Aufsatz 
Erklärende Bemerkungen und Verbesserungsvorschläge zu einigen Stellen unserer Schulklassiker
Entstehung
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und Erfahrungen nicht wenig zu gute thut. Vielleicht dürfte man noch einen Schritt weiter gehen und sagen, es gehe daraus hervor, dass man überhaupt damals elastische Metallwerkzeuge vielfach nicht kennen mochte; aus aldoi αεσνι(nicht ο α‿⁵οις) schliessen zu wollen, es sei die all- gemeine Auffassung gevesen, elastischen xαας und ⁶ν⁶eοο gebe es nicht, und es könne darum noch nicht lange her gewesen sein, nachdem man angefangen auf die Elastizität der Metalle aufmerksam zu werden, wie das P. thut, geht nicht an: sagt doch Philo selbst, solchen Leuten mangele es an Erfahrung im Einzelnen, also mussten doch die Erfahrenen die Sache so gut kennen, wie Philo. Dass dieser dann zum Beweis sich auf die iberischen und spanischen Schwerter beruft, nicht auf einheimische Industrie, könnte allerdings auffallend erscheinen, ist es aber in der That eben so wenig, als wenn heute jemand in der nämlichen Sache die Damascener- klingen erwähnen, die Solinger aber übergehen würde. Oder waren die Schwerter des Alexander und Pyrrhus auch iberisches oder spanisches Erzeugnis? Es zeugt somit die Stelle des Philo höchstens für die Seltenheit und Unbekanntheit, nicht aber für die Neuheit der Sache: einen Beweis dafür, dass die Zeit des Sophokles elastischen Stahl nicht gekannt habe, kann nur ein voreingenommener Standpunkt darin finden.

Es könnte allerdings der Einwand erhoben werden, wie es denn möglich gewesen sei, dass eine derartige Technik, wenn das Altertum sie gekannt, wieder verloren gegangen sei. Hier ist, wie oben schon berührt, darauf hinzuweisen, dass sie jedenfalls nicht allgemein, sondern nur in geringerem Umfange bei den vorzüglicheren Waffen und Werkzeugen und auch nur in hervor- ragenderen Werkstätten zur Anwendung kam, ja vielleicht mit einem ähnlichen Geheimnis um- geben war, wie es heute bei den Damascenerklingen der Fall ist. Der Verlust derselben in den Zeiten der Barbarei aber ist nicht auffallender, als der so mancher anderen Technik, man denke z. B. nur an die Enkaustik. Ob das Verfahren bei Herstellung der Damascenerklingen eine spätere eigene Erfindung des Orients, ob es nur eine Fortsetzung dieser alten Technik sei, wer möchte es entscheiden wollen? Dem Zeugnisse unserer Sophoklesstelle sollte aber doch mindestens eben so viel Gewicht beizulegen sein, als den noch keineswegs erschöpfenden Untersuchungen der neueren Technik.

Somit dürfte die Notwendigkeit einer Aenderung des Textes an unserer Stelle beseitigt sein und damit auch die Sorn Paehler's, die dieser seiner Schulausgabe des Ajas(Gotha, Perthes 1889) einzuverleiben kein Bedenken trug, während das Wort sich doch nur bei Hesychius findet, eine sonstige Gewähr aber bei Schriftstellern und Lexicographen nicht hat, samt ihren weiteren An- hängseln verschwinden.

Ich schliesse hieran die Besprechung einer anderen Stelle des Ajas in der nämlichen Rede desselben v. 657 60 an:. Tn

1104ν 1⁸ X.ν Ʒκνσν e àœσeννιε æizo, Oν̈ ꝙτν εέꝓ½οςσ 1οινιν εν¶0ισισπ¶ wAd, yaias dνεᷣς,&να ειμ i dννsrai

a ατ eνα τε σeςντιινπν νQκατw.

Bekanntlich hat bis in die neueste Zeit über den Charakter dieser Rede des Ajas grosse Meinungsverschiedenheit geherrscht und standen zwei Ansichten sich scharf gegenüber, von denen die eine dahin ging, Ajas verstelle sich nicht, er spreche seine Absicht den Tod suchen zu wollen, um der Schande zu entgehen, auch hier aus, könne aber nicht dafür verantwortlich gemacht werden, wenn Tekmessa und der Chor ihn missverstehen, die andere, er täusche seine Umgebung absichtlich, indem er eine Sinnesänderung und Nachgiebigkeit gegen die Atriden nur vorgebe, jedoch nicht, ohne seine wahre Absicht in versteckten Andeutungen das Ohr des Eingeweihten durchhören zu

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