Aufsatz 
Bericht über die 50jährige Jubelfeier
Entstehung
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kam, so räumte man doch nun dem neusprachlichen Unterricht, der bald sich auch auf das Englische erstreckte, eine wichtigere Stelle in dem Schulorganismus ein, wo- durch er allenfalls den lateinischen Unterricht zu ersetzen befähigt wurde. Die Grund- lage zu einer gesunden Entwicklung der Realschule war damit ein für allemal und früher als vielfach anderswo gewonnen und jene niedere Ansicht überwunden, es vermöge und wolle die Realschule rascher und leichter als das Gymnasium für den praktischen Lebensberuf vorbereiten und Kenntnisse mitteilen, die sich unmittelbar verwerten lassen, die richtige UÜberzeugung gewonnen, dass gerade dann nicht für die Schule, sondern für das Leben gelernt und ein höherer Grad von Brauchbarkeit er- reicht wird, wenn die für die Zwecke des Lebens nôtigen Kräfte an und für sich ausgebildet werden, dass alle Berufsbildung, wenn sie Bestand haben soll, sich auf freie menschliche Bildung des Geistes und des Gemütes gründen muss.

Auf dieser Grundlage hat sich die Eschweger Realschule dann im Allgemeinen ruhig und stätig weiter entwickelt auch der UÜbergang an Preussen änderte in dieser Beziehung nur dies, dass das, was bis dahin nur thatsächlich geübt war, jetzt gesetzliche Vorschrift wurde. Auf dieser Grundlage steht die Friedrich-Wilhelms- Schule am Ende des ersten halben Jahrhunderts. Auf dieser Grundlage wird sie stehen müssen, wenn sie ihren Beruf nicht verfehlen, wenn sie den Segen stiften soll, den man von einer höheren Lehranstalt erwartet. Doch das ist wohl ganz selbstver- ständlich? Was solls der Worte? Gewiss, gegen das Prinzip wird sich wohl so leicht Niemand erheben. Aber Prinzipien haben leider die Eigentümlichkeit sofort vergessen zu werden, sobald sie dem persônlichen Interesse widersprechen. Und so hat denn doch auch das Prinzip, von dem wir hier reden, gar manche unbewusste Gegnerschaft. Oder was ist es denn anders, wenn immer wieder das Verlangen nach grösserer Berücksichtigung z. B. der gewerblichen Berufsarten laut wird, wenn z. B. Handels- u. andere Fachschulen angepriesen werden als die wahrhaft geeigneten Bildungsstätten? Und doch ist gerade unsere Zeit so sehr dazu angethan vor solchen Irrwegen zu warnen, welche nicht das grosse edle Ziel allgemeiner geistiger und namentlich sittlicher Bildung verfolgen. Wie unmôglich es ist, bei der auch im gewerblichen Leben zuneh- menden Teilung der Arbeit Vorkenntnisse für einen besonderen Beruf in der Schule mitzuteilen, dass es vielmehr wichtiger ist, durch die strenge Zucht des Denkens, wie sie Sprachen und Mathematik auferlegen, den Schüler zu befähigen, dass er sich in jedem Berufe mit Verstand zurechtfinde, das will ich nur streifen, um auf die noch viel grôssere Bedeutung der sittlichen Bildung für unsere Zeit kurz hinzuweisen. Unsere ganze Gesellschaftsordnung wird bedroht von einer entsetzlichen und doch weit und weiter um sich greifenden Weltanschauung, welche alle Bande frommer Scheu bewusst zerreisst, welche Glauben und Sitte, Staat und Familie, die Grundlagen gewerblicher Produktion und idealen Schaffens zerstört. Gegen solche zerstörenden Gewalten werden unsere Schüler, auch diejenigen besonders, welche einem gewerblichen Beruf sich zuwenden, dereinst zu kämpfen haben, und in diesem Kampfe wird es wichtiger als alle Fachkenntnisse sein, wenn sie mit begriff- licher Klarheit und gemütlicher Innerlichkeit die brutalen und unlogischen Angriffe