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gelangten höchſt wohlwollenden Fürſten Wilhelm V. von Oranien, der wie auch der frühere Hof die zu vertheilenden Prämien auf ſeine Koſten lieferte. Der letzte Jeſuiten⸗Rector war P. Mannebach.
II. Das Gymnaſium unter Weltgeiſtlichen(1773— 18170.
Nicht lange erfreuten ſich die Väter ihrer neuen Kirche, Schule und Wohnung, indem die Bulle des Papſtes Clemens XIV. ſchon nach 8 Jahren den Jeſuitenorden aufhob. Welchen Eindruck dieſes Ereigniß auch hier machte, geht aus einigen officiellen Actenſtücken jener Zeit hervor 12).„Was für betrübte Folgen“, heißt es in einem, welche Aergernuß und Zer⸗ rüttung hat die Aufhebung des Jeſuitenordens zur Welt geboren! Geſtern erſchienen auf einmahl die Naſſauiſchen Beambten in der Hadamariſchen Jeſuiten⸗Reſidenz, trungen in die Kirche ein, ſie verſchloſſen endlich die Kirche und kaum ſeint die species Sanctissimae von dem P. Superiore gerettet und ad oratorium Residentiae geflüchtet worden. Die Beſtürzung war allgemein, die ganze Stadt iſt entrüſtet, in Furcht und Aengſten.“— Die fürſtlichen Beamten ſequeſtrirten die Güter, befahlen den Pächtern, die Gefälle nicht mehr an die Väter, ſondern an den fürſtlichen Fiscus zu bezahlen, verſiegelten die Bibliothek und nahmen das Archiv mit ſämmtlichen Documenten mit nach Dillenburg ¹³). Doch die Vorräthe und das baare Geld rührten ſie nicht an, benahmen ſich überhaupt möglichſt human, beruhigten die Väter, ſicherten ausreichenden Unterhalt zu und hießen ſie, Schule und Kirche fernerhin zu verſehen. Bald aber mußte die Schule aufhören, da die Verſprechungen nicht gehalten wurden, und die Jeſuiten wegen Mangel an Unterhalt bis auf zwei die Stadt verließen. Ueberdieß hatte bei der erſten Nachricht von der Aufhebung des Ordens der Graf von Wied⸗Runkel die in ſeinem Gebiet gelegenen Güter und Gefälle widerrechtlich und in aller Eile einziehen laſſen, ſo daß die Oraniſchen Beamten, welche dorthin kamen, um für ihren Herrn von den Gütern Beſitz zu nehmen, leer abziehen mußten. Zwar ſuchte der Churfürſt von Trier als Erzbiſchof und höchſter geiſtlicher Ordinarius des Fürſtenthums Hadamar durch Verwendung ſowohl bei der Oraniſchen Regierung, als auch am kaiſerlichen Hof zu Wien die geiſtlichen Güter ihrer Beſtimmung zu erhalten, indem er ſich auf einen von Kaiſer Karl VII. be⸗ ſtätigten Act ſtützte, welchen der letzte katholiſche Fürſt Wilhelm Hyacinth mit ſeinem Nach⸗ folger Wilhelm IV. Henrich Friſo von Oranien reformirter Confeſſion bei Uebergabe des Fürſtenthums abgeſchloſſen hatte, kraft deſſen„der status religionis catholicae auch in Zu⸗ kunft ungeſchmälert cum omnibus suis anexis beibehalten und von den fundis zum Unterhalt der geiſtlichen Körperſchaften nichts anders wohin verwendet werden ſollte.“ Aber die An⸗ ſprüche des Churfürſten wurden in einer weitläufigen Denkſchrift der Oraniſchen Regierung vom 26. December 1773 zurückgewieſen ¹⁴).
Doch blieb die Verwendung inſofern nicht ohne Folgen, als die Oraniſche Regierung, beſonders auch auf Bitten des Stadtmagiſtrats von Hadamar ſich bereit erklärte, die Schule
12) Sie befinden ſich im Archiv des Gymnaſiums zu Coblenz und find mir durch die Güte des dortigen Gymnaſialdirectors, des Herrn Dr. Dominicus, zur Benützung überlaſſen worden und für eine ausführliche Ge⸗ ſchichte des Gymnaſiums von hoher Wichtigkeit. Dieſen ſind auch die obigen Angaben über den Ertrag der Jeſuiten⸗ güter i. J. 1773 entnommen.
13) Dieſelben ſind nach Aufhebung des Filialarchivs jedenfalls nach Idſtein übertragen worden.
14) Sie befinden ſich ebenfalls im Archiv des Gymnaſiums zu Coblenz.


