in den oben angeführten Publikationen.

) Meteor. Ztschr. 4 1887. 2) Ann. d. Phys. 5. 1901. ³) Ann. d. Phys. 12. 1903. Ann. d. Phys. 3. 1904. ¹) Chem. Ztg. 1904. 575. Zeitschrift für angewandte Chemie XVII, 16, S. 14. Sitzungsberichte der phys. med. Soz. 36, 1904, S. 177. 1