Aufsatz 
Erklärende Bemerkungen und Verbesserungsvorschläge zu einigen Stellen unserer Schulklassiker
Entstehung
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scheiden lassen, da, wie schon oben bemerkt, auf diesem Gebiete der Technik noch lange nicht alle Punkte klar gestellt sind; vielleicht dürfte man sich, und besonders Paehler nach seinen technischen Auseinandersetzungen, eher für die zweite entscheiden. Etwas derartiges bezeichnete die αoσι jedenfalls; und so haben denn auch die Scholiasten und die neueren Herausgeber des Ajas in mehr oder minder klarer Erkenntnis die Sache aufgefasst, ohne dass sie glaubten befürchten zu sollen, die Gefahr des νοας⁴ραάννεea laufen zu müssen, wozu sie die neueren Conjecturen zu verdammen scheinen. Oder sollten wir glauben, es sei nicht möglich gewesen, auf die oben angegebene Weise Zwecke, die die heutige Zeit mit ihren vervollkommneten Hilfsmitteln und ihrer fortgeschrittenen Erkenntnis in technischen Dingen auf anderem Wege zu erreichen versteht, wenn auch vielleicht in langwierigerem und mühsamerem Verfahren ebenfalls zu erreichen? Die heutige Technik der Orientalen, die auf langer Tradition beruht, dürfte uns da eines Besseren belehren.

Wir hätten da einen locus classicus, sagt P., nachdem er seine allerdings noch etwas zweifel- hafte Zustimmung zu Bellermann's Erklärung geäussert,aus dem wir erweisen könnten, was bisher nur vermutet worden, dass die Alten die Kunst des Anlassens des Stahles verstanden haben. Ich möchte sagen, nicht wir hätten ihn, sondern wir haben ihn, insoweit damit die Erzielung der Elasticität verstanden wird, und zwar so, dass eine derartige Behandlung vermittelst des Oeles oder des siedenden Oeles geschah; denn die Lesart αe steht felsenfest und die Notwendigkeit der Be- ziehung von S⁴αꝓσ auf das ebenso feststehende sννυννπων nicht minder, und auch das angerufene Zeugnis eines Philo von Byzanz gegen das Bekanntsein des elastischen Stahles zur Zeit des Sophokles wird daran nichts ändern können.

Wie steht es nun aber mit diesem Zeugnisse des Philo, dem ein so grosses Gewicht bei- gelegt wird, und was bezeugt es denn? In dem erhaltenen Abschnitte seines Werkes rεον SeAoονέναα ν, dem 4. Buche desselben,§ 3951, schildert er seinem Freunde Ariston den, wie er sagt, von Ktesibios erfundenenErzspanner, das xαντoο, eine Wurfmaschine, deren Ein- richtung er selbst verbessert zu haben behauptet. Die verstärkte Wirkung dieses Geschützes beruhe, sagt er, darauf, dass die bei demselben in Anwendung kommenden ledec, Spannschienen, nicht von Horn, Holz oder dgl, sondern aus Erzlegierung gegossen, sorgfältig gearbeitet und elastisch seien, so dass sie, beim Spannen gebogen, nach Abschiessung des Geschosses wieder in ihre frühere Lage zurückkehrten. Ariston nun, so meint er, und mehrere andere(adοα τ‿νεεοσν) würden das vielleicht nicht glauben, vielmehr der Ansicht sein, dass das Erz ebenso wie das Eisen, wenn einmal gebogen, in dieser Biegung verbleibe und nicht mehr in seine frühere Lage zurückkehre also nicht elastisch sei. Er fährt dann fort: Gyyyiον b Ʒαστ αυoες o επ raνπιν τπν οεᷣeν osεασνσσσι πυ⸗ůoorooodot d wœrd sᷣ: man muss diesen Leuten verzeihen, dass sie sich zu einer solchen Meinung verleiten lassen, da sie im Einzelnen keine Erfahrung gemacht haben. Und dann führt er als Beleg, dass man solche elastische 1eridec herstellen könne, die sog. keltischen und spanischen Schwerter an, die man auf ihre Brauchbarkeit d. i. Elastizität dadurch prüfe, dass man sie über den Kopf lege, mit beiden Händen herabbiege und, dann plötzlich fahren lasse, wobei sie in ihre frühere gerade Lage zurückkehrten. Als Ursache, warum diese Schwerter so elastisch seien, führt er dann an, ihr Eisen sei ausserordentlich rein, ohne Schlacken und Fehler, es sei weder zu spröde noch zu weich und werde kalt lange geschlagen, jedoch nicht mit schweren Hämmern und nicht mit starken Schlägen u. s. w. Dies das Zeugnis des Philo. Was kann es beweisen? Doch nur, dass zur Zeit desselben(3. oder 2. Jahrh. v. Ch.) der Gebrauch elastischer erzerner 7erides wenig bekannt war; wäre Ktesibios oder Philo selbst ihr Erfinder, er würde das seinem Freunde gegenüber nicht verschwiegen haben, wie ja seine ganze breite und selbstgefällige Darstellungsweise den Eindruck macht, dass er sich auf seine technischen Kenntnisse