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Wir halten unſeren dramatiſchen Wallenſtein einer ſolchen Machination für unfähig und glauben, daß ſie bei dem niemals verdächtigen Charakter Buttler's durch nichts gerechtfertigt war. Wallenſtein würde hier allerdings als ein vollendeter Intriguant daſtehen, natürlich zu ſeinem eigenen Nachtheil.
Wie ſteht er nun zu ſeinen Freunden, zunächſt zu Illo und Terzky? Er hat ſie in ſeinen Plan eingeweiht, er nimmt nicht bloß dankbar ihre Beihilfe an, nein, er ermuntert ſie, alle Mittel— natürlich auch verwerfliche— anzuwenden, um die Unterſchriften der Offiziere zu erlangen, wie er denn auch durch ihre Vermittelung die Unterhandlung mit den Schweden er⸗ möglicht. Als nun durch die Gefangennahme Seſina's die perſönliche Gefahr der alſo Betheiligten ſich ſteigert, und als ſie, weil zurückzukehren unmöglich ſei, ihn zu entſchloſſenem Handeln ermuntern; da erklärt er dem Terzky:„Dich ſtraf ich Lügen, denn ich habe nichts Schriftliches von mir gegeben.“ Alſo er will ſeinen Kopf aus der Schlinge ziehen, indem er ſeine Mithelfer preisgibt. Naiv richtet er an Terzky die Frage:„Wer ſagt euch denn, ob ich euch nicht alle zum Beſten habe? Ich wüßte nicht, daß ich Dir mein Innerſtes aufgethan,“ ſo daß Terzky unwillkürlich ausruft:„Du haſt ſtets dein Spiel mit uns getrieben.“ Uebrigens möchten wir wiſſen, ob es noch etwas Geheimeres gebe, als dieſes Complot, durch das er dem Kaiſer ſeine Armee ſtehlen und dem Feinde zuführen will. Wer uns in ſolche Plane einweiht, bei deren Bekanntwerdung der eigene Kopf auf dem Spiele ſteht, der hat uns, ſollten wir denken, des größten Vertrauens gewürdigt.
Ueber ſeine Freundſchaft zu Max wollen wir hier nicht weiter ſprechen, da wir die an ſich herrliche Erſcheinung dieſes edlen Jünglings im rauhen Kriegsleben jener Zeit für eine Anomalie, auch abgeſehen davon die Freundſchaft zwiſchen dem nüchternen Realiſten Wallenſtein und dem ſchwärmeriſchen Idealiſten Max für eine Unnatur halten.
Es erübrigt uns noch, ſein Verhalten gegen Frau und Tochter kurz zu berückſichtigen. Von einem innigen, gemüthlichen Familienleben zwiſchen Wallenſtein und der Herzogin iſt nirgends eine Spur wahrzunehmen. Wie er ſeine Wege geht, ohne ſie in's Vertrauen zu ziehen, ſo macht es ihm auch wenig Sorge, wie viel oder wie wenig Kummer ihr dadurch bereitet wird. Eine gewiſſe ſchon durch die Etiquette vorgeſchriebene anſtändige Behandlung, das iſt alles, was er der Mutter ſeines Kindes bietet, ſo daß ſie ſelbſt am treffendſten das Peinliche dieſes Ver⸗ hältniſſes mit den Worten ſchildert:„Was habe ich nicht getragen und gelitten in dieſer Ehe unglücksvollem Bund, ſtets an eines Abgrunds jähem Rande! Es lebt(als Troſt für die Che der Tochter) kein zweiter Friedland, Du haſt Deiner Mutter Schickſal nicht zu fürchten.“
Als dem Vater aber nach Jahren ſeine Tochter, die als Kind er dem Kloſter anvertraut hatte, als blühende Jungfrau wieder vorgeführt wurde, da iſt es nicht das Vaterherz, das ſich im Beſitze des geliebten Kindes glücklich fühlt. Da ſchließt er nicht, dem Drange der natürlichen Empfindung folgend, die Tochter freudig in ſeine Arme, ſondern er betrachtet ſie kalkulirend als das Pfand größeren Glücks. Die Mutter Natur hat ſie ſo begünſtigt, um ſie ihrem glänzenden
Geſchick und ſeiner Hoffnung ſchön geſchmückt entgegenzuführen; er hadert nicht mehr mit dem 2*


