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Wir finden ihn falſch gegen den Kaiſer, falſch gegen die Schweden, falſch gegen Buttler.
Durch welche Trugſchlüſſe er ſeinen beabſichtigten Verrath vor ſeinem eigenen Gewiſſen zu rechtfertigen bemüht war, haben wir bereits geſehen. Es ſteht ihm aber, der eben im Begriff iſt, ſein Heer den Schweden in die Arme zu führen, übel an, ſich von dem verrätheriſchen Octavio ſchwer gekränkt zu fühlen, von ſeinem geraden Herzen und von dem falſchen des Freundes zu ſprechen. Wie Octavio ſein Vertrauen, ſo mißbraucht Wallenſtein ſchnöde das Vertrauen ſeines Kaiſers, der nach allem, was er für Wallenſtein gethan, mit noch größerer Indignation hätte von ihm ſagen können:„Das iſt geſchehen wider Sternenlauf und Schickſal.— Dies falſche Herz bringt Lug und Trug in den wahrhaftigen Himmel!“
Er unterhandelt mit den Schweden und weiß nur zu gut, daß er von ihnen Zugeſtänd⸗ niſſe nur dann erwarten kann, wenn er ihnen ein Stück deutſcher Erde als Aequivalent bietet. Was ſollen nun da die Worte:„Es ſoll im Reiche keine fremde Macht Wurzel faſſen; am wenigſten dieſe Hungerleider.“ Jene ſtillen oder lauten Einräumungen und dabei dieſe reser- vatio mentalis erinnert doch gar zu ſehr an die Moral der Jeſuiten. Im gewöhnlichen Leben nennt man das Betrug. Terzky fühlt es ſofort richtig heraus und fragt ihn, ob er mit den Sachſen„ehrlicher“ verfahren wolle, die wegen ſeiner„krummen Wege“ anfingen, die Geduld zu verlieren.
Zu Wrangel, deſſen Hand er vertraulich faßt, ſagt er:„Aufrichtig“(d. h. jetzt kommt eine Unwahrheit)„ich war ſtets im Herzen gut ſchwediſch“— und beruft ſich ſogar auf die guten Dienſte, die er ihnen in Schleſien und bei Nürnberg geleiſtet, indem er ſie durch eine Hinterthüre oft habe entwiſchen laſſen. Dem Queſtenberg dagegen, der ihn einer auffallenden Unthätigkeit zieh, antwortet er mit der Miene gekränkter Unſchuld“ Das mag wohl der alten Praxis: si fecisti, nega angepaßt ſein, aber offen und ehrlich war ein ſolches Benehmen ge⸗ wiß nicht.
Seine Handlungsweiſe gegen Buttler iſt aber ebenſo niederträchtig wie unerklärlich, ſo daß wir hier Wallenſtein gegen Schiller ſelbſt in Schutz nehmen müſſen. Wallenſtein zeigt ſich für ſeine Zeit auffallend liberal, indem er eben nicht nach dem Stammbaum, noch nach Jemandes Katechismus fragte.„Liebt oder haßt einander, wie ihr wollt,“ pflegte er den ſich Befehdenden zuzurufen, um ihnen damit zu verſtehen zu geben, daß er ſich von der Engherzig⸗ keit ſeiner Glaubensgenoſſen frei wußte. Und in der That hatte er nicht wenige proteſtantiſche Offiziere in ſeinem Heere, die er um ihrer militäriſchen Tüchtigkeit willen hoch hielt.
Buttler aber wird als ein ehrenfeſter Charakter geſchildert, ganz Soldat, voll treuer An⸗ hänglichkeit an Wallenſtein. Dieſer hätte ihn noch angetrieben, ſich um den Grafentitel zu bewerben, hätte ſich mit edler(d. h. erheuchelter!) Freundeswärme für ihn verwendet, um den wegen der Zurückweiſung gegen den Kaiſer Rache ſinnenden mit ſich um ſo feſter zu verbinden?*)
*) Der hiſtoriſche Wallenſtein ſoll dem Illo wirklich dieſen Streich geſpielt haben.


