Aufsatz 
Erklärende Bemerkungen und Verbesserungsvorschläge zu einigen Stellen unserer Schulklassiker
Entstehung
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zufassen haben, und indem sie der eigenen Erklärung des Wortes 5⁴αeσαS als eines Eintauchens in ein Oelbad, wie es scheint, nicht recht trauen, wollen sie daneben mit manchen Herausgebern die Worte aoσ σαιςνωε de zu dem vorausgehenden ös deiν&νxαœοᷣοοwe röre beziehen, eine Erklärung, die noch Lobeck als möglich gelten lässt, die aber von allen neueren mit Recht verworfen wird. Aber trotz aller Zweifel und aller Ungewissheit und Unklarheit bezüglich der Auffassung der Stelle und des Begriffes der αemπν hat doch bis in die allerjüngste Zeit Niemand gewagt die Ueberlieferung zu verdächtigen und Aenderungen am Texte vorzuschlagen, bis Herr Direktor Paehler in seinem Wiesbadener Programm 1885 und dann in den Neuen Jahrbüchern für Philol. 1887 Bd. 135 S. 171 194 und S. 458 ff. eine ausgedehnte Besprechung der Stelle brachte und insbesondere durch eingehende Untersuchungen über die einschlägigen technischen Fragen sich berechtigt glaubte, annehmen zu dürfen, die Unhaltbarkeit des Wortes S.αꝓσm als dem Sinne der Stelle geradezu ent- gegengesetzt nachgewiesen zu haben und darum an dessen Stelle siν*⁹⁵, Schmiedeofen, Esse, vor- schlagen zu dürfen, also: Sανν½ Gι⁴mφο ς ⁸mννννννν στμα. Sofort nach ihm hat Herr Professor Blümner in Zürich, fussend darauf, dass die Unhaltbarkeit der seitherigen Deutungen der Stelle durch Paehler nachgewiesen sei, in den nämlichen Jahrbüchern 1886 Bd. 133 S. 67678 vor- geschlagen zu lesen: Sαm σα⁴mάοο 8ꝓαέμ☚ωϑν στπαα, indem ihm Paechler's Aenderung von Sao in Sæuyy nicht gefallen will, und schliesslich hat Nauck, ebenfalls auf Paehler gestützt, vermutet, es sei zu lesen zæxele ⁶ε⁶ο τα.. 4., indem er sich noch viel weniger um die Ueber- lieferung kümmert, als seine beiden Vorgänger. Man sieht, die Jagd ist eröffnet, und wer weiss, was nicht noch alles kommen wird, nachdem einmal die entfesselte Kritik auf die Stelle losgelassen ist; wo es so ein edles Wild zu pürschen gilt, da pflegen es die Jäger an sich nicht fehlen zu lassen.

Doch untersuchen wir einmal, ob denn eine Aenderung des Textes wirklich so unbedingt notwendig erscheint, vor allem auch, ob die Ueberlieferung an und für sich dafür einen Anhalts- punkt bietet. Dass ich dabei auf die techniche Seite der Untersuchung, auf der das hauptsächliche Verdienst der beiden Paehlerschen Abhandlungen beruht, nicht oder nur wenig eingehe, hat seinen Grund einmal darin, dass ich davon nichts oder nur wenig verstehe, und dann, dass, soweit ich mir darüber Belehrung zu verschaffen imstande war, auch auf dieser technischen Seite bezüglich recht wichtiger Punkte der Untersuchung noch eine solche Unklarheit herrscht, dass das Probieren bei denselben bis jetzt immer noch über das Studieren zu gehen scheint.

Ist nun schon das gleichsam hastige Ueberstürzen der Conjecturen kein günstiges Zeichen für deren Berechtigung, so ist zunächst auch das für dieselben ein recht bedenklicher Umstand, dass, soweit ich der Sache nachgehen konnte, weder die Handschriften noch die Scholien irgend etwas als Anhaltspunkt dafür bieten, dass eine Aenderung oder Verderbung des ursprünglichen Sophokleischen Textes stattgefunden habe. Die einzige Handhabe dafür, die Stelle auf den Index zu setzen, um ihr dann mit Conjecturen beizukommen, bietet die Behauptung, dass glühendes Eisen durch Eintauchen in Wasser nicht weich sondern hart werde, dass also der Vergleich geradezu das Gegenteil von dem Erforderten, also einen Unsinn enthalte, und dann, dass, wie aus Philo von Byzanz erwiesen werden soll, die Zeit des Sophokles elastischen Stahl noch nicht gekannt habe. Betrachten wir uns also einmal diese beiden Behauptungen.

Was die erstere anbelangt, so werden vor allem die Begriffe ⁴᷑eωο und ⁴αϑσ festzustellen sein. Auffallend ist hier vor allen Dingen, dass Paehler so sehr die Thatsache betont, dass glühendes Eisen beim Eintauchen in Wasser hart werde. Dass das geschieht, dass glühendes Eisen beim Eintauchen nicht nur in Wasser, sondern auch in jede andere Flüssigkeit, also auch in Oel, aus einem weicheren Zustande in einen härteren übergehe, ist so sehr von jeher und so