Aufsatz 
Die Bildung des Kaufmanns. Rede, gehalten bei der vorjährigen Schlußfeier
Entstehung
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18 dungsweſens wer müßte ihre Mahnung willkommener heißen, als der Lehrer, der Erzieher, deſſen Lebensaufgabe und Ideal ja die Förderung aller Bildung iſt. Und die Erfahrung hat auf's Glänzendſte bewährt, wie gerade aus dem Lehrſtande ſelbſt dem Bedürfniß nach gehobener Bildung des Bürgerſtandes vorzügliche Kräfte mit Begeiſterung ſich zugewendet haben, wie aus ſeinen Reihen hingebende Kämpfer für das bürgerliche Schulweſen hervorgegangen ſind, wo es galt, demſelben gegen feindliche hemmende Ein⸗ flüſſe Bahn zu brechen.

Aber nicht minder iſt es die Pflicht dieſes Lehrſtandes, da, wo die beſtgemeinten, aber übel begrün⸗ deten Wünſche ſich erheben, hervorzutreten mit ſeiner Erfahrung, um die Frage zu unterſuchen und auf⸗ zuklären.

Nach dieſen Vorbemerkungen will ich nunmehr auf mein Thema näher eingehen und zunächſt erörtern: was iſt denn überhauptBildung, und dann, was haben wir unter derBildung des Kaufmanns zu verſtehen?

Die Bildung des Menſchen iſt die Entfaltung und Pflege aller Fähigkeiten ſeines Geiſtes in Uebereinſtimmung mit den Geſetzen der Wahrheit und Schönheit. Daher beruhte von jeher in Religion, Wiſſenſchaft und Kunſt die Grundlage aller Bildung, und dieſe wird hierdurch zur höchſten, zur edelſten menſchlichen Aufgabe.

Von Bildung kann deshalb nirgends die Rede ſein, wo dieſe ideale Auffaſſung nicht in dem Vor⸗ dergrund ſteht, wo ſie nicht das eigentliche und innerſte Weſen der Erziehung ausmacht. Die gänzliche Hingebung an dieſes Ideal würde eigentlich die allein richtige Erziehung aller Menſchen ſein. Leider leben wir nicht in einer Welt der Ideale. Nur wenigen Glücklichen war es von jeher vergönnt, ihr Leben ganz und ungetheilt der Ergründung göttlicher Wahrheiten oder den Wiſſenſchaften und Künſten zu weihen.

Die Hülle des menſchlichen Geiſtes, der Leib von der Scholle genommen und an die Scholle gefeſſelt, verleiht ſeinem Daſein eine hoͤchſt reale Zugabe. Dieſer menſchliche Körper, mit ſeinen täglich wiederkehrenden Bedürfniſſen, mit ſeiner Hülfloſigkeit gegen Hunger und Durſt, gegen Hitze und Kälte, Elend und Krankheit er bildet eine Feſſel des Geiſtes, die ihn herabzieht aus den idealen Regionen. Sehen wir doch Tauſende bedauernswerthe Menſchen, ja ganze Völker, welche des Lebens Noth niemals ſich erheben läßt über die Sorge für den Leib, in welchen niemals jene Bildung aufdämmert, die uns ein Abglanz des göttlichen Geiſtes erſcheint.

Iſt es da nicht Pflicht, unſere Geiſtesgaben auch in jener Richtung auszubilden, wo ſie befähigt werden, der Noth des Leibes abzuhelfen? Alles, was uns lehrt, die verſchloſſenen Schätze der Natur auf⸗ zuſchließen, den Boden zu bereichern, ſeine Erzeugniſſe zu veredeln und durch Handel und Verkehr zum Gemeingut zu machen Alles dieſes kann dann wieder recht eigentlich der wahren Geiſtesbildung förder⸗ lich werden, indem es die Armuth und den Mangel überwindet.

In dieſem Sinne haben wir die Bedeutung der Realſchule aufzufaſſen, und in dieſem Sinne ſoll ſie für die hieſige Stadt ſowohl eine Erwerb⸗ und Gewerbſchule ſein, als ganz beſonders auch eine Handelsſchule, wenn ſchon ſie dieſe Benennung nicht führt.

Leider fehlt es nicht an Beiſpielen, daß Lehranſtalten der dürftigſten Art ſich den Namen von Handelsſchulen und Handelsinſtituten beigelegt und ausgebeutet haben. Lieſt man die vielver⸗ ſprechenden Programme ſolcher Unternehmungen, prüft man ihre Lehrkräfte und das Alter ihrer Schüler, ſo wird man unwillkürlich an gewiſſe induſtrielle Schwindelgeſchäfte erinnert.

Nach dem, was über das Weſen der Bildung im Allgemeinen geſagt worden iſt, leuchtet es von ſelbſt ein, daßdie Bildung des Kaufmanns, damit nicht im Widerſpruch erſcheinen darf. Ein Jeder, der dieſem Stande ſich widmet, bedarf vor Allem der Erziehung zur Sittlichkeit, zur Ordnung und Wohlanſtändigkeit, was wir gewöhnlich mit der Bildung des Herzens bezeichnen und hauptſäch⸗