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Bedürfnis genügen und zugleich den Wünschen unsrer Schulgemeinde gerecht werden würde. d
Es ist doch eine wahre Kalamität, dass schon im 9. Lebensjahre die Ent- scheidung über den künftigen Beruf getroffen werden soll— und das muss sie, weil sich danach die Wahl der Schule bestimmt. Darum ist es dringend zu wünschen, dass diese Entscheidung in eine spätere Zeit hinausgeschoben werde, wo Neigungen und Fähigkeiten schon mehr hervorgetreten sind. Der Unterricht müsste demnach in den ersten Schuljahren für Alle ein gemeinsamer sein, also für alle Schul- arten ein gemeinsamer Unterbau geschaffen werden. Es ist ferner aus nahe- liegenden sozialpolitischen Gründen dringend zu wünschen, dass dieser gemeinsame Unterricht nicht das Lateinische umfasse, damit nicht dadurch eine Verführung ent- stehe zu der Ergreifung gelehrter Berufsarten, deren Uberfüllung schon jetzt eine angsterregende ist. Der gemeinsame Unterbau müsste also lateinlos sein. Es fragt sich nun aber, ob diese Wünsche erfüllbar sind ohne Gefährdung der eigentlich humanistischen Bildung, welche in der That eine Einschränkung nicht mehr ertragen kann. Nun, gar manche Erfahrungen der Neuzeit haben gelehrt, dass durch Hinaus- schiebung des Anfangs des lateinischen Unterrichts wenigstens bis zum dritten Schul- jahr(Quarta) eine Gefahr für die Erreichung der Endziele nicht entsteht, ja begeisterte Vertreter des humanistischen Unterrichts haben sich aus didaktischen Gründen und im Interesse des Lateinischen selbst für diese Hinausschiebung ausgesprochen. Damit ist für mich die Sache entschieden: nur eine Art Einheitsschule mit gemein- samem lateinlosen Unterbau für die 2 oder 3 ersten Jahre wird dem Bedürfnis genügen. Nebenbei würde diese Einheitsschule, da sie alle Schularten in ihren Unterklassen vereinigt und somit für alle Berufsarten die Wege öffnet, es auch kleinern und weniger leistungsfähigen Städten ermõglichen, für alle Bildungsbedürfnisse— die ja in den kleinen Städten gerade so mannichfaltig sind wie in den grossen— in wahr- haft zweckmässiger Weise zu sorgen.
Wenn nicht alle Anzeichen trügen, hat die Verwirklichung dieses Gedankens gerade in der Gegenwart einige Wahrscheinlichkeit, nicht, dass er dem ganzen preussischen Schulwesen zu Grunde gelegt zu werden Aussicht hätte, wohl aber wird es einzelnen Städten, besonders wenn die unselige Militärberechtigungs- frage von der Schule losgelöst werden sollte, künftig leichter gemacht werden, ihn auszuführen. Die Entwicklung unserer Friedrich-Wilhelms-Schule hat auf diesen Ge- danken geführt: es würde— glaube ich— der richtigste und für mich sehr erfreuliche Abschluss langer Irrgänge in der Entwicklung derselben sein, wenn er sich sollte verwirklichen lassen. Wollte ihn Eschwege ergreifen, es würde dadurch an die Spitze eines Reformgedankens treten, welcher des Dankes der Mitwelt und Nach- welt sicher wäre.
Doch sei dem, wie ihm wolle! Sollte auch dies Hôchste nicht zu erreichen sein, so haben wir doch in unserer gegenwärtigen Organisation einen Zustand, der dem Ideal möglichst nahe kommt, ja in einer Beziehung, nämlich durch den Bildungswert des Lateinischen, es noch übertrifft und bei dem wir uns wohl beruhigen können,


