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Der Einflufs der Temperatur auf den inneren Widerstand der Ketten ist, nach einer Seite hin, abschlielsender untersucht, als der Einfluls der Temperatur auf die elektro- motorische Kraft.
Die Verminderung des Widerstandes der Elektrolyte mit wachsender Temperatur ist ein- wurfsfrei qualitativ zuerst von Ohm und Henrici nachgewiesen worden. Genaue quantitative Versuche nach dieser Richtung hin führte Hankel¹) aus. Er benutzte eine Tangentenbussole mit doppelter Drahtwindung. In den einen Zweig des Drahtes wurde ein Rheostat, in den anderen die zu untersuchende Salzlösung zwischen zwei Polplatten aus dem Metalle ihrer Basis eingeschaltet. Durch beide Zweigdrähte ging der Strom einer und derselben konstanten Strom- quelle. Die von den Drähten bewirkten Ablenkungen wurden mittelst des Rheostaten kompensiert. So fand er, wenn der Widerstand der konzentrierten Cu SO.-Lösung bei 00= 100 gesetzt wird:
t= 0 11,9 31 66 w= 100 64 49 27
Andere Konzentrationsverhältnisse ergaben andere Zahlenwerte, aber immer eine starke Abnahme des Widerstandes mit zunehmender Temperatur.
Teils den Einfluſs der Konzentration, teils den der Temperatur auf den Leitungswiderstand der Elektrolyte untersuchten nach Hankel unter anderen namentlich G. Wiedemann, W. Schmidt, Becker, Lenz, Beetz, Paalzow. Fine sehr umfassende Prüfung der gesamten Frage unternahmen zuletzt, teils selbständig, teils gemeinsam F. Kohlrausch, Grotrian und Nippolt. Als Stromquelle diente ein Kohlrausch'scher Sinusinduktor oder auch ein gewöhnlicher Induktor mit Neef'schem Hammer. Der Fehler, welcher aus der Polarisation der Elektroden entspringt, der auch dann sich bemerkbar macht, wenn dieselben aus dem Metall der Salzlösungen bestehen, wird durch diese Anwendung der Wechselströme, wenn auch nicht ganz beseitigt, so doch auf einen hinreichend kleinen Wert herabgedrückt. Handelte es sich nicht um Salzlösungen, sondern um andere Flüssigkeiten, z. B. Säuren, so wurden die Elektroden möglichst grofs aus platiniertem Platin hergestellt. Auſser der Versuchsflüssigkeit war in den Wechselstrom ein Weber'sches Elektrodynamometer, ein Gyrotrop und ein Rheostat geschaltet. Der Gyrotrop gestattet in dem Stromkreise die Vertauschung der Flüssigkeit und des Rheostaten, deren Widerstände gleich sind, wenn sich bei der Vertauschung die Einstellung des Dynamo- meters nicht ändert. An Stelle des letzteren wurde zuweilen ein Telephon gesetzt, das ver- stummt, wenn Rheostat und Flüssigkeit sich kompensieren.
Bezeichnet kü die Leitungsfähigkeit der Flüssigkeit bei to, ko diejenige bei 00, so lieſs sich ke durch die Formel darstellen: k= k(1+ at+ St’), worin die Koeffizienten und' für jede Konzentration besonders ermittelt werden müssen. Bewirkt der Einfluſs der Konzen- tration Maxima und Minima der Leitungsfähigkeit, so sind die Konzentrationen, bei denen sie eintreten, von der Temperatur abhängig. Beispielsweise ist für H, SOd, wenn
t= 06 10 20.. 60 70⁰ C. das Maximum bei 30;,2 30,9 31,7 34,5 35,4%.
Die wichtigsten Resultate der angeführten Untersuchungen über den Widerstand der Flüssig- keiten sind in die verbreitetsten Lehrbücher der Physik aufgenommen; es erschien darum nicht
¹) Hankel, Pogg. Ann. 69.


