Aufsatz 
Bericht über die 50jährige Jubelfeier
Entstehung
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auf ihren frommen Glauben zurückweisen gelernt, wenn sie mit der Logik der Ge- schichte die Unmöglichkeit des rosigen Zukunftsstaates(des oft versuchten und immer gescheiterten) erkannt, wenn sie mit der Uberzeugung sich durchdrungen haben, dass es hier einen Kampf gilt nicht etwa nur um ein mehr oder minder irdischen Besitzes. sondern um die húchsten Güter der Menschheit, um den Fortbestand unserer Kultur und Gesittung. Und somit wird denn die oft belächelte ideale Bildung doch am Ende auch praktisch sich nützlicher erweisen, als man meistens glaubt, so gewiss immer der Geist siegen muss über materielle Kräfte. Ich denke, Sie werden mir zu- stimmen, wenn ich eine solche Bildung auch für die Zukunft so realistisch dieselbe auch aussieht für die richtige halte und auch in unserer Anstalt als Ziel hin- stelle, durch dessen Verfolgung sie dem Realschulgedanken nicht uutreu wird, son- dern gerade dient, im besten Sinne dient.

So das Ziel, welches sich aus der Geschichte unserer Anstalt mit immer grösserer Klarheit ergab. Aber welches ist der beste Weg zum Ziele? Das ist die andere Frage, auf welche ebenfalls die Geschichte unserer Anstalt eine bemerkenswerte Antwort gibt. Freilich fast scheue ich mich, nachdem ich Sie an der Hand unserer Schul- geschichte in das innerste Heiligtum aller Pädagogik eingeführt, noch von diesen vergleichsweise nur äusserlichen Erfahrungen zu reden, aber ich weiss, dass der Gegen- stand ein brennendes Interesse unserer Schulgemeinde berührt, gerade jetzt, und darum nicht umgangen werden kann. Es ist die Frage der besten Organisation, um die es sich handelt, wenn von dem besten Wege zur Erreichung des Zieles geredet wird, der besten Organisation wo nicht des höheren Schulwesens überhaupt, so doch unsrer Anstalt.

Die Friedrich-Wilhelms-Schule ist von dem Tage ihrer Gründung an ein lebendiger Zeuge dafür gewesen, dass bei der Vielgestaltigkeit des modernen Lebens nicht ein Bildungsgang für alle Berufszweige allein für richtig gelten kann. Aber das gänzliche Auseinandergehen des gymnasialen und realistischen Bildungsweges hat man doch gleichzeitig von Anfang an zu vermeiden gesucht, aus rein äusserlichen, aber auch aus inneren Gründen: aus äusserlichen, insofern die völlige Trennung beider Anstalten unverhältnismässige Kosten verursachen müsste, denen nur eine grössere Stadt gewachsen wäre, aus inneren Gründen aber, insofern es doch naturgemäss er- scheint, dass das Auseinandergehen der Bildungswege erst dann stattfinde, wenn wirklich von einer bewussten Wahl des Berufes die Rede sein kann, also schwerlich schon vom 9O. Lebensjahre an. Nach langem Schwanken beruhigte man sich endlich, den eigentlichen Kern der Frage umgehend, mit einer Art Personalunion, sodass nun Gymnasiasten und Realschüler gemeinsam unterrichtet wurden ausser in den fremden Sprachen. Aber für ein ganz richtiges und gesundes Verhältnis hat man das doch eigentlich nie gehalten, das zeigen die Verhandlungen von 1844, 1856 und besonders 1869, wo die Aufsichtsbehörde es ablehnte, das Progymnasium als ein solches im Sinne des Gesetzes anzuerkennen, weil die Vereinigung der Gymnasialklassen mit rein realistischen dem im Wege stehe. Es war deshalb natürlich, dass man eine wirklich organische Vereinigung beider Anstalten immer wieder anstrebte. Die

Möglichkeit einer solchen schien nach den bestehenden Verhältnissen nur in derjenigen 3