Aufsatz 
Erklärende Bemerkungen und Verbesserungsvorschläge zu einigen Stellen unserer Schulklassiker
Entstehung
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Erklärende Bemerkungen und Verbesserungsvorschläge zu einigen Stellen unserer Schulklassiker.

(Sophocles Ajas V. 650 ff., V. 660 Cicero de orat. 2, 10, 40 zwei trochäische Septenare des Statius Cäcilius Vergil Aeneis 9, 446 49; 1, 402 Plato apol. 34 D, c. 23 Demosthenes Phil. I, 40 Cicero pro Sestio 39, 85; pro Murena 4, 9 Sallust Catil. 52, 35; 53, 5.)

Von Gymnasiallehrer Professor Schlenger.

Die Conjecturalkritik ist ohne Zweifel eine recht wichtige und notwendige Sache zur Reinigung und Feststellung der Texte unserer klassischen Schriftsteller. So sehr sie dies aber ist, und so erfreulich ihre Ergebnisse sind, wenn sie mit Mass, mit Behutsamkeit und Besonnenheit geübt wird, so gefährlich wird dieselbe geradezu, wenn sie, wie das leider in den letzten Jahrzehnten immer häufiger geschieht, diese Schranken ausser acht lässt, wenn sie nicht da bloss eintritt, wo die Not sie gleichsam erfordert und sie einem heilsamen Zwecke dient, wenn sie nicht rein objektiv verfährt, sondern mehr oder weniger dem subjektiven Ermessen und einer Willkür anheimfällt, der die in der Sache gegebenen Schranken der vorgefassten Meinung gegenüber wenig gelten. Sie wirkt dann, wie das Element, von dem der Dichter sagt, dass seine Macht wohlthätig ist, wenn sie der Mensch bezähmt und bewacht, aber schrecklich und zerstörend wirkt, wenn sie dieser Fesseln sich entrafft: denn sie verunstaltet und verwüstet dann die Texte unserer alten Klassiker, wie das ja leider nomina sunt odiosa in unseren Schulausgaben bereits vielfach geschehen ist. Ver- trauen erweckend kann sie nur da sein, wo sie einen wirklichen, nicht eingebildeten Fehler oder Mangel des Textes nicht bloss nachweist, sondern auch imstande ist, die Art der Verderbnis und die Entstehung derselben an der Hand der Ueberlieferung auseinander zu setzen, und über- zeugend wird sie, wenn sie im engsten Anschlusse an diese Ueberlieferung dasjenige findet, was der Zusammenhang als das Richtige gebieterisch erheischt, und dieses thut sie dann in der Regel mit einer solchen Einfachheit und Selbstverständlichkeit, dass der Lesende sich darüber wundert, es nicht selbst gefunden zu haben. Mangeln ihr diese Erfordernisse, beschreitet sie, wie gesagt, den Weg des rein subjektiven Ermessens, dann gewährt sie nicht nur keine Befriedigung, sondern erregt Zweifel und Widerspruch, denn sie legt dann als übereifrige Erklärerin den Schriftsteller nicht aus, sie legt ihm etwas unter.

Solche Gedanken und Erwägungen, die ja zunächst allgemeine Geltung beanspruchen, kamen mir auch, als ich die mehrfachen Behandlungen zu Gesichte bekam, die die Stelle in Sophokles Ajas V. 650 ff.

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in jüngster Zeit erfahren musste. Sie gehört zwar zu den schwierigeren und darum schon seit alter Zeit vielfach umstrittenen; denn schon die Scholiasten sind zweifelhaft, wie sie dieselbe auf-