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Wenn alſo in den höheren Gebieten des Unterrichts eine Theilung der Arbeit nothwendig und
erfolgreich ſich vollzogen hat, ſollte da nicht auch in dem unteren Schulweſen eine den ſpäteren Berufs⸗ arten möglichſt entſprechende Sonderung der Unterrichts⸗Anſtalten empfehlenswerth erſcheinen?
Nichts ſcheint natürlicher, und es fehlt nicht an Beiſpielen, dieſem Bedürfniſſe nachzukommen. Zunächſt ſehen wir, daß die vorbereitenden Schulen, wie ſie von Alters her beſtanden, nicht mehr genügten. Dieſelben waren, dem früheren Bedürfniß gemäß, einfach und klar in Zweck und Einrichtung. Man hatte die deutſche Schule oder Volksſchule für den bürgerlichen Beruf— man hatte die lateiniſche Schule oder das Gymnaſium für die wiſſenſchaftlichen Fächer. Aber dieſe zwei alleinigen Richtungen im Schulweſen reichten nicht mehr aus, ſeitdem ein zahlreicher Bürgerſtand ſich erhob, der eines reicheren Bildungsſtoffes bedurfte, als die Volksſchule ihn zu gewähren vermag, und der doch nicht den ſtrengen wiſſenſchaftlichen Pfad verfolgen konnte, den die gelehrte Schule vorſchreibt.
Vornehmlich waren es der Handelsſtand und das gehobene Gewerbe, welche eine neue ihren Lebenszwecken und Verhältniſſen angepaßte Schule immer dringender verlangten. In allen Städten durch das ganze Deutſchland, wo Handel und Wandel blühen, da erhoben die angeſehenſten Bürger ihre Stimme nach jenen Bildungsanſtalten, die unter dem Namen von Realſchulen oder höheren Bürger⸗ ſchulen ſeit 25 bis 30 Jahren allerwärts in's Leben gerufen wurden. Und heute noch iſt dieſem Bedürfniß nicht allerwärts genügt. Jährlich vermehrt ſich die Zahl dieſer wichtigen Bildungsanſtalten.
Indem das Verlangen nach Realſchulen hauptſächlich von Kaufleuten ausging und von ſolchen Gewerbtreibenden, deren Geſchäfte ebenfalls, eine mehr oder weniger kaufmänniſche Betriebsweiſe erfordert, ſo verſteht es ſich von ſelbſt, daß die Realſchulen eine Einrichtung erhielten, welche dieſen Berufsarten angemeſſen war. Mathematik, neue Sprachen, Naturwiſſenſchaften, Fertigkeit im Schreiben und Zeichnen wurden vorzugsweiſe als Lehrſtoffe berückſichtigt, während die alten Sprachen, die ein ſtrenges und lange jähriges Studium erfordern, in den Hintergrund traten. Und in der That, ſo jung die Realſchulen auch ſind, ſo manche Erfahrung und Verbeſſerung ſie machen und ſich aneignen mußten,— ſo haben dieſelben doch ſeit ihrem Beſtehen ſchon Tauſende von jungen Leuten herangebildet, die insbeſondere im Handels⸗ ſtande ſich tüchtig bewieſen und bewährt haben.
Es mußte daher die Realſchulmänner ſehr überraſchen, in den letzten Jahren mehrfache Stimmen zu vernehmen, welche auch in dieſer Sphäre des Schulweſens eine weitergehende Theilung der Arbeit ver⸗ langen, indem ſie die Einrichtung beſonderer Handelsſchulen in Anregung bringen. Wiederholt hat namentlich der Bericht der hieſigen Handelskammer auf den Mangel einer ſolchen Lehranſtalt für eine Handelsſtadt wie Mainz hingewieſen. Es zeigt ſich hierin aber ein ſolches Ueberſehen deſſen, was in dieſer Beziehung bereits geſchehen iſt, daß ich es dem Andenken jener ausgezeichneten Mitglieder des hie⸗ ſigen Handelsſtandes, deren Anregung unſere Realſchule in's Leben rufen half— daß ich es der Fürſorge der Stadt und des Staates, wodurch dieſelbe unterhalten und gefördert wird,— daß ich es endlich unſeren eigenen Beſtrebungen ſchuldig bin, dieſe Frage zum Gegenſtande meiner heutigen Erörterung zu machen.
Erſcheint es wohlgethan, im Gebiete unſeres bürgerlichen Schulweſens noch eine weitere Theilung der Arbeit vorzunehmen? Bedürfen wir in der That, neben unſerer Gelehrtenſchule, neben der Realſchule und der Volksſchule noch einer weiteren Lehranſtalt unter dem Namen einer Handelsſchule?
Ich ſage— nein! Ich ſage dieſes aus vollſter Ueberzeugung und gegründet auf meine lang⸗ jährige Erfahrung im Schul⸗ und Erziehungsweſen,— auf meine aus vielſeitiger Berührung hervorge⸗ gangene Kenntniß der Bedürfniſſe und Verhältniſſe des Handelsſtandes,— endlich auf meine gewonnene Einſicht in ſogenannte und wirkliche Handelsſchulen und in ihre angeblichen und wirklichen Leiſtungen.
Wenn in dem Verlangen nach einer Bildungsanſtalt ein berechtigter Bildungsdrang ſich ausſpricht, wenn die öffentliche Stimme hinweiſt auf eine wirkliche Lücke in der Gliederung unſeres Bil⸗
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