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IV. Beigabe.
Prde des Dirrhtors.
(Gehalten bei der vorjährigen Schlußfeier.)
Die Bildung des Kaufmanns.
Hochverehrte Anweſende! Für die Erzeugung all der manchfaltigen Gegenſtände, welche unſeren täglichen Bedürfniſſen dienen, iſt die Theilung der Arbeit der herrſchende Grundſatz geworden. Die Fabrikation hat in Folge deſſen an Güte und Maſſe der Produktion einen ungeheueren Aufſchwung genommen. Gegenden und Länder, die bisher in ihren Erzeugniſſen einen vorherrſchend landwirthſchaft⸗ lichen Charakter beſaßen, ſind in die Klaſſe der Manufakturgebiete eingetreten. Wenn nun unläugbar die Theilung der Arbeit in der mechaniſchen Behandlung des Stoffes ſo förderlich ſich erweiſt, ſo liegt es nahe, auch für die Bearbeitung des Geiſtes, für den Unterricht und die Erziehung, mit einem Worte für die Bildung des Menſchen hiervon große Vortheile ſich zu verſprechen.
Auf den Höhepunkten der Geiſtesbildung, auf den Univerſitäten, hat in der That eine den Berufs⸗ arten entſprechende Theilung der Arbeit ſich längſt ſchon vollzogen. Denn dieſelbe hatte keineswegs von jeher, weder im Alterthum, noch im Mittelalter beſtanden. Ariſtoteles für ſich allein repräſentirte eine ganze Akademie, und einer gleichen Vielſeitigkeit begegnen wir im Zeitalter Karls des Großen bei einem Sohne unſerer Stadt Mainz, Hrabanus Maurus, dem berühmten Abt von Fulda, nachmaligem Biſchof von Mainz. Sagt doch von ihm der eine Geſchichtsſchreiber, daß:—„wie Bonifacius der Prieſter, ſo war Hrabanus der Lehrer des deutſchen Volkes“— während der andere Hiſtoriker ihn„den Schopfer des deutſchen Schukweſens“ nennt. Das Wiſſen dieſes hervorragenden Geiſtes umfaßte in der That alle göttlichen und menſchlichen Angelegenheiten, und wenn auch in ſeinen zahlreichen Schriften der religiöſe Gehalt vorwiegt, ſo verbreitet er ſich doch bei der Erörterung von Gegenſtänden der Kunſt, der Wiſſenſchaft, der Oekonomie und anderer bürgerlicher Geſchäfte und Einrichtungen in ſo ausgedehnter und eingehender Weiſe, daß Hrabanus uns als der Träger der Geſammtbildung ſeiner Zeit erſcheint.
Noch lange blieb dem Gelehrten die Aufgabe, in allem Wiſſen bewandert zu ſein. Aber Fauſt's bekannter Klageruf bezeichnet recht augenfällig die beginnende Verzweiflung des Einzelnen, der die ganze Wiſſenſchaft nicht mehr bemeiſtern kann, die, an Inhalt gewachſen, nunmehr in die verſchiedenen Facul⸗ täten ſtreng ſich abtheilt und gliedert.
Ja, es vollzog ſich in neuerer Zeit noch eine weiter gehende Theilung im Bildungsweſen, indem ſelbſt die techniſchen Fächer, die einer wiſſenſchaftlichen Grundlage bedürfen, ſich in Fachſchulen vertreten finden, wie ſolche für das Forſt⸗, Berg⸗ und Hüttenweſen, für das Bau⸗ und Maſchinenweſen und für die chemiſche Technik gegründet wurden.


