Aufsatz 
Erklärende Bemerkungen und Verbesserungsvorschläge zu einigen Stellen unserer Schulklassiker
Entstehung
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fassung nach der ganzen Haltung des Monologs nicht von der Hand zu weisen sein dürfte. Wie weit aber dieses Bestreben des Dichters geht, wie selbst Laut und Aussprache ihm dienstbar gemacht wird, glaube ich an unserer Stelle nachweisen zu können. Es betrifft dieser Nachweis den Vers 660 dll αd vdÆ Aidyε εᷣ σκmνπιωνπ αά. Wollen wir denselben allein und ohne jede Neben- beziehung als von dem in die Erde zu vergrabenden Unglücksschwerte gesagt verstehen, dann ergeben sich in dem Ausdruck verschiedene Unzuträglichkeiten, die sofort auffallen müssen. Was soll zunächst die Wiederholung des Objekts in auτο auf zyxos bezogen, da doch dieses Objekt in dem unmittelbar vorausgehenden Satze schon steht, seine Wiederholung in dem unmittelbar damit zusammenhängenden V. 660, weil selbstverständlich, also ganz überflüssig wäre? Sodann erscheinen doch die Ausdrücke vir und Aℳl⁴« als die, die das Schwert bergen und in ihr Dunkel aufnehmen sollen, eben von diesem gesagt, als recht hochtrabend und gespreizt. Und nun gar der Ausdruck -ρςέανννυν von diesem Unglücksschwerte gebraucht, dem Geschenke des Todfeindes Hektor, das er verflucht und im Augenblicke noch als ex½ ισπσον bezeichnet, von diesem Werkzeuge seiner Schande, mit dem er im Wahnsinn den Mord der Herden verübt hat, und dem er jetzt in seiner verstellten Erregung gegen dasselbe beinahe die Schuld davon zuschreibt, wie soll das sich reimen? Nicht gerettet, sondern eher vernichtet soll dasselbe werden, er selbst will es nie mehr sehen, und kein anderer soll es mehr sehen: wie könnte also, wäre nicht ein versteckter Sinn dabei, von demselben ein Gμραεαα νᷣ oder μεᷣνꝙ gesagt werden? Gerettet werden soll vielmehr Ajas selbst und zwar von der Schande, mit der er sich durch seine That des Wahnsinns befleckt hat, und der er nur durch den Tod entgehen kann, den eben das Unglücksschwert ihm bringen soll. Und das hört das Ohr des Zuhörers, der eingeweiht ist und die Sachlage kennt, beim richtigen Vortrage des Verses auch ganz deutlich heraus; er hört nicht allein das an und für sich überflüssige τ, wie Tekmessa und der Chor, er hört vielmehr aus demselben in Verbindung mit dem» des folgenden vöF ein ατν, und das ist die versteckte Hinweisung auf den Ajas selbst, der, um den Schleier des Ausdrucks zu wahren, nicht deutlicher bezeichnet werden durfte, und bei dem dann auch die Ausdrücke»ör und Aidyõe ihre volle Bedeutung gewinnen. Und wie nun so mit feinster Absicht- lichkeit der Sinn gleichsam in der Schwebe bleibt, wie man einmal hörte, es solle die Unglücks- waffe von dem Lichte des Tages verschwinden, und dann daneben, Nacht und Hades solle den Helden selbst im rettenden Schosse bergen, so bleibt es auch die Quantität und das Versmass; denn an der zweiten Stelle musste man und τν, einen Jambus und einen Spondeus zugleich oder vielmehr ein Mittelding zwischen beiden hören, so dass το zu véE herübergezogen und dessen » auch mit ihm verbunden wurde, ohne dass dasselbe jedoch im Vortrage doppelt und damit ein wirklicher Spondeus zu Gehör gebracht wurde. Der Kunst des Schauspielers war damit natürlich eine nicht geringe Aufgabe gestellt.

Da ich es hier gerade mit der Behandlung von Dichterstellen zu thun habe, so möchte ich bei dieser Gelegenheit auf ein Bruchstück des Statius Cäcilius aufmerksam machen, das sich bei Cic. de orat. 2, 10, 40 findet. Es stehen nämlich dort zwei vollständige trochäische Septenare dieses Komödiendichters, die von Cicero so zu sagen nur so leicht unter der Oberfläche der Prosa verscharrt sind, dass man sich fast wundern möchte, dieselben nicht schon längst als solche erkannt zu sehen. Die Stelle heisst: Et Crassus: Nox te, inquit, nobis, Antoni, expolivit homi- nemque reddidit. Nam hesterno sermone unius cuiusdam operis, ut ait Caecilius, remigem aliquem aut baiulum nobis oratorem descripseras, inopem quendam humanitatis atque inurbanum. Dem Antonius nämlich, der beim Gespräche des ersten Tages im Gegensatz

zu Crassus das Gebiet der Vorbildung des Redners und die Ansprüche an dessen wissenschaftliche 2*