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fügt wurde. Der erſte Rektor war M. Kalkofen. Die deutſche, lateiniſche, griechiſche und franzöſiſche Sprache, Geſchichte, Geographie, Mythologie, Mathematik waren die Unterrichts⸗ gegenſtände; Uebung im Lateinſchreiben und Sprechen, Fertigkeit in lateiniſcher und deutſcher Verskunſt das Ziel, welches man erſtrebte, und welches bei den lateiniſchen Disputationen und Preisvertheilungen, ſowie bei Aufführung lateiniſcher und deutſcher Schauſpiele ſichtbar wurde.— Auch die Muſik und der Geſang wurden in einer ſchon 1658 errichteten Muſik⸗ ſchule gepflegt, und die Inſtrumente vom Hofe geliefert.
Die Anſtalt kam bald in Ruf und wurde zahlreich auch von adeligen Jünglingen, ſelbſt vielen Proteſtanten, beſucht*). Die Grafen von Petra, von Neſſelrode, von Platten⸗ berg, von Fürſtenberg, von Walterdorff, die Freiherren von Sickingen, Dehrn, Reifenberg, Vrede, Baſſenheim, Greifenklau u. a. lagen hier ihren Studien ob. Darum fand die Schule vielfach auch die Anerkennung der Churfürſten von Trier und Cöln bei deren öfterer An⸗ weſenheit am hieſigen Hof; ja der erſtere bot alles auf, die Väter mit ihren Schülern zur Ueberſiedelung nach Limburg zu bewegen, indem er ihnen daſelbſt Kirche und Schulhaus nebſt reichlichen Unterhalt verſprach. Der Plan ſcheiterte an dem Willen des damaligen dem hieſigen Hof befreundeten Jeſuitengenerals Goswin Nickel.
Im Jahr 1685 errichtete der Fürſt Franz Bernhard, Sohn Joh. Ludwigs, auf eigene Koſten ein Convict für 24 arme Schüler, die uunter der Leitung eines eignen Regens ſtanden. Dieſes ſowie das Gymnaſium wurden von manchen Wohlthätern, wie von den Chur⸗ fürſten von Trier, der Familie von Walterdorff und den benachbarten Geiſtlichen unterſtützt ⁵). Eine reiche Bibliothek mit Werken aus allen Disciplinen— darunter eine 1485 zu Straß⸗ burg gedruckte deutſche Bibel— ſtand den Vätern zu Gebot ⁵). Sie wurde leider bis auf wenige Reſte bei der Säculariſation zerſtreut. Das Ausſterben des fürſtlichen Hauſes 1711, Hungersnoth und Krankheit 1713 verminderte etwas die Frequenz. Doch gewann ſie wieder neuen Aufſchwung, als der Trierer Domherr Franz von Hungrighauſen, aus einer hier anſäßigen altadeligen Familie, durch Schenkung ſeines ganzen auf etwa 30,000 fl. geſchätzten Vermögens in Geld, liegenden Gütern, Zehnten und Gilten ¹⁰) die Miltel gewährte, ſtatt des alten baufälligen Hauſes das noch jetzt beſtehende Kloſtergebäude(die Wohnung des katholiſchen Pfarrers und des Gymnaſialdirectors) nebſt Kirche(die jetzige Pfarrkirche) und das Schulgebäude(die ſog. Aula, nunmehr in Privatbeſitz) zu erbauen. Bereitwillig gab die Oraniſche Regierung nicht bloß die Erlaubniß zum Bau unter Vorbehalt des jus circa sacra, ſondern ſchenkte auch 6 Eichſtämme und bewilligte, wie auch die Churfürſten von der Pfalz, von Mainz und Trier und der Fürſt von Schaumburg, Zollfreiheit auf der Lahn für Baumaterialien. Auch von den Bewohnern hieſiger Stadt und Umgegend weithin fand der Bau Unterſtützung durch unentgeltliche Zufuhren und bedeutende Holzlieferungen und Geld ¹1). Den Bau leitete ein Franziskaner⸗Bruder.
Im Jahre 1765 wurde in Anweſenheit der Oraniſchen Beamten der Unterricht im neuen Gebäude feierlich eröffnet, und die Anſtalt blühete auch unter dem 1766 zur Regierung
7) Zwiſchen 1680— 1711 zählte ſie oft an 250 Schüler, worunter an 50 Adelige.
8) Wagner II, S. 95.,
9) Kehrein, S. 14.
10) Daher die Höfe zu Ober⸗ und Niederweier und der jetzt noch ſog. Hungrighäuſer Wald. Wagner II, S. 483.
11) Daſelbſt S. 487.


