Aufsatz 
Erklärende Bemerkungen und Verbesserungsvorschläge zu einigen Stellen unserer Schulklassiker
Entstehung
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wendung hergestellten Eisen- und Stahlwerkzeuge, so dürften es vielleicht die folgenden, für den Begriff der Sαρeσ geradezu bezeichnenden sein. Die bis jetzt durch keine Nachahmung völlig erreichte Elastizität der Damascenerklingen neben ihrer vorzüglichen Härte und Schneide hat ihren Grund hauptsächlich darin, dass der bei ihnen verwandte Stahl eine sehr bedeutende Menge Kohlen- stoff enthält, mehr als man ihm bis jetzt in Europa zu geben imstande war. Nun enthält aber gerade das Oel eine ausserordentlich reiche Menge von Kohlenstoff, und dieser dürfte durch das Eintauchen des glühenden oder heissen Eisens oder Stahles in dasselbe sich zum Teil mit diesem verbinden und das in um so höherem Masse, wenn es bei wiederholtem Eintauchen öfter geschieht. Ist das aber richtig, dann pleibt bei diesem Verfahren noch eine andere Möglichkeit, bei deren Anwendung sich der Kohlenstoffgehalt des Eisens oder Stahles noch bedeutend erhöhen musste. Unterzog man nämlich zuerst einzelne Eisen- oder Stahl-Streifen oder-Drähte einer solchen Behand- lung und darauf folgender Bearbeitung mit dem Hammer ein Verfahren, wie es bei Herstellung der Damascenerklingen angewendet zu werden scheint vermehrte so ihren Gehalt an chemisch gebundenem Kohlenstoff und damit an Festigkeit und Geschmeidigkeit und schweisste dann diese Teile unter Fortsetzung des nämlichen Verfahrens zusammen und schmiedete das Ganze aus, dann liessen sich W9erkzeuge und Waffen von einer Vorzüglichkeit herstellen, wie dieselbe an den beiden Schwertern des Alexander und des Pyrrhus gerühmt wird. Ist ein solches Verfahren möglich oder wahrscheinlich, und das kann doch wohl nicht geleugnet werden, dann wird es mehr noch, als bei dem von Bellermann bezeichneten, klar, wie man dazu kam, es als S‿ασπ zu bezeichnen, und wie dieses Wort selbst geradezu zu der Bedeutung von Schneide mit dem Nebenbegriffe der Wider- standsfähigkeit gekommen ist.

Es war aber vermittelst des Oelbades vielleicht auch noch ein anderes Verfahren möglich, ähnlich dem, das Paehler selbst als das heute zur Erweichung des Stahles angewendete anführt, dem so- genannten Anlassen desselben. Es besteht darin, dass das erkaltete spröde Metall wieder langsam angewärmt wird, und wie nahe hier Paehler der Sache war, ersieht man daraus, dass er unter den Verfahrungsweisen dabei auch angiebt, man bestreiche zu diesem Zwecke den Stahl mit Oel und lasse dieses abflammen. Wenn er dann ferner bemerkt, dass die Härteabnahme des anzulassenden Stahles bei der schwarzblauen Farbe mit 316⁰ C.(genauer zwischen dunkelblau 300°C. und hellblau 320°%,C.) am weitesten vorgeschritten sei, so hätte er nur noch den Hitzegrad des siedenden Oeles in Betracht ziehen sollen, um zu finden, dass es ein besseres und zuverlässigeres Verfahren, als das Eintauchen in siedendes Oel, für eben dieses Anlassen nicht geben kann. Es stimmt nämlich der Siedegrad des Leinöls mit demjenigen, den er für die grösste Härteabnahme des Stahles angiebt, ganz genau überein: er beträgt 316⁰° ,. Es musste also ein, vielleicht wieder- holtes, längeres Eintauchen des Stahles in siedendes Oel, wobei derselbe allmählich auf den Hitze- grad desselben und auf den Grad seiner grössten Weichheit gebracht wurde, diesem alle die Vorteile sichern, die man ihm heute durch das sog. Anlassen verleiht. Es war das aber auch der sicherste Weg zur Erreichung des Zweckes, weil er jede höhere Erwärmung des Metalls, die den Erfolg nur geschmälert hätte, ausschloss; dass nebenbei die Bearbeitung mit dem Hammer zur Erreichung grösserer Elastizität eintrat, die eine sorgfältige Behandlung bei dem erweichten Metall leichter erzielte, dürfte selbstverständlich sein. Da nun auch bei diesem Verfahren das Eintauchen in das siedende Oel die Hauptsache und das Charakteristische war, so liess auch dieses sich mit dem Ausdrucke Sασꝶꝙcharakteristisch bezeichnen.

Welche der beiden angedeuteten Verfahrungsweisen, ob die einé oder die andere, oder ob selbst beide zusammen unter dem Ausdrucke 5ασσ zu verstehen seien, wird sich nicht leicht ent-