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herrlich gewesen ist in den Tagen seiner Kraft, noch herrlicher erschien er dem inneren Auge in den Tagen der Prüfung. Nachdem er lange genug den schweren Weg der Selbstverleugnung und des stillen Gehorsams gewandelt und lange genug die eigne fürstliche Thatenlust hatte bändigen müssen, fand ihn der Tag, der ihm die Krone brachte, als den schwer getroffnen Dulder, der mit dem Leben abgeschlossen hatte.
»Lerne zu leiden, ohne zu klagen«— das war die Lehre, die er dem erlauchten Sohne und seinem Volke von seinem Schmerzenslager aus hinterliess. Als eine teure Erinnerung trägt die Anstalt seinen Namen— und als eine
ernste Mahnung.
Unter allen Vorbildern grosser Menschen, welche der Jugend hier vor Augen gestellt werden können, ist keines edler als das seine. Was Schiller in seiner Dichtung von den Johannitern sagt:
»Religion des Kreuzes, nur du verbindest in einem „Kranze der Demut und Kraft doppelte Palme zugleich!«,
das vergegenwärtigt uns sein Bild. Mõge die Anstalt fortfahren, auch in aller Zu- kunft das Werk der Erziehung an ihren Zöglingen als eine rechte Friedrich-Wilhelms- Schule auszuüben! Möge sie auch in aller Zukunft im Sinne ihres heimgegangenen Protectors christliche Bügertugend in die Seelen der Jugend pflanzen! Christliche Bürgertugend— das heisst vor allem freien, willigen, grundsätzlichen Gehorsam gegen die Gesetze des Vaterlandes. Er, der da herrschen sollte, hat diesen freien Gehorsam in einem Leben voll williger Unterordnung bewährt, und sein höchster Königs- und Kaiserstolz wäre es gewesen, nicht der Willkürherrscher, sondern der durch das Ge- setz gebundene und gerade darin freie Herrscher eines freien Volkes zu sein. Christ- liche Bürgertugend ist treue Hingebung an das Ganze. Diese Hingebung, welche erblich ist in dem erlauchten Hause der Hohenzollern,— Friedrich Wilhelm hat sie bewiesen allezeit, noch ehe er als Friedrich III. den Thron bestieg, und diese Hin- gebung, wie sie zur christlichen Herrschertugend gehôrt, so gehôrt sie nicht minder zur christlichen Bürgertugend. Nicht der eigne Vorteil, auch nicht der Vorteil des besonderen Standes, der besondern Gesellschaftsklasse, der wir gerade angehören, soll unser Gôtze sein, sondern das Wohl des Ganzen, das Wohl des gesamten Volkes und Vaterlandes sei der Gedanke, der uns erfüllt. Unsere Jugend soll es früh lernen, sie wird es in dem ernsten Gange, den unsere vaterländische Geschichte nimmt, brauchen. Und mit der christlichen Bürgertugend verbinde sich jedes allgemein menschliche, edle Streben nach allem, was den hohen Ideen des Guten, Wahren und Schönen entspricht, wie es in Friedrich Wilhelm lebte. Gegründet aber werde sie auf dem, was allein die Grundlage alles Menschenwertes ausmacht, auf der Demut vor Gott und auf der getrosten Zuversicht zu seiner Gnade und Treue, die in Christo der Welt offenbar geworden ist und in welcher wir der göttlichen Führung zu unsrem Heile gewiss sind in guten und bôsen Tagen.
Zu solcher Gesinnung zu erziehen, ist unsere Aufgabe. An ihr môge auch diese Anstalt arbeiten in aller Zukunft und in diesem Sinne ihrem Namen Ehre einlegen, wie sie es bis jetzt gethan.


