Aufsatz 
Bericht über die 50jährige Jubelfeier
Entstehung
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hat auch noch von ganz besonderen Erlebnissen zu erzählen. So eng auch die Grenzen ihrer Thätigkeit nach Zeit und Umfang gesteckt gewesen sind, so hat sie doch vermõöge ihrer eigenartigen Entwicklung so reiche Erfahrungen sammeln können, wie sie auch bedeutendere Schulen mit grösserer Ausdehnung und längerer Geschichte, weil sie in dem gleichen Geleise hergebrachter Formen sich bewegen konnten, nicht aufzuweisen haben. Alle die Fragen, welche in den verflossenen Jahrzehnten die pädagogische Welt und damit fast alle Kreise der Bevölkerung bewegt haben, sie haben hier ein vernehmliches Echo gefunden, in vielen Fällen ist ihre Beant- wortung praktisch hier versucht worden, gar manchmal mit dem Ergebnis:»Friedlich bei einander wohnen die Gedanken, doch hart im Raume stossen sich die Sachen«. Nur Einiges freilich kann hier hervorgehoben werden, aber es ist das wichtigste, was in unserer Zeit auf dem Gebiete des Unterrichts und der Erziehung überhaupt ver- handelt worden ist, es sind die Fragen nach den höchsten Zielen der Er- ziehung und nach den richtigsten Wegen sie zu erreichen, auf welche hier durch die Thatsachen Antworten gegeben sind, Antworten, welche im höchsten Grade beachtenswert, wenn nicht entscheidend sind.

Das ahnten freilich die Männer, die die Gründung unsérer Anstalt in Anregung brachten, wohl nicht, zu welch' bedeutungsvoller Entwicklung sie den Anstoss gäben. Die Ministerial-Entschliessung vom Januar 1830, welche die Umwandlung der etwa vorhandenen Rektorklasse in ein Progymnasium anordnete, wollte nur dem beschämen- den Zustande des Eschweger Schulwesens in der einfachsten Weise ein Ende machen. Denn ein beschämender Zustand war es doch, dass die Stadt, welche Jahrhunderte lang der Sitz einer der blühendsten Gelehrtenschulen des Landes gewesen, an Ein- wohnerzahl und Wohlstand weitaus die erste unter den Landstädten des Staates, dass diese Stadt seit 1823 auch des letzten Restes höherer Schuleinrichtungen sich beraubt und damit dem entlegensten Dorfe gleichgestellt sah; konnte doch nicht einmal durch Privatunterricht für das dringendste Bedürfnis ausreichend gesorgt werden. Und dieses Zustandes nahm sich die Staatsregierung an in ihrer Weise, in einer Weise, wie es damals für selbstverständlich gelten konnte: sie ge- währte der Stadt wieder die Gelegenheit zu einem geordneten gymnasialen, d. h. im wesentlichen lateinischen Unterricht. Und wie die Stadtbehörde und Bürgerschaft seit dem beklagenswerten Vorgange von 1823 nichts andres entbehrt, nichts andres begehrt hatte als lateinischen Unterricht, so war man mit dieser fürsorglichen Ab- sicht der Regierung so vollkommen einverstanden, dass man nur wegen allzu karg bemessener Verabreichung des lateinischen Unterrichts besorgt und aufs eifrigste darauf bedacht war, dem zu gründenden Progymnasium eine Ausdehnung wenigstens bis zum 14. Lebensjahr der Schüler zu geben. Aber was man in der ersten freudigen UÜberraschung mit beiden Händen ergriffen hatte, das erschien je länger je mehr einer instinktiven Skepsis unzureichend und den wirklichen und dringlichsten Be- dürfnissen einer Stadt wie Eschwege wenig entsprechend: der anfangs recht nebel- haft auftretende Gedanke einer realistischen Bildung an Stelle oder neben der gym- nasialen nahm greifbarere Formen an. Was in dem grossen Nachbarstaate seit dem