16
nötig, die ganze Frage in dem Umfange zu behandeln, in welchem die Arbeiten über die Ab- hängigkeit der EK von der Temperatur besprochen wurden. ¹)
Über den Einflufs der Temperatur auf den Widerstand des Diaphragmas habe ich keine Untersuchung auffinden können. Hier dürfte also eine weitere Lücke in den Arbeiten über die Abhängigkeit der galvanischen Ketten von der Wärme vorliegen.
Ohne Berücksichtigung der Temperatur hat Branly ²) den Widerstand des Diaphragmas
bestimmt. Ein prismatischer Trog war durch eine poröse Scheidewand— der Stoff derselben ist in der erwähnten Arbeit nicht näher besprochen— in zwei Gefäſse geteilt, von denen das
eine mit Zn SOi-Lösung, das andere mit CuSO-Lösung gefüllt war. In das erstere tauchten in genau bestimmtem Abstande von einander und von dem Diaphragma 2 amalgamierte Zink- platten, in das zweite 2 Kupferplatten, ebenfalls in genau gemessenem Abstande von einander und von der Zwischenwand. Er ermittelte dann zunächst den Widerstand der Zn S04-Säule zwischen den beiden Zinkplatten, welche dabei als Plektroden dienten und konnte daraus den Widerstand der Flüssigkeitssäule zwischen jeder von ihnen und dem Diaphragma berechnen; das gleiche geschah für die Cu SO-Lösung. Bestimmte er dann experimentell den Gesamt- widerstand zwischen der inneren Zink- und der inneren Kupferplatte, und zog davon denjenigen der beiden Flüssigkeitssäulen ab, so war die Differenz der Widerstand des Diaphragmas; mittelst der äufseren Zink- und äufseren Kupferplatte stand ihm ein zweiter Wert für dieselbe Grölse zur Verfügung.
Auffallend ist die Thatsache, dals, während so viele Forscher sich dem Studium des Ein- flusses der Temperatur auf den Widerstand der Elektrolyten zugewandt, anscheinend nur sehr wenige die Abhängigkeit des gesamten inneren Widerstandes der zur praktischen Verwendung kommenden galvanischen Ketten von der Temperatur untersucht haben. Beispielsweise habe ich über das Bunsen'sche Element und das Daniell'sche Schwefelsäureelement eine Arbeit in der erwähnten Richtung überhaupt nicht gefunden, während dieselbe Frage an dem Elemente [2n, Zn SO, Cu SOa, Cu], an den Chromketten und an der Kette Leclanché meines Wissens nur von Preece(Vvergl. Seite 4) erõörtert worden ist.
Als ich vor mehreren Jahren bei Schulexperimenten auf die starke Veränderlichkeit der Stromstärke der galvanischen Ketten infolge von Temperaturschwankungen aufmerksam wurde, glaubte ich diese Veränderlichkeit nicht nur einer Schwankung des inneren Widerstandes, sondern auch einer solchen der elektromotorischen Kraft zuschreiben zu sollen. Die Grölse der EK zweier verschiedener sich berührender Körper wird durch ihre materielle Beschaffenheit bedingt. Nun ändert eine Temperaturschwankung der Elektromotoren innerhalb der in der Praxis vor- kommenden Grenzen zwar nicht ihre chemische Zusammensetzung, wohl aber ihre physikalische Beschaffenheit. Der Unterschied der ihnen vermöge ihres Wärmeinhalts innewohnenden Kraft- vorräte ist in verschiedenen Temperaturen ein sehr verschiedener. Die Wahrscheinlichkeit, daſs eine Anderung dieser Kraftdifferenz bei variirender Temperatur auch eine Veränderung der an ihnen beobachteten unter dem Namen„Potenzialdifferenz“, oder— wobei statt der Wirkung die
¹) Erschöpfende Angaben über die gesamte hierher gehörige Literatur finden sich in G. Wiedemann, „Die Lehre von der Elektrizität“ I, Seite 570— 620. ²2) Branly, Annales scientifiques de l'école normale supérieure, II, p. 240, 1873,


