Aufsatz 
Erklärende Bemerkungen und Verbesserungsvorschläge zu einigen Stellen unserer Schulklassiker
Entstehung
Einzelbild herunterladen

12

Ausbildung ganz eng begrenzt hat, dagegen jetzt beim Gespräche des zweiten Tages(2, 8, 33 39) eine überschwengliche Schilderung von der Aufgabe, dem Werte und den Leistungen des Redners entwirft, erwidert hier, nach einer kurzen, ebenfalls mit einer Dichterstelle aus dem Trinummus des Plautus gewürzten Bemerkung des Catulus, sein Gegner Crassus, indem er mit den angeführten Worten seiner Genugthuung über dessen Bekehrung Ausdruck verleiht. Der Rhythmus der beiden trochäischen Septenare ist, wie das Cicero bei solchen Anführungen öfter thut, beim ersten durch die Einschiebsel inquit und Antoni, beim zweiten durch die Umstellung zweier Worte verdeckt, ganz ähnlich, wie das auch z. B. Plato im Phädo 69 C. c. 13 mit dem dort angeführten sprich- wörtlichen Hexameter 7rοαον νυι νεαριχσοι ⁵ἀννι dsé νεᷣ παo gemacht hat, in dem die Worte Follot undααάνο ihre Stelle vertauscht haben. Befreit man den ersten Satz von seinen beiden Einschiebseln, so ergiebt er einen vollständigen trochäischen Septenar, der allerdings, wie er dann dasteht: néx te nobis éxpolivit höminemque réddidit, noch unrichtig sein würde, da der Pyrrhichius, den der fünfte Fuss bietet, unstatthaft ist, der aber darum ohne Zweifel, aber auch ohne viel Kopfzerbrechen zu verbessern ist in: Nöx te nobis éxpolivit húümanum que réddidit.

Ob dabei hominem statt humanum ein Fehler der Handschriften oder ebenfalls Aenderung des Cicero selbst ist, um auch dadurch den Rhythmus zu verwischen, muss dahingestellt bleiben. Es ist in dem Verse die Rede von einem Charakter, der sich am Tage zuvor störrisch und wider- spenstig gezeigt, am folgenden aber, wie Antonius, gemässigt und milder erscheint. Von wem der Vers ist, dürfte wohl auch nicht schwer zu ermitteln sein; denn wenn die folgenden Worte, wie gezeigt werden soll, ebenfalls einen trochäischen Septenar enthalten und dieser von Cicero aus- drücklich dem Cäcilius zugeschrieben wird, so muss doch wohl der erstere ihm ebenfalls angehören, und er dürfte auch bei Cäcilius mit diesem in engem Zusammenhange gestanden haben, wenn auch vielleicht nicht in so engem, wie bei Cicero. Von den folgenden Worten nun hat Piderit remigem aliquem aut baiulum mit Häkchen eingeschlossen, erkennt sie somit als Worte des Dichters an, Sorof nimmt das vorausgehende operis noch dazu, Ribbeck, der in der 1. Ausgabe seiner comicorum lat. reliquiae unter den incertae fabulae des Cäcilius no. 25 operis remigem aut baiulum hat, wie Sorof, hat dem Dichter in seiner 2. Ausgabe nur die problematische Existenz eines operis remex übrig gelassen, zu der selbst einer der attischen Tragiker, die doch von εσασσαανν den weitesten bildlichen Gebrauch machen, oder ein Komiker wie Menander in einem sezs koyov sich zu ver- steigen kaum gewagt haben dürfte. Es ist aber offenbar die ganze Stelle unius cuiusdam operis remigem aliquem aut baiulum von(äcilius, und Cicero hat nur zur Verwischung des Rhythmus, der im ersten Verse die Einschiebung von inquit und Antoni und vielleicht auch die Umänderung von humanum in hominem diente, die beiden Worte cuiusdam und operis in ihrer Stellung ver- tauscht, so dass der Vers bei Cäcilius lautete:

ünius operis cuiusdam, rémigem aliquem aut bäiulum.

Bei Cäcilius ging, da anzunehmen ist, dass Cicero seine Worte in dem nämlichen Zusammen- hang eingefügt hat, den sie auch bei dem Dichter hatten, in dem früheren Verse wohl ein hominem oder dergleichen als Regens des Genitivs unius cuiusdam operis voraus, dessen Stelle bei Cicero durch das folgende oratorem vertreten wird, eine Beziehung, die auch Sorof schon erkannt hat, so dass also an eine Abhängigkeit von remigem und an einen operis remex nicht zu denken ist.

Dass auch die ästhetische Seite bei der Erklärung der Schriftsteller die ihr gebührende Berücksichtigung finden müsse, ist ohne Frage: ist sie es ja gerade, die den Eindruck des Gelesenen hauptsächlich vermittelt und befestigt. Eine gefühlvolle Auffassung ist darum, wie bei Schrift-